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Das Parkettgespräch Solaraktien im Schatten

20.08.2009 ·  Die Überkapazitäten lassen die Rendite schrumpfen

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Die Geschichte der Solaraktien ist eine Geschichte des Scheiterns. Zumindest, wenn man ihre Versuche des Aufstiegs in die erste Börsenliga betrachtet. Vor einem Jahr vermasselte ein rasanter Kursanstieg der K+S-Aktie den Aufstieg von Q-Cells in den Dax. Im Winter lief die Beiersdorf-Aktie dem Solarunternehmen knapp den Rang ab, und im Frühjahr verhinderte eine Regeländerung der Deutschen Börse den Aufstieg von Solarworld ins Börsenrampenlicht.

Die deutschen Solaraktien bleiben somit vorerst im Börsenschatten. Geht es nach den meisten Analysten, dürften sie dort auch noch für eine lange Zeit bleiben. "Die Rahmenbedingungen für deutsche Solarunternehmen sind momentan sehr schwierig, und es gibt keine Anzeichen, dass sich dies in der nächsten Zeit ändert", sagt Erkan Aycicek, Spezialist für Solarwerte bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Vier Problemfelder hat Aycicek ausgemacht, die eine Reihe von Solarunternehmen in ernste Schwierigkeiten gestürzt haben.

Das erste Problem sei Spanien. "Spanien war im Jahr 2008 der wichtigste Markt für die Solarindustrie, und er existiert 2009 quasi nicht mehr", sagt Aycicek: "Die Regierung hat eine strenge Installationsobergrenze für Solaranlagen eingeführt, so dass die Nachfrage aus Spanien 2009 um mehr als drei Viertel zurückgeht." Da der spanische Markt nach Schätzungen im vergangenen Jahr noch 40 bis 50 Prozent des Weltmarktes ausgemacht hat, sind die Auswirkungen nun enorm. Ebenfalls auf der Nachfrageseite sorge die Finanzkrise für Probleme, sagt Aycicek: "Viele Großprojekte werden von einigen Banken einfach nicht mehr finanziert, oder die Kreditkonditionen sind so schlecht, dass sich Projekte nicht mehr lohnen."

Die Problemfelder drei und vier bringen auf der Angebotsseite Schwierigkeiten für die deutschen Solarunternehmen. "Der rasante Verfall der Siliziumpreise als wichtigstem Rohstoff für die Herstellung von Photovoltaik-Anlagen hat dafür gesorgt, dass sich asiatische Unternehmen günstig eindecken konnten und nun mit ihrem Angebot den Markt überschwemmen", sagt Aycicek: "Außerdem haben nicht zuletzt die deutschen Solarunternehmen angesichts äußerst lukrativer Gewinnmargen ihre Produktionskapazitäten erheblich ausgebaut."

Alle vier Punkte zusammen haben zu einem erheblichen Überangebot an Solarmodulen und in der gesamten Wertschöpfungskette zu drastisch sinkenden Preisen geführt, in deren Folge die Gewinnmargen der Solarunternehmen wie Schnee in der Sonne zusammengeschmolzen sind. Selbst führende Unternehmen wie der lange Zeit weltgrößte Solarzellenhersteller Q-Cells machten im ersten Halbjahr Verluste. Im Zuge dessen sind die Aktienkurse in den Keller gerauscht und haben sich auch in der jüngsten Belebung am Aktienmarkt kaum erholt. So hat die Aktie von Q-Cells noch im November 2007 mehr als 100 Euro gekostet, im März dieses Jahres waren es nicht einmal mehr 10 Euro, und aktuell sind es nur gut 11 Euro. Trotz des Kursverfalls raten aber nur vier Analysten zum Kauf der Aktie und 22 zum Verkauf, darunter auch Aycicek: "Die enormen Überkapazitäten im Markt werden nicht so schnell verschwinden, so dass sich der Preisverfall fortsetzt." Als Kursziel nennt er auf Jahressicht 8 Euro.

Weit besser werden am Markt chinesische Unternehmen wie Suntech oder Yingli eingeschätzt. "Die Asiaten können 30 Prozent günstiger produzieren als deutsche Unternehmen, und außerdem haben sie einen sehr viel besseren Zugang zum chinesischen Markt, der in den nächsten Jahren neben den Vereinigten Staaten zu den größten Wachstumsmärkten gehören dürfte", sagt Aycicek.

Unter den deutschen Herstellern von Solaranlagen hält Aycicek Solarworld für am besten aufgestellt. Das operative Geschäft des integrierten Konzerns laufe gut, die Bilanz sei in Ordnung, und das Unternehmen bedürfe zur Finanzierung seines Wachstums keines zusätzlichen Kapitals. Aycicek rät dennoch nicht zum Kauf der Aktie, sondern nur zum Halten, weil er wie viele andere Analysten Zweifel an der Nachhaltigkeit der noch immer hohen Gewinnmargen hat.

Bessere Perspektiven sehen die LBBW-Analysten für die Aktien der Zulieferer der Solarindustrie wie den weltgrößten Wechselrichterhersteller SMA Solar oder den Anlagebauern Centrotherm Photovoltaics, Roth & Rau oder Manz Automation. Hier sei der Preisdruck zwar auch zu spüren, aber eben nicht ganz so stark, sagt Aycicek.

Langfristig kann der jüngsten Entwicklung im Solarmarkt etwas Positives abgewonnen werden: "Durch die rasant sinkenden Preise wird Solarstrom schneller wettbewerbsfähig", sagt Aycicek. Bereits in zwei Jahren dürften die Erzeugungskosten von Solarstrom im Südwesten Amerikas günstiger sein als die von konventioneller Energie, in Südeuropa sei damit in fünf Jahren zu rechnen, in Mitteleuropa in zehn. "Dann beginnt für die Solarunternehmen das Gelobte Land", sagt Aycicek: "Bis dahin sind aber alle Entwicklungen noch wesentlich politisch getrieben." Daniel Mohr

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