15.05.2009 · Mizuho folgt der Konkurrenz und gibt neue Aktien aus
pwe. TOKIO, 15. Mai. Nach einem verlustreichen Geschäftsjahr stärkt die nach Einnahmen zweitgrößte japanische Bank, Mizuho Financial Group, ihr Eigenkapital. Mizuho kündigte am Freitag in Tokio an, in den kommenden zwölf Monaten 600 Milliarden Yen (mehr als 4,2 Milliarden Euro) durch die Ausgabe neuer Aktien aufnehmen zu wollen. Zusätzlich bis zu 200 Milliarden Yen will Mizuho bei Bedarf durch die Ausgabe von bevorzugten Wertpapieren erzielen. Das Geschäftsjahr 2008/09 hat das Institut mit dem ersten Verlust seit sechs Jahren abgeschlossen; der Überschuss des Vorjahres von 311 Milliarden Yen wandelte sich zum Verlust von 589 Milliarden Yen (4,1 Milliarden Euro). Der Absturz fiel bei Sumitomo Mitsui Financial Group nicht viel geringer aus. Die drittgrößte Bank des Landes meldete am Freitag einen Verlust von 374 Milliarden Yen (2,6 Milliarden Euro), nach einem Überschuss von 462 Milliarden Yen. Auch der Marktführer Mitsubishi UFJ Financial Group hat für den kommenden Dienstag einen Verlust in Milliardenhöhe angekündigt.
Die Lage der japanischen Großbanken hat sich im Jahresverlauf damit drastisch verändert. Bis zum Sommer sahen sie sich als Folge ihres - mit Ausnahme Mizuhos - vorsichtigen Engagements in den amerikanischen Markt der Immobilienkredite niedriger Qualität noch als Krisengewinner, die mit Großinvestitionen in strauchelnde westliche Banken ihre internationale Position auszubauen suchten. Mitsubishi UFJ beteiligte sich an Morgan Stanley, Sumitomo Mitsui investierte in Barclays und Mizuho in Merrill Lynch. Nun aber schreiben auch Japans Finanzhäuser Verluste und sie besorgen sich schon seit November immer wieder frisches Kapital. Mizuho, das seit dem vergangenen Sommer 658 Milliarden Yen und 850 Millionen Dollar Kapital in Form von bevorzugten Schuldverschreibungen aufgenommen hat, folgt mit der Ausgabe neuer Aktien dem Beispiel der anderen Großbanken. So hatte Sumitomo erst im April angekündigt, bis zu 800 Milliarden Yen über Aktien aufzunehmen.
Direkte staatliche Kapitalzufuhr haben die Großbanken bislang nicht erhalten, im Gegensatz zu einigen kleineren Regionalbanken in Japan. Die Finanzhäuser stehen im Vergleich mit manchen ihrer westlichen Konkurrenten immer noch solide da. Die Eigenkapitalquote nach dem BIZ-Standard liegt über zehn Prozent, Sumitomo hat durch frühere Kapitalaufnahmen seine Quote sogar gesteigert.
Die Schwierigkeiten der vergangenen Monate rühren weniger in einem unsoliden Geschäftsgebahren, sondern in der Wirtschaftskrise. Der Verfall der Aktienkurse hat die Großbanken zu großen Wertberichtigungen auf ihre Beteiligungen gezwungen. Zugleich haben die Kreditportfolios sich durch die steigenden Insolvenzen in Japan verschlechtert und werden auch in diesem Jahr hohe Kreditkosten erzwingen. Dieses Problem hat aber bei weitem noch nicht das Ausmaß wie in der japanischen Bankenkrise noch Anfang dieses Jahrzehnts erreicht. Mizuho will in diesem Jahr einen Überschuss von 200 Milliarden Yen erwirtschaften, Sumitomo Mitsui prognostizierte ein Plus von 220 Milliarden Yen.