29.10.2008 · Schwäbisch-Hall-Chef Metz will von November an auch mit riesterfähigen Verträgen punkten
ham. FRANKFURT, 29. Oktober. Lange galt Bausparen als bieder und altmodisch. Doch jetzt hat Mathias Metz, Vorstandsvorsitzender der Bausparkasse Schwäbisch Hall, in diesen für viele in der Finanzbranche schweren Zeiten gut lachen. "Kunden und Politiker schätzen die Stabilität, die vom Bausparen ausgeht", will Metz beobachtet haben. Im Gespräch mit dieser Zeitung verweist er auf die Absicherung der Einlagen durch die Haftungsfonds der Bankengruppen, die rigiden Anlagerestriktionen, die Bausparkassen das Investieren in Anleihen fremder Währung und ausländischer Schuldner verböten, sowie auf die steuerbare Zuteilung der Bauspardarlehen. Für die Einlagen der Bausparer bestehe somit dreifacher Schutz, meint Metz. Und auch Liquiditätsengpässe könne es für Bausparkassen nicht geben. "Unsere Refinanzierung erfolgt durch neue Bausparer und Bestandssparer. Wir sind insofern unabhängig vom Kapitalmarkt."
Mit diesen Vorteilen wuchert Metz offenbar nicht ohne Erfolg. "Mit 765 000 Bausparverträgen über ein Volumen von rund 23 Milliarden Euro haben wir in diesem Jahr bis Ende September 15 Prozent mehr Verträge und 9 Prozent mehr Volumen im Neugeschäft erzielt als im entsprechenden Vorjahreszeitraum", sagt Metz. Ihren Marktanteil von 29 Prozent werde die Bausparkasse Schwäbisch Hall, die zum Konzern der genossenschaftlichen DZ Bank und damit den Volks- und Raiffeisenbanken gehört, in diesem Jahr zumindest halten; doch gehe es der ganzen Branche gut. "Bausparen erfährt in der Finanzkrise eine Wiedergeburt", lautet Metz' Fazit.
Auch für die kommenden Jahre sieht Metz, der im Frühjahr 2005 den Vorstandsvorsitz von Alexander Erdland übernahm und dessen Vertrag soeben um fünf Jahre verlängert wurde, Wachstumspotential. In diesem Jahr noch erlaube die Einbeziehung des Wohneigentums in die staatlich geförderte private Altersvorsorge ("Wohn-Riester") zusätzliches Geschäft. "Wir wollen am 1. November mit zertifizierten, riesterfähigen Bausparverträgen starten und Anfang des Jahres 2009 auch förderungsberechtigte Baudarlehen anbieten. Wir kalkulieren hier konservativ mit 50 000 bis 100 000 Verträgen im Jahr", sagt der Vorstandschef.
Auch für die kommenden Jahre sieht Metz gute Aussichten für das Bauspargeschäft. Zwar nehme die Bevölkerung ab, doch steige wegen der vielen Single-Haushalte und des wachsenden Wohnraumbedarfs pro Person die Nachfrage nach Baufinanzierungen. Zudem sieht Metz auf dem Wohnungsneubaumarkt im Jahr 2008 einen langjährigen Tiefpunkt womöglich erreicht und die Wende nahe. 75 Prozent der Wohnungen in Deutschland seien überdies älter als 25 Jahre, so dass dort ein großer Bedarf an Modernisierungen bestehe. "Gerade zur Finanzierung von Modernisierungen ist der Bausparvertrag geeignet, da bei uns die durchschnittliche Bausparsumme knapp 30 000 Euro beträgt", sagt Metz. "Allein das Investitionsvolumen für energiesparende Maßnahmen schätzen wir auf 60 Milliarden Euro in den kommenden fünf Jahren. Weiteres erhebliches Investitionspotential liegt in Umbauten für altersgerechtes Wohnen, die barrierefreies und generationenübergreifendes Leben unter einem Dach möglich machen."
Möglichkeiten zum Wachstum im DZ-Konzern erhielt die Bausparkasse Schwäbisch Hall auch dadurch, dass die DG Hyp die private Wohnungsbaufinanzierung eingestellt hat und dafür die Bausparkasse ihr Angebot erweitert und Privatkunden nun seit Anfang des Jahres auch Annuitätendarlehen anbietet. "Diese Erweiterung unserer Bausparwelt hat in diesem Jahr deutlich zu unserem Finanzierungsgeschäft beigetragen", zeigt sich Metz zufrieden. Weniger erfolgreich waren die Initiativen in Ballungsräumen, gemeinsam mit der DZ Bank und dort schwachen örtlichen Volksbanken nebeneinander im Vertrieb aktiv zu werden. "Wir haben in den vergangenen Monaten unseren 3700 Mitarbeiter starken Außendienst stärker in die Vertriebsmannschaften der Volks- und Raiffeisenbanken integriert, weil wir dieses Konfliktfeld mit unseren Eigentümern nicht haben wollen", sagt Metz. Das Bausparneugeschäft komme etwa je zur Hälfte aus den Volks- und Raiffeisenbanken und von eigenen Vertriebsleuten der Bausparkasse.
Angst vor einem Einbruch des Auslandsgeschäfts hat Metz nicht. "In Tschechien verzeichnen wir bis Ende September ein Plus um knapp 50 Prozent, in der Slowakei um 40 Prozent und in Ungarn um 15 Prozent", berichtet er. Gerade in Ungarn werde das Bausparen von der Regierung als Stabilitätsanker gesehen, um die Auswirkungen der aktuellen Finanzkrise für die Sparer möglichst gering zu halten. In Rumänien und China sei die Bausparkasse noch in der Anlaufphase.