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Guillaume de Posch sagt Pro Sieben Sat.1 adieu

17.06.2008 ·  Der Zeitpunkt ist schon überraschend. Aber die Ankündigung, dass Guillaume de Posch, der Vorstandsvorsitzende von Pro Sieben Sat.1, das Unternehmen zum Jahresende verlässt, erstaunt die Medienbranche kaum.

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Der Zeitpunkt ist schon überraschend. Aber die Ankündigung, dass Guillaume de Posch, der Vorstandsvorsitzende von Pro Sieben Sat.1, das Unternehmen zum Jahresende verlässt, erstaunt die Medienbranche kaum. Gerüchte, der Belgier und die Fernsehgruppe könnten bald getrennte Wege gehen, flammten immer wieder auf - zuletzt vor einigen Wochen (F.A.Z. vom 2. Mai). Ende April musste Pro Sieben Sat.1 einen Verlust im ersten Quartal dieses Jahres bekanntgeben. Das auf Druck des Bundeskartellamtes entworfene neue Preismodell für Werbung kommt bei den Kunden nicht gut an.

Der für die Werbevermarktung verantwortliche Vorstand Peter Christmann kündigte zwar umgehend seinen Rücktritt an. Letztlich werden solche Misserfolge aber dem Vorstandsvorsitzenden angekreidet. Der Druck auf Posch war auch wegen weiterhin schwacher Zuschauerzahlen des Hauptsenders Sat.1 gewachsen. Die Mehrheitseigentümer, die Finanzinvestoren KKR und Permira, richten ihren Blick unerbittlich auf die Rendite. Dass sie mit Pro Sieben Sat.1 nicht zufrieden sein können, zeigt allein schon die Kursentwicklung der im M-Dax notierten Vorzugsaktie. Seit einem Jahr ist ihr Wert von 30 auf 7 Euro abgestürzt - ein zuletzt vor fünf Jahren erreichtes Niveau.

Posch, Jahrgang 1958, ist nach Christmann und dem langjährigen Finanzchef Lothar Lanz der dritte Vorstand, der innerhalb eines halben Jahres seinen Rückzug ankündigt. Im Juni 2004 war der Betriebswirt und ehemalige Unternehmensberater Vorstandsvorsitzender der Sendergruppe geworden. Als Sanierer und Kostendrücker hat sich Posch bewährt. Auch die Eingliederung der übernommenen europäischen Senderkette SBS, die zum Jahresende abgeschlossen sein soll, gelang ihm bisher ohne größere Schwierigkeiten. Doch offenbar ist er nicht der richtige Mann, um Pro Sieben Sat.1 in eine neue, erfolgversprechende Zukunft in einem europäischen Verbund zu führen.

Traut er sich diese Herausforderung nicht zu oder wird es ihm nicht zugetraut? In den Reihen der Finanzinvestoren wird bestritten, Posch müsse gehen. Er habe die Entscheidung selbst getroffen. Deshalb erhalte er keine Abfindung, obwohl die Laufzeit seines Vertrags erst 2010 enden würde. Außerdem wird darauf verwiesen, dass ein Nachfolger an der Vorstandsspitze noch nicht feststehe. Die Suche beginnt erst jetzt, wie Permira-Manager Götz Mäuser, der Aufsichtsratsvorsitzende von Pro Sieben Sat.1, ausrichten ließ.

Neu im Vorstand der Gruppe ist Andreas Bartl. Erst im Mai war der 45 Jahre alte bisherige Geschäftsführer des Senders Pro Sieben befördert worden. Bartl ist seitdem für das Programm der vier deutschen Sender Sat.1, Pro Sieben, Kabel Eins und N24 verantwortlich. Diese Aufgabe gehörte zuvor noch in die Ressorts von Posch. Vielleicht kommt er mit seinem nun angekündigten Rückzug einer Entmachtung auf Raten zuvor. him.

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