26.04.2010 · Der Börsengang des Berliner Wohnungsunternehmens geht in die entscheidende Phase. Die Angebotsfrist läuft, die Erstnotiz ist für den 7. Mai geplant. Vor allem das Versprechen stabiler Erträge soll Investoren anlocken.
sfu. FRANKFURT, 26. April. Nach mehr als drei Jahren strebt wieder ein großes deutsches Wohnungsunternehmen eine Börsennotierung an. Zu Wochenbeginn hat die GSW Immobilien AG aus Berlin ihr Plazierungsangebot veröffentlicht. Dieses sieht den Verkauf von Aktien aus dem Bestand der bisherigen Eigentümer Cerberus und Goldman Sachs/Whitehall in einem Volumen von bis zu 351 Millionen Euro sowie von neuen Aktien aus einer Kapitalerhöhung in einem Volumen von 140 Millionen Euro vor. Die Preisspanne für eine Aktie liegt zwischen 15 und 18,50 Euro. Die Angebotsfrist läuft bis zum 6. Mai. Am darauffolgenden Tag ist die Erstnotiz im streng regulierten Prime Standard der Deutschen Börse und an der Berliner Börse vorgesehen.
In den Gesprächen mit potentiellen Investoren wird das Unternehmen die Stabilität seines Geschäftsmodells in den Vordergrund rücken, während die Wachstumsstrategie eher eine Nebenrolle spielt. Das wurde auf einer Pressekonferenz zum geplanten Börsengang am Montag deutlich. Der Vorstandsvorsitzende Thomas Zinnöcker betonte, dass das Geschäft seines Unternehmens unabhängig von Konjunkturzyklen sei: "Wir sind vom Typus her die Konservativen, die auch halten, was sie versprechen." Die erzielte Durchschnittsmiete aus den rund 49 700 Wohneinheiten im Bestand stieg in den vergangenen Jahren regelmäßig an, obwohl Berlin als eher schwieriger Markt für Wohnungsvermieter gilt. Nach Angaben von GSW-Finanzvorstand Andreas Segal sollen 65 bis 70 Prozent des operativen Gewinns - ohne Erlöse aus Verkäufen - als Dividende ausgeschüttet werden.
Mit ihrem Fokus auf ein krisensicheres Investment unterscheidet sich die GSW von den schon an der Börse notierten deutschen Wohnungsgesellschaften, die bei ihren Börsengängen vor allem das Wachstum durch Privatisierung in den Vordergrund gestellt hatten. Die Erwartungen konnten jedoch nicht erfüllt werden. Im Zuge der Finanzkrise, die zusätzlich die Finanzierungsstruktur der Unternehmen auf eine harte Probe stellte, betrugen die Kursverluste teilweise 90 Prozent und mehr.
Für Irritationen sorgte im Vorfeld des Börsengangs eine Aufwertung des Immobilienbestandes, während vergleichbare Wettbewerber gleichzeitig Abwertungen vornahmen. Vorstandsmitglied Jörg Schwagenscheidt begründete dieses Vorgehen damit, dass die GSW in ihrer Bewertung von einem deutlich niedrigeren Niveau komme. Die anderen Unternehmen hätten dagegen die Aufwertungen in den guten Jahren 2007 und 2008 im vergangenen Jahr korrigieren müssen.
Die Investmentbank Goldman Sachs verwies als Vertreter der Konsortialbanken im Rahmen der Pressekonferenz darauf hin, dass die GSW in den wesentlichen Kennziffern Dividendenrendite mit rund 6 Prozent, Verschuldungsgrad mit 58 Prozent, dem Abschlag zum Substanzwert von rund 30 Prozent und einer Rendite aus dem operativen Ergebnis von 8,5 bis 10 Prozent besser dastehe als die Deutsche Wohnen, die als Maßstab herangezogen wurde.
Der Erlös aus der Kapitalerhöhung von 140 Millionen Euro soll vor allem zum Schuldenabbau und zur Verbesserung der Eigenkapitalausstattung genutzt werden. Gelingt der Börsengang, werden sich rund 63 Prozent der GSW-Aktien im Streubesitz befinden. Mit Blick auf das angestrebte Emissionsvolumen ist das Unternehmen ein Kandidat für den Nebenwerteindex M-Dax.
Das Börsenumfeld für Neuemissionen erscheint derzeit günstig. Kurz vor Ostern gelang in Deutschland innerhalb von einer Woche vier Unternehmen der Sprung an die Börse. Damit ging eine fast zwei Jahre dauernde Flaute am Emissionsmarkt zu Ende. Alle Börsenneulinge - Brenntag, Kabel Deutschland, Tom Tailor oder Joyou - liegen derzeit über dem Ausgabepreis. (Kommentar, Seite 18.)