03.03.2010 · Im Juli bringt die Post ihr neues Angebot eines "Online-Briefes" an den Start. Zu den ersten Großkunden gehört Hessens Lottogesellschaft. Auch die Deutsche Telekom arbeitet an einem entsprechenden Dienst.
bü. BONN, 3. März. Lottospieler in Hessen werden ihren Tippschein vom Sommer an wieder elektronisch abgeben können. Möglich macht es der neue Internet-Briefdienst der Deutschen Post, der im Juli an den Start gehen soll. Registrierte Nutzer können über ein Portal der Post auf die elektronische Maske des Spielscheins zugreifen und ihren Tipp mit einer besonders geschützten E-Mail, dem "Online-Brief", verschicken. Danach erhalten sie, ebenfalls per Online-Brief, eine Spielquittung, die die Teilnahme an der Lotterie bestätigt. Die hessische Lottogesellschaft ist einer der ersten Großkunden, die die Post für ihr neues Angebot gewonnen hat. Weil sich die Spieler identifizieren und anmelden müssen, kann sie durch die Zusammenarbeit das Online-Verbot umgehen und einen neuen Vermarktungsweg öffnen.
Andere Partnerunternehmen hoffen auf Einsparungen im Briefversand und eine Vereinfachung von Verwaltungsabläufen, wenn sie Kundenunterlagen digital verschicken können. "Das Interesse von Wirtschaft und Verwaltung am Brief im Internet ist schon vor der Markteinführung enorm", sagte Briefvorstand Jürgen Gerdes auf der Cebit in Hannover. Kooperationsvereinbarungen hat die Post auch mit dem ADAC, der BIG Direktkrankenversicherung, dem Kommunalen Rechenzentrum Minden-Ravensberg, der Deka-Bank und der Zurich Versicherung geschlossen. Mit weiteren Großkunden würden Gespräche geführt, sagte Gerdes. Statt der Erosion ihres Briefgeschäfts durch die E-Mail-Konkurrenz weiter zuzuschauen, versucht die Post, zusätzliche Einnahmequellen im Internet aufzubauen. Die Kooperationspartner bringen ein gewaltiges Kundenpotential mit: Allein der ADAC hat mehr als sechzehn Millionen Mitglieder. Für sie plane der Club mit Hilfe des Internetbriefes auch weitere "spezifische Angebote", etwa Hilfe und Schutz beim Autokauf, sagte ADAC-Geschäftsführer Karl Obermair.
Nach früheren Angaben erwartet die Post vom Online-Brief Umsätze in "dreistelliger Millionenhöhe". Gerdes ließ Fragen nach Umsatz- und Ergebniserwartungen auf der Cebit indes unbeantwortet. Auch zum Preis wollte er noch nichts sagen. Die Preisfindung wird kniffelig: Bei zu hohen Entgelten wird die Post kaum genügend Nutzer finden, um die Entwicklungskosten des Systems wieder einzuspielen. Setzt sie die Preise hingegen sehr niedrig an, könnte sich der Rückgang des klassischen Briefgeschäfts noch weiter beschleunigen.
Gleichzeitig muss die Post die Konkurrenz im Auge behalten: An einem ähnlichen, besonders geschützten und rechtsverbindlichen Internet-Brief arbeitet auch die Deutsche Telekom. Der De-Mail genannte Dienst ist Ziel eines Pilotprojekts, an dem auch die Bundesregierung beteiligt ist. Ihr geht es vor allem darum, der öffentlichen Verwaltung eine rechtssichere elektronische Kommunikation zu ermöglichen.
Auch die Post sieht darin ein vielversprechendes Geschäftsfeld. Noch hat sie die Nase vorn: De-Mail soll frühestens Ende des Jahres marktreif sein. Beiden Systemen ist gemeinsam, dass Absender und Empfänger zweifelsfrei wissen müssen, mit wem sie es zu tun haben. Die Post verlangt deshalb, dass sich alle Teilnehmer unter Vorlage ihres Ausweises in einer Postfiliale anmelden. Für den Zugang zum elektronischen Briefportal der Post werden Benutzernamen und Passwort abgefragt. Außerdem ist, ähnlich wie beim Online-Banking, die Eingabe einer Transaktionsnummer (TAN) notwendig. Um das Briefgeheimnis zu wahren, werden die Nachrichten auf ihrem Weg durch das Internet verschlüsselt. Online-Briefe werden entweder elektronisch zugestellt oder von der Post ausgedruckt und auf herkömmlichem Weg befördert.