07.06.2009 · Von Ulrich Kater
Die bisherigen Erfahrungen mit Bankenkrisen legen einige Prinzipien nahe, nach denen man vorgehen sollte, wenn die Krise zügig überwunden werden soll. Hierzu gehört, dass die Kreditversorgung der Wirtschaft aufrechterhalten bleiben muss. Dies ist auch die Voraussetzung dafür, dass alle weiteren sinnvollen Maßnahmen zur Stabilisierung der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage nachhaltige Erfolge zeigen können.
Ohne einen funktionierenden Finanzsektor, so die empirischen Erkenntnisse, können Konjunkturprogramme nur kurzfristige Strohfeuer entfachen. Auch eine Verbesserung der Erwartungen in der Realwirtschaft und die dadurch induzierten Investitionsanreize helfen nichts, wenn den Unternehmen der Zugang zu Krediten versperrt ist.
Diese Grundregeln sind von den politischen Entscheidungsträgern während der gegenwärtigen weltweiten Bankenkrise grundsätzlich beherzigt worden. Jede betroffene Volkswirtschaft hat Sofortmaßnahmen zur Stabilisierung ihres Bankensektors eingeleitet. Zudem sind mittlerweile Konjunkturprogramme im Volumen von annähernd 5 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts aufgelegt worden. Und als besonders innovativ zeigten sich einige Notenbanken, die mit neuen Kreditfazilitäten auch an Nichtbanken und mit Wertpapierkäufen das Finanzierungsumfeld zu verbessern versuchen, zuletzt die Europäische Zentralbank mit ihrem Ankaufprogramm für Pfandbriefe.
All diese Maßnahmen sind bemerkenswert, vor allem, weil sie aus politischer Perspektive extrem unpopulär sind. Hier dringt auch das Argument nur schwer durch, dass es nicht um die Rettung von Banken geht, sondern um die Rettung des Wohlstands. Ein Blick nach Japan, wo die notwendigen Schritte ein halbes Jahrzehnt lang wegen mangelnder politischer Durchsetzbarkeit unterblieben, zeigt das Potential für Fehlentwicklungen auf.
Es stellt sich die Frage nach der Wirksamkeit dieser erheblichen Anstrengungen. Hier wäre zunächst zu klären, was denn eigentlich der Maßstab dafür ist. Wirtschaftseinbrüche nach Bankenkrisen dauern durchschnittlich zwei Jahre, die Aktienmärkte sind im Mittel drei Jahre lang auf dem Rückmarsch. In einzelnen Fällen können diese Zeiträume aber auch erheblich länger sein. Wenn wir in den kommenden Quartalen eine - wenn auch zögerliche - Annäherung an das "Normalwachstum" erreichen und damit die Gefahr weiter sinkender Inflationsraten erlischt, dann ist schon viel gewonnen.
Hierfür dürfen aber die Bemühungen um die Herbeiführung normalerer Finanzierungsbedingungen nicht nachlassen, denn die Bankbranche ist noch weit von irgendeinem Normalzustand entfernt, wie auch immer der in Zukunft aussehen mag. Das deutsche "Bad Bank"-Konzept wie auch die Programme des amerikanischen Finanzministeriums können nur Anfänge sein. Aufgrund mangelnder Erfahrungen bleibt den politischen Entscheidungsträgern nichts anderes übrig, als die Wirkungen dieser Maßnahmen aufmerksam zu beobachten und bei unzureichendem Erfolg Nachbesserungen vorzunehmen.
Der Autor ist Chefvolkswirt der Deka-Bank.