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Flucht aus asiatischen Aktien

23.10.2008 ·  Mit der geringen Internationalisierung der Banken blieb Asien von der Finanzkrise bisher weitgehend verschont. Jetzt wird die Export- region mehr und mehr von einem Nachfrageeinbruch rund um die Welt getroffen.

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che. SINGAPUR, 23. Oktober. Die Angst vor einer weltweiten Rezession hat die Börsen in Asien am Mittwoch voll erfasst. Zeitweise sanken die Indizes im Dreieck zwischen Sydney, Tokio und Bombay auf den tiefsten Stand seit fünf Jahren. Auch die asiatischen Währungen waren abermals von den Turbulenzen betroffen. Generell floss mehr Geld in den Dollar, der derzeit auch in Asien als relativ sicherer Hafen angesehen wird. In Tokio berührte der Euro mit 123,42 Yen zwischenzeitlich seinen Tiefstand vom Dezember 2002. In Indien sank die Rupie auf ein Rekordtief von 49,81 gegenüber dem Dollar. Händler erwarten einen Wertverlust bis auf 50 Rupien in den nächsten Tagen. Die schwächere Rupie verteuert nicht nur die Öleinfuhren, sondern mindert auch die Gewinne der Unternehmen der indischen Informationstechnologie.

Die Exportregion Asien, von der Finanzkrise selbst aufgrund der geringen Internationalisierung ihrer Banken weitgehend verschont, sieht sich mehr und mehr von einem Nachfrageeinbruch rund um die Erde betroffen. Der erste große Test wird in diesen Monaten im Weihnachtsgeschäft erwartet. Doch schon jetzt berichten Exporteure etwa in China, dass sie bei den Bestellungen Einbrüche von bis zu 30 Prozent verzeichnen. Am Donnerstag verlor die Aktie des führenden Handelshauses der Region, Li & Fung Ltd., mehr als 12 Prozent an der Börse in Hongkong.

Zugleich verpufften Einzelaktionen von Regierungen und Zentralbanken, wie die Anhebung der Obergrenzen für die Kreditaufnahme von Firmen im Ausland, die Indiens Währungshüter am Mittwoch verkündet hatten. Auch ziehen Anleger nach den offensichtlichen Krisen in Argentinien, Belarus, Island, Pakistan, der Ukraine und Ungarn nun mehr und mehr Geld aus als riskant angesehenen Schwellenländern ab. Hoffnung macht derzeit allenfalls das Asien-Europa-Treffen der Regierungschefs in Peking - mehrere Staaten haben sich im Vorfeld für Rettungspläne in Asien ausgesprochen. Auch China forderte am Donnerstag noch einmal eine konzertierte Aktion der Länder, um einen weltweiten Abschwung zu bremsen.

Ebenfalls am Donnerstag verkauften viele Zentralbanken Asiens, unter anderem in Hongkong, Indien und Taiwan, abermals Dollar. Gegen den Trend hin zum Dollar würden sie sich damit jedoch nicht stellen können, meinten Analysten. Vor allem aus dem koreanischen Won flüchten die Anleger in den Dollar: Er kostete am Abend in Korea 1401 Won, vor zwei Wochen schon hatte der Preis 1482 Won betragen. In diesem Monat erreichte die Währung damit den tiefsten Stand seit einer Dekade. Allein in den vergangenen drei Monaten hat der Won 40 Prozent seines Wertes gegenüber dem Dollar verloren.

Nachdem er am Mittwoch schon 5,4 Prozent verloren hatte, büßte der Aktienindex MSCI Asia Pacific am Donnerstag weitere 3,7 Prozent ein. Inzwischen notiert rund die Hälfte der fast eintausend im MSCI aufgenommenen Aktiengesellschaften unterhalb ihrer Buchwerte.

Die Talfahrt der asiatischen Börsen begann am Morgen in der australischen Wirtschaftsmetropole Sydney. Nachdem der S&P/ASX-200-Index schon am Mittwoch 3,4 Prozent verloren hatte, büßte er am Donnerstag weitere 4,4 Prozent auf 3974,40 Punkte ein. Zum Einbruch dort trugen vor allem schlechte Nachrichten aus dem für das Land so wichtigen Rohstoffsektor bei. Ein befürchteter Einbruch wurde in Japan bestätigt: Nippons Stahlriesen planen, ihre Produktion zu kürzen. BHP Billiton verlor am Donnerstag 9,4 Prozent, Rio Tinto gar 15 Prozent. Seit Jahresbeginn hat der Index 37 Prozent nachgegeben.

Auch in Korea verschärfte sich die Krise: Der Kospi Composite brach im Handel um fast 10 Prozent ein. Der Elektronikwert Samsung gab 7 Prozent nach. Die zweitgrößte Bank des Landes, Woori Finance, verlor 15 Prozent ihres Börsenwertes. In der Hoffnung auf eine zwischenzeitliche Erholung der Börsen in Europa und später Amerika schloss der Index mit einem Minus von 7,5 Prozent. Allein in dieser Woche hat er 22 Prozent verloren.

In Tokio büßte der Nikkei 225 weitere 2,5 Prozent seines Wertes ein. Er nähert sich schrittweise den Werten, die er Mitte der achtziger Jahre markierte. In Japan traf es aufgrund der Angst, in Amerika und Europa ginge der Konsum zurück, besonders die Automobilwerte. Isuzu Motors Ltd. kündigte schon an, seine Gewinnplanung für dieses Jahr nicht einhalten zu können. Mazda Motor Corp. verlor 11 Prozent. Die Sorgen wurden von der Exportstatistik befeuert. Sie zeigt, dass die Ausfuhren im September weit hinter den Erwartungen zurückblieben. Nach Börsenschluss kürzte der Elektronikkonzern Sony seine Gewinnprognose um 38 Prozent. Zuvor hatte die Aktie schon um 6,3 Prozent nachgegeben.

Der Hang-Seng-Index verlor in Hongkong 3,6 Prozent auf 13 760,49 Punkte und schloss damit erstmals seit dem Sommer 2005 wieder unterhalb der Linie von 14 000 Punkten. Er hat in diesem Jahr mehr als die Hälfte seines Wertes verloren. Im Mittelpunkt standen auch am Donnerstag Handels-, Energie- und Finanzwerte. Auch in Indien ging der Ausverkauf weiter: Der Sensex schloss 3,7 Prozent unter Vortag und durchbrach die Marke von 10 000 Punkten. Seit Jahresanfang hat er 52 Prozent seines Wertes eingebüßt.

Ausländer zogen netto mehr als 12 Milliarden Dollar aus dem Markt ab. Am morgigen Freitag entscheiden die Zentralbankiers über eine weitere Zinssenkung. Auch die anderen Märkte Asiens wurden am Donnerstag weiter in Mitleidenschaft gezogen: In Taiwan schloss der Markt 2,7 Prozent unter Vortag. Singapurs Straits Times-Index verlor 4,14 Prozent, Indonesien notierte 3,4 Prozent leichter, und die Philippinen gingen mit einem Minus von 4,6 Prozent aus dem Handel.

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