04.02.2010 · Die Aufwärtsdynamik lässt nach. Einige Schwergewichte aus den europäischen Indizes Stoxx 50 und Euro Stoxx 50 liefern Verkaufssignale. Die Technische Analyse. Von Achim Matzke
FRANKFURT, 4. Februar. Die mittelfristige Aufwärtsdynamik in den führenden internationalen Aktienindizes schwächt sich ab. Diese Bewegung ist begleitet von einer etwas restriktiveren Geldpolitik in China und der deutlich intensivierten Diskussion bezüglich der Regulierung der Finanzmärkte. Hierbei hat zum Beispiel der amerikanische Aktienindex S&P 500 seinen technischen "Bilderbuch-Haussetrend" der vergangenen Monate zumindest zur Seite verlassen.
Diese Veränderung der mittelfristigen technischen Gesamtlage wird von einem klassischen technischen Favoritenwechsel bei den europäischen Standardwerten aus dem Index Euro Stoxx 50 und dem Index Stoxx 50 begleitet. In einem ersten Schritt sollen die Aktien, die in den vergangenen Monaten zum Teil sehr ausgeprägte Kursgewinne erzielt hatten und bei denen sich jetzt Verkaufssignale ergeben haben, besprochen werden.
Dies sind aus dem Finanzsektor die spanische BBVA, die französische Crédit Agricole, die schweizerische UBS und die Deutsche Börse. Aber auch beim spanischen Öl- und Gaskonzern Repsol, dem spanischen Telekommunikationswert Telefónica und dem französischen Bauzulieferer Saint Gobain sollten Kurserholungen zum Positionsabbau beziehungsweise zur Positionsschließung genutzt werden, um in technisch attraktivere Werte zu investieren.
Die spanische Großbank BBVA, die mit einem Indexanteil von 2,7 Prozent zu den zehn größten Titeln im Euro Stoxx 50 zählt, hatte ausgehend vom März 2007 und einem Kursniveau von 20,30 Euro eine Baisse hinnehmen müssen. Hierbei sorgte eine Vielzahl von Verkaufssignalen für eine Baisse-Verschärfung, so dass der Kurs bis zum März 2009 in einem sehr steilen kurzfristigen Abwärtstrend bis auf 4,50 Euro gefallen war. Dieser Kurseinbruch, der aus technischer Sicht den Charakter eines Ausverkaufs ("Sell-Off") aufweist, war aber der technische Startpunkt für eine mittelfristige technische Bodenformation in Form eines "V". Hierbei stiegen die Kurse, diesmal im zweiten Quartal 2009 mit einer vergleichbar hohen Aufwärtsdynamik. Im Bereich um 8 Euro ergab sich direkt an dem alten zentralen Baisse-Trend und direkt im Umfeld der 200-Tage-Linie eine mittelfristige Konsolidierung.
Das neue Investment-Kaufsignal im Juni 2009 führte die Aktie in einen idealtypischen Hausse-Trend bis auf ein Kursniveau von fast 12,50 Euro (August 2009). Nach dem Verlassen dieses Trends mündete die Bewegung von BBVA für mehrere Monate in einen moderaten mittelfristigen Aufwärtstrendkanal, der aber nur noch Kurse um 13,30 Euro eingebracht hat. Nach einem Gesamthausse-Gewinn von fast 200 Prozent ist die Aktie in den vergangenen Wochen mit einem Verkaufssignal (Verlassen des moderaten Aufwärtskanals) unter Druck gekommen. Auch wenn die steigende 200-Tage-Linie (zurzeit bei rund 11 Euro) als erste Unterstützungszone gearbeitet hat, täuscht dies nicht über die grundlegende, mittelfristige technische Eintrübung bei BBVA hinweg. Da aus technischer Sicht für die kommenden Monate die Kursperspektiven fehlen, sollte die Aktie - besonders in einer Kurserholung - verkauft werden.
Der spanische Öl- und Gaskonzern Repsol, der kleinste der drei Euro-Stoxx-50-Titel aus dieser Branche, war im Zuge der Baisse von Juli 2007 bis März 2009 (Kursrückgang von 30,60 auf 11,20 Euro) stärker unter Druck gekommen als andere Öl- und Gas-Schwergewichte. Die höhere Dynamik zeigte sich auch bei der im März 2009 einsetzenden Erholung, die viel ausgeprägter ausgefallen war als bei anderen Sektortiteln.
Der erste mittelfristige Aufwärtstrend bis 16,90 Euro mündete ab dem Frühsommer 2009 in einen moderateren Hausse-Trend, der die Aktie im September 2009 auf Kurse um 19 Euro führte. Mit dem Erreichen dieses Kursniveaus hat sich aber die weitere mittelfristige technische Perspektive in Repsol, die zuletzt durch eine Diskussion bezüglich der Großaktionärsstruktur aufgefallen ist, eingetrübt. Aus langfristiger technischer Sicht stellt die Zone von 19,30 Euro bis 19,90 Euro eine Widerstandszone dar, die nur schwer zu nehmen ist.
Deshalb überrascht es nicht, dass Repsol in den vergangenen Monaten in einem Seitwärtspendelmarkt (technische Form einer Dreiecksformation mit der Kernzone von 18 Euro bis 19 Euro) festhing. In den letzten Handelstagen ist die Aktie mit einem Verkaufssignal aus diesem "technischen Dreieck" nach unten herausgefallen. Da als Konsequenz die mittel- und langfristigen technischen Perspektiven für steigende Kurse fehlen, empfiehlt sich bei Repsol ein Verkauf oder ein Tausch in attraktivere Werte aus dem Euro Stoxx 50 oder dem Sektor.
Der spanische Telekom-Wert Telefónica, der in Lateinamerika stark engagiert ist, hatte in der zweiten Jahreshälfte die Kurserholung mit Blick auf die Schwergewichte im europäischen Telekom-Sektor angeführt. Die Aktie war im Juni 2009 aus der vorherigen Bodenformation (Aufwärtsdreieck unterhalb der Widerstandszone um 15,60 Euro) mit einem Investment-Kaufsignal angesprungen. In den Folgemonaten ergab sich eine feine Hausse, die von Oktober 2009 an - unterhalb der Widerstandszone um 19,70 Euro - in ein Aufwärtsdreieck mündete.
Auch wenn die technische Formation zunächst trendbestätigend nach oben wies, ist Telefónica zuletzt mit einem von hohen Volumina begleiteten Verkaufssignal herausgefallen. Die Diskussion bezüglich einer Übernahme oder einer Fusion auf dem italienischen Markt hat den Abgabedruck im Anschluss an das Verkaufssignal noch verstärkt. Da sich bei Telefónica die mittelfristige technische Lage grundlegend eingetrübt hat und eine Merger-Diskussion sich viele Monate hinziehen kann, sollte eine Position in dem Titel konsequent abgebaut werden.