06.01.2010 · lid. LAS VEGAS, 6. Januar. Das amerikanische Internetunternehmen Google setzt seinen Vormarsch in neue Geschäftsfelder fort und verschärft dabei die Rivalität mit dem Computer- und Elektronikkonzern Apple: Google hat sein erstes eigenes Handy mit dem Namen "Nexus One" vorgestellt.
lid. LAS VEGAS, 6. Januar. Das amerikanische Internetunternehmen Google setzt seinen Vormarsch in neue Geschäftsfelder fort und verschärft dabei die Rivalität mit dem Computer- und Elektronikkonzern Apple: Google hat sein erstes eigenes Handy mit dem Namen "Nexus One" vorgestellt. Mit dem Mobiltelefon wagt sich Google auf neues Terrain: Das Unternehmen hat sich bislang im Handygeschäft auf seine Software Android konzentriert, die auf Mobiltelefonen von Herstellern wie Motorola als Betriebssystem installiert ist.
Erstmals überhaupt wird Google damit zu einem Hardwareanbieter. Das Nexus One ist ein Multimediahandy oder ein sogenanntes Smartphone, ebenso wie das iPhone von Apple. Diese Smartphones, die neben Telefonieren auch Computerfunktionen wie Internetzugang und E-Mail haben, sind das wachstumsstärkste Segment im Mobiltelefonmarkt. Google hat seine Offensive in dem Geschäft vor etwas mehr als einem Jahr begonnen, als der taiwanische Hersteller HTC das erste Handy mit Android-Software herausbrachte. Mittlerweile sind zwanzig Handys auf Android-Basis eingeführt oder angekündigt. Mit dem Nexus One geht Google nun einen Schritt weiter. Das Gerät wird zwar nicht von Google gefertigt, sondern von HTC. Aber Google vermarktet es in eigener Regie.
Branchenexperten beschrieben das Handy zwar als solide, aber als keinen großen Sprung nach vorne im Vergleich zu den schon von anderen Herstellern verfügbaren Android-Handys. Zu den Knalleffekten des Nexus One zählt die Fähigkeit zur Spracherkennung: Der Nutzer kann dem Gerät Texte diktieren und muss sie nicht eintippen. Im Vergleich zum iPhone ist das Nexus One etwas dünner. Es hat einen berührungsempfindlichen Bildschirm, aber ohne die Multitouch-Funktion des iPhone, die eine Steuerung mit mehreren Fingern erlaubt. Dem Nexus One wird ebenso wie anderen Android-Handys auch die Breite von Softwareanwendungen fehlen, auf die das iPhone zurückgreifen kann. Der App Store für das iPhone hat mehr als 100 000 solcher Applikationen, bei Android sind es derzeit 18 000.
Google bricht beim Nexus One mit dem traditionellen Vertriebsweg über Mobilfunkbetreiber und verkauft das Gerät über seine Internetseite. Google strebt aber Partnerschaften mit den Netzbetreibern an, die das Gerät subventioniert anbieten. Zum Verkaufsstart kostet das Nexus One 529 Dollar ohne Vertrag und 179 Dollar mit einem Vertrag vom Partner T-Mobile USA. In Deutschland könnte es vom Frühjahr an verfügbar sein.
Google dürfte es mit dem Nexus One darum gehen, seine Handysoftware Android zu verbreiten. Die Bedeutung von Android für Google liegt darin, das sprudelnde Geschäft mit Internetwerbung, das sich bislang vor allem auf Computern abspielt, auch auf Handys zu übertragen. Google macht den größten Teil seines Umsatzes mit Werbung, die passend zu den Ergebnissen seiner Suchmaschine gestellt wird. Im mobil genutzten Internet halten sich die Werbeumsätze indessen bislang in Grenzen. Google hofft, mit Android die Internetnutzung auf dem Handy zu forcieren und damit Wege für das Erzielen von Werbeumsätzen zu eröffnen.
Der für Android zuständige Google-Manager Andy Rubin sagte bei der Vorstellung: "Es gibt die Gelegenheit, ein bisschen Geld mit den Geräten zu verdienen, aber das ist hier nicht das Ziel. Unser Hauptgeschäft ist Werbung." Mit dem Nexus One geht Google auf Kollisionskurs mit Apple, auch wenn die Strategien nicht identisch sind. Für Apple steht beim iPhone das Geschäft mit den Geräten selbst im Vordergrund. Allerdings scheint auch Apple die Werbung auf Handys zu entdecken: In dieser Woche vereinbarte Apple den Kauf des Unternehmens Quattro Wireless, das auf die Vermarktung von Anzeigen auf Mobiltelefonen spezialisiert ist. Google und Apple galten lange als Verbündete in der Technologiebranche. Android und das Nexus One gehören nun zu einer Serie von Initiativen, mit denen sich Google immer mehr auf Gebiete vorwagt, in denen Apple aktiv ist. (Kommentar, Seite 16)