19.07.2010 · "Smartdate" zieht Nutzer in eigene Datenbank - ohne Wissen der Betroffenen
bern. FRANKFURT, 19. Juli. Niemand möchte mit Foto und Namen auf einer Partnervermittlungs-Website stehen, ohne davon zu wissen. Ungezählten Facebook-Nutzern geht es aber so, und zwar auf smartdate.com. Deren Betreiber sammelt Nutzerdaten aus Facebook, stellt sie auf die eigene Website - und verstößt damit nicht einmal gegen Facebooks Geschäftsbedingungen.
Der Datenschutz auf Facebook ist schon länger umstritten. Anfang Juni trat Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner aus Facebook aus, um gegen dessen Umgang mit Nutzerdaten zu protestieren. Der Hamburger Datenschutzbeauftragte hat ein Bußgeld erhoben, weil Facebook offenbar auch Daten über Personen sammelt, die dem Netzwerk nicht angehören. Andererseits kümmern sich die meisten Deutschen nicht besonders um den Schutz ihrer Daten im Internet. Forscher aus Cambridge und Berlin haben kürzlich in einem Experiment gezeigt, dass viele Nutzer beim Online-Kauf ohne Protest sogar ihr Einkommen nannten - obwohl sie in einer Umfrage angaben, ihnen sei Datenschutz wichtig.
Facebook gibt Daten seiner Nutzer unter Umständen an andere Firmen weiter, zum Beispiel, wenn diese Firmen ein Zusatzprogramm für Facebook entwickeln, eine sogenannte "Application". Die Website Smartdate verfügt über eine solche Application. Mit ihr können Smartdate-Nutzer die Dating-Funktionen direkt innerhalb von Facebook verwenden. Außerdem können sie sich mit ihrem Facebook-Zugang bei Smartdate anmelden. Smartdate bekommt dann nicht nur die Facebook-Daten seiner Nutzer, sondern auch die von deren Freunden: den Namen, das Foto und meist auch das Geburtsdatum. Die Betroffenen werden vorher nicht gefragt.
Die gesammelten Daten nutzt Smartdate für seine Partnervermittlung. So hat die Website eine Funktion, mit der Partnersuchende gezielt die Freunde ihrer eigenen Freunde nach passenden Partnern durchsuchen können. Smartdate zeigt dann alle Facebook-Nutzer, deren Daten es kennt und die der Suche entsprechen. So wird es möglich, dass unwissende Facebook-Nutzer mit vollem Namen und Foto in der Liste von Smartdate auftauchen, unabhängig davon, ob sie schon einen Partner haben oder überhaupt auf einer Partnersuch-Website auftauchen wollen. Falls einer der Smartdate-Nutzer bei seiner Suche auf so ein Profil aufmerksam wird - zum Beispiel auf eine Dame namens Lisa Müller -, dann bietet Smartdate zusätzlich an: "Frage euren gemeinsamen Freund nach Lisa Müller." Und: "Leite das Profil von Lisa Müller an einen Freund weiter." Die französische Betreiberfirma der Website hält diese Funktion für besonders nützlich. "Wir sollten vielleicht deutlicher machen, dass diese Leute keine Mitglieder von Smartdate sind", sagt ein Firmensprecher.
Facebook selbst sieht kein Problem darin, dass Smartdate diese Informationen erhält. "Das bringt den Nutzern etwas", sagt Ethan Beard, der bei Facebook für die Zusammenarbeit mit anderen Websites zuständig ist. "Die Seite muss diese Daten bekommen, damit die Nutzer auf Smartdate möglichst viele Leute finden können." Nutzer könnten auch verbieten, dass ihre Daten weitergegeben werden. Um das zu tun, wählen Facebook-Nutzer den Menüpunkt "Konto - Privatsphäre-Einstellungen". Dort finden sie einen Link namens "Anwendungen und Webseiten". Auf jener Seite können die Facebook-Nutzer allen Websites und Applikationen den Zugriff auf ihre Facebook-Daten verwehren. Dazu klicken sie auf den Link "Alle Plattform-Anwendungen deaktivieren".
Alternativ können Nutzer auch genau auswählen, welche Daten sie über sich preisgeben möchten. Diese Einstellungen finden sich in der Zeile "Informationen, die durch deine Freunde zugänglich sind". Auf diesem Weg bleiben aber zumindest Name, Geschlecht und Profilbild für andere Websites abrufbar.
"Dieser Fall zeigt, welche Probleme hinter den Applications stehen", sagt Ulrich Kühn im Büro des Hamburger Datenschutzbeauftragten, der für Facebook zuständig ist. "Man glaubt, dass man sich unter Freunden bewegt - aber einige Nutzer werden dann doch davon überrascht, wo sie später auftauchen."