20.12.2009 · Die Wirtschaftskrise lässt auch Caviar House nicht unberührt
du. GENF, 20. Dezember. Jeder definiert Genuss anders - auch mit Blick in seinen Geldbeutel. Hundert Gramm Fleischkäse kosten etwa 1,30 Euro, hundert Gramm Rindsfilet knapp fünf Euro und hundert Gramm Kaviar im Durchschnitt 250 Euro. Wem trotz des Preises danach gelüstet, kann in Genf fündig werden. Dort befindet sich an der noblen Einkaufsmeile Rue du Rhône der Stammsitz von Caviar House & Prunier. Ebenerdig zeigt der Gourmet-Tempel seine Kaviarspezialisten nebst edlem Balik-Lachs und teurem Champagner, im ersten Stock kann der Kunde in einem kleinen Restaurant schlemmen. Weiter oben ist die Schaltzentrale von Caviar House zu finden.
Der Ursprung des Unternehmens liegt in Kopenhagen. Dort gründete der gebürtige Libanese George Peter Rebeiz 1950 Caviar House und machte es zum größten Importeur von iranischem Kaviar. 1984 übernahm sein Sohn Peter das Geschäft. Acht Jahre später erwarb er die berühmte Lachsräucherei Balik im Toggenburg. Von besonderer Bedeutung war das Jahr 2004: Damals schlossen sich Caviar House und der seit 1872 bestehende Kaviarzüchter Prunier in Bordeaux zusammen. Seitdem kontrolliert er die gesamte Wertschöpfungskette - von der Stör-Zucht in Frankreich bis zum Verkauf.
Rebeiz fühlt sich mit dieser Strategie auf der sicheren Seite. Russland exportiere seit längerem gar keinen Kaviar mehr, sondern verbrauche ihn selbst, sagt er. Iran ist ein unsicherer Kantonist. Mit seinen 400 Mitarbeitern setzt Rebeiz auf Autarkie, dies nicht zuletzt auch unter Qualitätsaspekten. Kaviar kommt immer noch vor allem bei den Reichen der Welt auf den Tisch. Die Stör-Eier gehören untrennbar zur Schickimicki-Welt, die wahren Kenner essen ihn vom Handrücken. Der oberste Kaviarhändler wirkt demgegenüber in keiner Weise glamourös, sondern in seiner saloppen Art wie ein Unternehmer mit dem Hang zu Künstlerkreisen. Tatsächlich ist der 48 Jahre alte Rebeiz ein Musik-Freak und zum Beispiel Verwaltungsratsmitglied der Montreux Jazz Stiftung. Aber selbst bei der Vorstellung seiner Kaviarsorten von Prunier hält er sich zurück. Dabei hat Rebeiz einiges vorzuweisen und zu erzählen. So wurde die Sorte Saint James bei der Krönung der englischen Königin 1953 gereicht. Prunier Tradition zeichnet sich durch eine leichte Haselnussnote aus, wohingegen Prunier Malossol der russischen Tradition huldigt, aber ohne das in den Vereinigten Staaten und Japan verbotene Borax-Salz auskommt. Daneben sorgt sich Rebeiz um die Qualität und die Nachhaltigkeit des Produkts. So setzte er sich als der einzige in der Welt tätige Züchter dafür ein, dass der Stör auf die Artenschutzliste der UN-Konvention Cites gesetzt wurde, und entwickelte eine Kaviar-Klassifizierung.
Caviar House, das etwa 60 Prozent des Geschäftes vor Weihnachten macht, nennt keine Umsätze und auch keine Veränderungsraten. Im Gespräch verhehlt Rebeiz nicht, dass er die Wirtschaftskrise spürt. Die Leute verzichten nicht auf seinen Kaviar, sie genießen ihn aber eher im privaten Kreis und weniger als früher auf großen Gelagen, berichtet er. Bei Lachs und Champagner hat Rebeiz nach den Superjahren 2007 und auch noch 2008 sogar einzelne Preise senken müssen.
An seinen Expansionsplänen hält er fest. Die 22 Seafood-Bars an internationalen Flughäfen sollen auf 50 erweitert werden. Darüber hinaus verfügt Caviar House über 20 Feinkostläden und vier Restaurants. Zuletzt eröffnete Rebeiz Geschäfte im Alster-Haus in Hamburg sowie in Madrid. Die jüngsten Seafood-Bars befinden sich am John-F.-Kennedy-Flughafen in New York sowie in Dubai und Sydney.