05.12.2008 · Schlechte Konjunkturzahlen drücken die Preise für Öl und Industriemetalle wie Rhodium auf immer neue Tiefststände. Lediglich der Goldpreis kann der Baisse einigermaßen widerstehen.
gb./jul. FRANKFURT, 5. Dezember. Die Angst vor einer Verschärfung der Rezession hält viele Vermögensmärkte weiterhin in ihrem Griff. Unerwartet ungünstige Zahlen zum Auftragseingang in Deutschland und dem Arbeitsmarkt in den Vereinigten Staaten verursachten am Freitag vorübergehend weitere Kursverluste an den Aktienmärkten. Der Dax schloss 4 Prozent niedriger auf 4381 Punkten. In Amerika drehten die Kurse jedoch und schlossen mit gut 2 Prozent Plus.
Auf dem amerikanischen Immobilienmarkt ist, wie der Case-Shiller-Index belegt, keinerlei Zeichen für eine Erholung zu sehen. Geradezu dramatisch fallen die Preisrückgänge an den Rohstoffmärkten aus - mit der Ausnahme des Goldes, das allerdings von vielen Anlegern nicht als reiner Rohstoff, sondern auch als Ersatzwährung betrachtet wird.
Während der Rohölpreis immer neue Jahrestiefststände erreicht und auch noch kein Ende des Preisverfalls in Sicht zu sein scheint, hält sich der Goldpreis seit einigen Tagen erstaunlich stabil zwischen 740 und 780 Dollar je Unze. Die Abkoppelung ist ungewöhnlich, haben sich Gold- und Rohölpreis in den vergangenen acht Jahren häufig ziemlich parallel zueinander entwickelt. Experten begründen den stabilen Goldpreis unter anderem damit, dass sich die Versorgungslage an den physischen Edelmetallmärkten nur langsam entspannt. Das bekommen auch die Kleinanleger zu spüren: Noch immer sind Goldmünzen zur Kapitalanlage wie der südafrikanische Krügerrand oder das kanadische Maple Leaf so knapp, dass Verkäufer wie Pro Aurum, das größte private Handelshaus in Deutschland, noch nicht einmal Preise stellen.
Am Donnerstag schoss der Goldpreis nach der Verkündung der Leitzinssenkung durch die Europäische Zentralbank und die Bank of England raketenartig von seinem Tagestief bei knapp 763 Dollar je Unze auf 785 Dollar je Unze. "Kräftige Zinssenkungen sind positiv für Gold, weil dadurch die Opportunitätskosten der Goldhaltung sinken", begründet Eugen Weinberg, Rohstoffexperte der Commerzbank, die Entwicklung. Die zuletzt stark gefallene Inflation hätte hingegen zu einem Anstieg der Realzinsen geführt und den Goldpreis dadurch belastet. Am Freitagnachmittag lag der Goldpreis allerdings bei nur mehr 745 Dollar.
Manche Fachleute gehen davon aus, dass der Goldpreis mittelfristig deutlich steigen wird. Das liegt unter anderem daran, dass davon ausgegangen wird, dass China mittel- bis langfristig Gold kaufen wird, um seine Devisenreserven zu diversifizieren. Außerdem sinkt in Ländern wie Südafrika und Australien die Produktion. Die meisten leicht zugänglichen Goldadern sind bekannt und zu einem guten Teil ausgebeutet. Minengesellschaften, die heute neue Lagerstätten suchen, müssen sich mit kleinen Vorkommen begnügen, die oft nur zu hohen Kosten erschlossen werden können.
Der Rohölpreis ist in dieser Woche hingegen weiter gesunken. Am Freitag kostete die in New York gehandelte Sorte WTI nur noch knapp 40 Dollar. Dieses Preisniveau hatte Rohöl zuletzt im Februar 2005. Selbst ein überraschender Rückgang der Lagerbestände in den Vereinigten Staaten - der erste seit zehn Wochen - konnte diesen Preisverfall nicht stoppen. Auch die Raffinerien haben sich an die geringere Nachfrage angepasst und ihre Produktion eingeschränkt. "Es ist nicht auszuschließen, dass die Importe dank gut gefüllter Lager in den kommenden Wochen weiter zurückgehen", sagt Weinberg. Das dürfte sich auch weiterhin negativ auf den Ölpreis auswirken. Der niedrige Ölpreis verstärkt wiederum den Kursdruck auf die Aktien der großen Ölkonzerne. Für die Verbraucher bedeutet der fallenden Ölpreis indessen eine gute Nachricht. Ein Liter Heizöl kostet derzeit im Durchschnitt knapp 56 Cent gegenüber 98 Cent im Juli, was den Hamburger Energieinformationsdienst von einem "Heizölpreiskollaps" sprechen lässt. An den Tankstellen kostet ein Liter Diesel rund 1,12 Euro.
Unter Druck stehen auch die Preise für zahlreiche Industriemetalle. Eine Tonne Kupfer kostete mit 3080 Dollar gut 6 Prozent weniger als am Vortag und war damit so billig wie seit mehr als drei Jahren nicht mehr. Der Preis für eine Tonne Aluminium erreichte mit 1494 Dollar ein Fünf-Jahres-Tief. "Die Rohstoffpreise spiegeln deutlich die schlechte Stimmung der Wirtschaft wider", schreiben die Analysten der Weberbank. "Waren noch vor wenigen Monaten einige Rohstoffe Mangelware, so liegen sie jetzt in den Häfen und werden nicht abgerufen."
Für die Rohstoffmärkte allgemein erwartet die Tiberius AG im Jahre 2009 jedoch einen Preisanstieg um durchschnittlich 20 Prozent. Als Grund nennen die Rohstoffexperten aus dem schweizerischen Zug das Ende der Verkäufe spekulativ eingestellter Finanzinvestoren. "Der Markt ist bereinigt", heißt es in einer Untersuchung. Auf kurze Sicht sei eine Erholungsrally möglich, an die sich im kommenden Jahr eine Bodenbildung der Preise anschließen dürfte.
Preis für Rhodium bricht ein, Seite 22