14.01.2010 · Solaraktien dürften deutlich zulegen / Technische Analyse / Von Wieland Staud
FRANKFURT, 14. Januar. Zum ersten Mal seit Menschengedenken ist ein Winter hierzulande wieder ein Winter und nicht ein blasses Abbild seiner selbst. Und schon droht die ganze Republik aus den Fugen zu geraten. Zumindest lässt ein Blick in die allabendlichen Nachrichtensendungen kaum einen anderen Schluss zu. Jede einzelne Schneewehe erhält sofort eine Art medialen Vogelgrippestatus, Katastrophenschützer rufen dazu auf, sich zu Hause einen Notvorrat an Kerzen und Dosen zuzulegen, und auch die Frage, ob die Welt nicht vielmehr auf eine neue Eiszeit denn auf eine globale Erwärmung zusteuert, wird tatsächlich ernsthaft diskutiert.
Auch wenn es sich für den einen oder anderen fast ein wenig nach einem Treppenwitz anhören mag: Die Börse pflegt mit solchen Ereignissen einen weit rationaleren Umgang. Zwei Wochen Winter sind nicht der Hinweis auf eine neue Eiszeit, gepaart mit der Umkehrung des Golfstroms, sondern selbst in Zeiten wie diesen ein ziemlich normales Phänomen. Sonne und Sommer werden wiederkommen, und deshalb stehen zum Beispiel Solaraktien derzeit nicht auf den Verkaufs-, sondern auf den Kauflisten wahrscheinlich sogar der großen Anleger.
Besser noch: Der Öko-Dax - für 70 Prozent seiner Marktkapitalisierung zeichnen Solaraktien verantwortlich - hat erst vor wenigen Tagen einen entscheidenden Schritt nach vorn gemacht. Mit der Überwindung der äußerst bedeutenden Widerstandszone von 330 Punkten - im Fachjargon: Nackenlinie - hat der Index mit einiger Sicherheit eine Bodenbildung abgeschlossen und damit final gezeigt, dass er wirklich nach oben will.
Ich gehe deshalb mehr denn je davon aus, dass die nächste Zeit von deutlichen Kurszuwächsen bei Solaraktien und dem Öko-Dax selbst geprägt sein wird. Mein langfristiges Kursziel liegt derzeit bei rund 465 Punkten. Auf dem Weg dorthin wird es wahrscheinlich in Bereichen um die Widerstandszone bei 395 Punkten zu einer andauernden Konsolidierung kommen. Auch wenn ich damit explizit nicht rechne, so fordert doch die Disziplin auch für diese Prognose ein analytisches Stop-Loss: Diese Einschätzung gilt, solange die ausgeprägte Unterstützung bei rund 275 Punkten nicht unterschritten wird.
Der große Bruder des Öko-Dax notiert erstens weiterhin in einem etablierten und momentan auch nicht gefährdeten Aufwärtstrend, zweitens aber auch im Bereich der entscheidenden, schon des Öfteren erwähnten Widerstandszone zwischen 5850 und 6150 Punkten. Jeder Schlusskurs über 6150 Punkten stellt in meinen Augen endgültig die Weichen für weitere deutliche Kursanstiege bis in Regionen um 7000 Punkte.
Ein Rückfall unter 5850 Punkte wäre zwar zunächst auch kein Beinbruch, würde aber erst einmal wieder die Skeptiker auf den Plan rufen und dem Dax wenigstens kurzfristig relativ unruhige Zeiten bescheren. Nach wie vor und auch trotz des Rückschlages zu Beginn der gerade zu Ende gehenden Woche wähne ich die weit besseren Chancen bei den Kräften, die den Dax auf mehr als 6150 Punkte hieven wollen. Analytisch aber bleibt der Bereich zwischen 5850 und 6150 Punkten ein labiles und tückisches Niemandsland. Sich schon jetzt voll und ganz auf die optimistische Variante festzulegen könnte unangenehme Folgen haben.
Gerade deshalb ist die Erkenntnis wichtig, dass diese Hängepartie sehr wahrscheinlich nicht mehr besonders lang anhalten wird. So wie in den vergangenen sechs Wochen, in denen der Dax bei mitunter kleinsten Tagesveränderungen und -schwankungen nach oben strebte, so werden die nächsten sechs Wochen mit einiger Sicherheit nicht aussehen. Eine Entscheidung naht. Sie wird wohl bis zu den tollen Tagen getroffen sein.
Auch wenn die Feinunze Gold ein wenig die Schlagzeilen verlassen hat und die Kursentwicklung sich gegenwärtig eher unspektakulär ausnimmt: Der Kursrückgang in den vergangenen Wochen ist in meinen Augen nicht der Auftakt zu einer Trendwende, sondern gerade nach den stürmischen Avancen in der zweiten Jahreshälfte 2009 lediglich eine willkommene Pause im Aufwärtstrend - mehr nicht. Ich rechne dezidiert damit, dass diese Konsolidierung uns zwar noch weitere zwei bis drei Monate ohne nennenswerte weitere Kursverluste begleiten kann. Dann aber wird sie höchstwahrscheinlich durch neue historische Höchstkurse abgelöst werden. Absolutes Minimalziel bleiben Kurse um 1400 Dollar.
Zum Abschluss noch ein kurzer Blick auf den Dollar: Der hat zwar in den vergangenen Tagen gegenüber dem Euro wieder ein wenig Terrain preisgeben müssen, und es spricht einiges dafür, dass sich daran auch in den nächsten Wochen nicht gar so viel ändern wird. Die Erholung kann den Euro noch 2 bis 3 weitere Cent voranbringen. Aber es wäre schon sehr überraschend, wenn aus diesem Intermezzo der Stärke des Euro mehr erwachsen würde. Die spürbaren Kursverluste des Euro in den letzten Wochen des vergangenen Jahres waren wahrscheinlich erst der Auftakt einer andauernden Dollar-Stärke. Immer mehr spricht dafür, dass die gesamten Kursgewinne des Euro von rund 1,25 Dollar bis zu 1,51 Dollar einen kompletten, analytisch abgeschlossenen Anstiegszyklus darstellen, der nun fortgesetzt korrigiert werden wird. Diese Korrekturphase sollte die europäische Gemeinschaftswährung wenigstens auf Werte um 1,3750 Euro, wahrscheinlich aber auch noch tiefer, im Extremfall auch unter 1,30 Euro zurückführen. Das Jahr 2010 wird damit wohl sehr viel mehr im Zeichen des Dollar und nicht wie das vergangene im Zeichen unserer Währung stehen. Shoppen in New York könnte seinen Reiz verlieren - wenigstens unter finanziellen Aspekten.
Der Autor leitet die Staud Research GmbH in Bad Homburg.