09.11.2008 · Von Carsten Knop
Den Fall von Klaus Zumwinkel, dem ehemaligen Vorstandschef der Deutschen Post, hätte ein Dramaturg nicht besser in Szene setzen können. Schon die Durchsuchung seines Hauses wegen des Vorwurfs der Steuerhinterziehung bekam durch rechtzeitig informierte Fernsehteams hohe Aufmerksamkeit. Waren die Ereignisse damals tatsächlich inszeniert, so hat am Wochenende der Zufall die Regie übernommen. Innerhalb weniger Tage hat Zumwinkel in seinen Steuerangelegenheiten das Anklageschreiben von der Staatsanwaltschaft erhalten und erfahren, dass sein Nachfolger einen der wichtigsten Bausteine seiner alten Strategie abräumt: Es wird zum Rückzug aus Amerika geblasen. Fehlentscheidungen, die Zumwinkel zu verantworten hat, werden Tausenden Mitarbeitern die Stelle kosten. Im Ergebnis steht für die Post-Aktionäre im Saldo von drei Jahren ein Wertverlust von 50 Prozent zu Buche. Das ist, Auswirkungen der Finanzkrise hin oder her, für ein Unternehmen mit einem eigentlich recht stabilen Kerngeschäft desaströs. Und auch der ehrlichste deutsche Steuerzahler ist über das Paket von 31 Prozent, das der Bund an der Post noch hält, an diesem Wertverlust beteiligt.