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Chef von British Airways warnt vor dem Untergang

02.06.2009 ·  Willie Walsh sieht die Fluggesellschaft im Überlebenskampf. Offenbar will er damit den Druck auf die Belegschaft erhöhen. Er verlangt von den Gewerkschaften die Zustimmung zu raschen Kostensenkungen.

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theu. LONDON, 2. Juni. Der Vorstandsvorsitzende von British Airways (BA), Willie Walsh, sieht die gemessen am Börsenwert viertgrößte europäische Fluggesellschaft in ihrer Existenz gefährdet. BA stecke "in einem Kampf ums Überleben", sagte Walsh in einem Gespräch mit der Mitarbeiterzeitschrift des britischen Konzerns. Der BA-Chef versucht mit der Warnung offenbar Druck auf die Arbeitnehmerseite im Unternehmen auszuüben, mit der das Management seit Monaten um Kostenentlastungen ringt. Walsh will in den festgefahrenen Verhandlungen mit den Gewerkschaften bis Ende Juni eine Einigung erzielen. BA beschäftigt zurzeit noch rund 40 000 Mitarbeiter und hat seit dem vergangenen Sommer bereits 2500 Stellen gestrichen.

"Unser langfristiges Überleben hängt davon ab, dass wir unsere Kosten dauerhaft senken - und zwar schnell", sagte Walsh. Die Gewerkschaften wollen bisher nur vorübergehenden Gehaltseinbußen zustimmen. Die ungewöhnlich deutlichen Worte des BA-Chefs werfen zugleich ein Schlaglicht darauf, wie ernst die Krise in der Luftfahrtbranche ist. BA hat im vergangenen Jahr den höchsten Verlust seit ihrer Privatisierung Ende der achtziger Jahre erlitten und leidet unter rapide steigenden Milliardenschulden. Die Börse nahm die Äußerungen von Walsh aber gelassen. Der Aktienkurs von BA, der sich seit dem vergangenen Sommer fast halbiert hat, notierte am Dienstag im Handelsverlauf in London gut behauptet bei 157 Pence.

Die Zukunftsaussichten für die Branche bieten nach Einschätzung von BA zurzeit wenig Hoffnung. "Es wird noch schlimmer", sagte Walsh. "Wir haben bisher noch nicht die Talsohle erreicht, und alles deutet auf einen lange andauernden Abschwung hin." Walsh ist mit seiner düsteren Einschätzung nicht allein. Der Weltverband der Fluggesellschaften Iata schätzt, dass die Branche in diesem Jahr insgesamt 4,7 Milliarden Verlust machen wird. In Europa rechnen in diesem Jahr nur noch die Deutsche Lufthansa und die beiden Marktführer im Billigflug-Geschäft Ryanair und Easyjet mit einem Gewinn. Traditionelle Fluggesellschaften leiden dagegen darunter, dass Unternehmen wegen der Rezession an Geschäftsreisen sparen. "Die Leute wollen mehr Leistung, und sie wollen weniger bezahlen", sagte Walsh. Bei BA hat sich die Krise im vergangenen Jahr stark zugespitzt. Das britische Traditionsunternehmen wies Ende Mai für das Geschäftsjahr 2008/2009 (31. März) einen Rekord-Vorsteuerverlust von 401 Millionen Pfund (rund 450 Millionen Euro) aus. Im Vorjahr hatte BA noch einen Gewinn von 922 Millionen Euro erreicht. BA beförderte 4,3 Prozent weniger Passagiere und verbuchte einen um 2,7 Prozent auf 8,758 Milliarden Pfund geschrumpften Umsatz. Die Verbindlichkeiten des Konzerns sind bis Ende März binnen eines Jahres von 1,3 Milliarden auf 2,4 Milliarden Pfund nach oben geschnellt.

Als Ausweg aus ihren Problemen versucht BA seit vielen Monaten einen Schulterschluss mit der kleineren spanischen Fluggesellschaft Iberia auszuhandeln. Die im vergangenen Sommer angekündigte Fusion soll zu Kosteneinsparungen in dreistelliger Millionenhöhe führen. Doch die Realisierungschancen sind ungewiss. Bisher konnten sich beide Seiten nicht auf ein gemeinsames Konzept einigen. Umstritten ist unter anderem die Bewertung beider Unternehmen, und die Besetzung der Führungsgremien. Die Briten reklamieren eine knappe Mehrheit an dem neuen Konzern und die unternehmerische Führung für sich. BA und Iberia sind langjährige Partner. Walsh hat parallel auch ein Bündnis mit der australischen Fluggesellschaft Qantas ausgelotet. Diese Fusionsverhandlungen, mit denen BA Iberia vor den Kopf stieß, scheiterten jedoch vor Weihnachten.

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