28.10.2009 · tko. HAMBURG, 28. Oktober. Die Nachricht kam wie ein kurzes kräftiges Scheppern. Jörg Croseck ist nicht mehr Deutschland-Chef des Brauereikonzerns Carlsberg. Das Verhältnis zwischen dem dänischen Konzern und seinem deutschen Tochterunternehmen gilt seit längerem als angespannt.
tko. HAMBURG, 28. Oktober. Die Nachricht kam wie ein kurzes kräftiges Scheppern. Jörg Croseck ist nicht mehr Deutschland-Chef des Brauereikonzerns Carlsberg. Das Verhältnis zwischen dem dänischen Konzern und seinem deutschen Tochterunternehmen gilt seit längerem als angespannt. Die Entlassung Crosecks kam dennoch für Außenstehende überraschend. Er verlasse das Unternehmen "aufgrund unterschiedlicher Auffassungen über die Ausführung der Strategie der Gesellschaft", teilte Carlsberg mit.
Ein Nachfolger für Croseck, der erst vor 14 Monaten den Posten übernommen hatte, steht noch nicht fest. Vorerst führt sein Vorgänger Wolfgang Burgard die Geschäfte. Im Sommer 2008 hatte der damals 60 Jahre alte Burgard aus Altersgründen das Amt abgegeben. Er behielt aber die Verantwortung für die zu Carlsberg gehörende Holsten-Brauerei, erledigte kontinuierlich weiter strategische Aufgaben für den Konzern und ließ sich zum Präsidenten des Deutschen Brauer-Bundes wählen.
Mögliche Spannungen zwischen Croseck und dem mächtigen Vorgänger sollen nicht Grund für den Rauswurf sein. Vertraute berichten, Croseck, der vom Mineralwasserabfüller Gerolsteiner zu Carlsberg kam, habe sich aus Sicht des dänischen Mutterkonzerns nicht ausreichend auf Eigenheiten des Biermarktes eingestellt. Im vergangenen Jahr hatte Carlsberg Deutschland mit den Marken Holsten, Astra, Lübzer und Duckstein zwar seinen Absatz um zwei Prozent gesteigert.
Doch der Gesamtmarkt schrumpft seit Jahren. Es fehlen junge Kunden. Carlsberg hatte für diese Zielgruppe im vergangenen Jahr das alkoholhaltige Malzfruchtgetränk "Eve" auf den Markt gebracht und so versucht, die Nachfrage zu steigern. Darüber hinaus arbeitet das Unternehmen seit längerem an einer strategischen Neuausrichtung, um sich Wachstum und Profitabilität zu sichern. Diesen Prozess wird nun Crosecks noch zu findender Nachfolger vollenden müssen.