03.09.2008 · Die deutsche Industrie ist wegen ihrer Exporterfolge attraktiver geworden für Jugendliche und dürfte daher im absehbaren Fachkräftemangel ihre Lehrstellen leichter besetzen können als das Handwerk, deren Ausbildungsberufe in der Gunst der Lehrlinge abgerutscht sind.
Die deutsche Industrie ist wegen ihrer Exporterfolge attraktiver geworden für Jugendliche und dürfte daher im absehbaren Fachkräftemangel ihre Lehrstellen leichter besetzen können als das Handwerk, deren Ausbildungsberufe in der Gunst der Lehrlinge abgerutscht sind. Das zeigt der Ausbildungsreport 2008, den der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) am Mittwoch in Berlin vorstellte. Der Report fußt auf einer Befragung von 4700 Lehrlingen in den 25 häufigsten Ausbildungsberufen.
In der Umfrage erreichte die Lehre zum Industriemechaniker den Spitzenplatz und rangierte damit vor Ausbildungsplätzen in der Bürokommunikation oder in Banken. Überraschend schlecht schnitten einige Dienstleistungsberufe ab. So rutschte der medizinische Fachangestellte, der im Vorjahr noch Rang Zwei hatte, wegen der Kostensenkung im Gesundheitswesen in das untere Mittelfeld, wo sich auch die wenig attraktiven Berufe wie Friseur, Verkäufer und Kellner finden. Am wenigsten erstrebenswert sind in der Bewertung der Jugendlichen die Berufe Bäcker und Maler.
Maßstab für die Bewertung waren nicht nur Ausbildungsinhalt und fachliche Anleitung, sondern auch Vergütung und Überstunden in der Lehre. Die überwiegende Zahl der Befragten zeigte sich zufrieden mit der Qualität der Ausbildung. Weniger sind vor allem die, die oft Überstunden leisten müssen. Im Durchschnitt müssen 40 Prozent der Auszubildenden regelmäßig Überstunden machen, in Hotels sind es sogar 70 Prozent. Nur 20 Prozent der Befragten zeigten sich sicher, nach der Ausbildung übernommen zu werden.
Die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ingrid Sehrbrock kritisierte die geringe Übernahmequote. "Wenn der Facharbeitermangel so groß ist, wie die deutsche Wirtschaft immer behauptet, ist es nicht nachvollziehbar, warum nur so wenige Unternehmen ihren Auszubildenden eine berufliche Perspektive eröffnen." Der Leidensdruck sein offenbar noch nicht groß genug. Frau Sehrbrock appellierte an die Unternehmen, nach der Lehre die Jugendlichen wenigstens für ein halbes Jahr zu übernehmen, denn aus einem bestehenden Arbeitsverhältnis könne man sich leichter bewerben als aus der Arbeitslosigkeit. km.