08.10.2008 · Der Milliardär gilt als Wegweiser aus der Krise
nks. NEW YORK, 8. Oktober. Das Telefon des Investors Warren Buffett dürfte derzeit ständig klingeln. Für praktisch jede Institution in der amerikanischen Finanzbranche, die wegen der aktuellen Kreditkrise in Schwierigkeiten geraten ist, gilt Buffett als der logische Retter. Über ausreichend Kapital verfügt Buffett. Seine Anlagegesellschaft Berkshire Hathaway wies Ende Juni mehr als 30 Milliarden Dollar Barmittel aus. Aber Buffett ist wählerisch. Bisher hat er sich nur beim Mischkonzern General Electric, dessen Finanzsparte unter der Krise leidet, und bei der Investmentbank Goldman Sachs engagiert. Aber Buffett ist nicht nur Investor. Dem für gesunden Menschenverstand und eine direkte, bodenständige Art bekannten Milliardär wird auch eine Rolle als Wegweiser aus der Krise zugesprochen. Historiker vergleichen Buffett bereits mit dem Bankier John Pierpont Morgan, dem zu seiner Zeit mächtigsten Finanzier Amerikas. Morgan organisierte bei einer schweren Finanzkrise im Jahr 1907 eine Rettungsaktion und fungierte vor der Gründung der Federal Reserve praktisch als Notenbank. "Was Buffett tut, ähnelt dem was Morgan 1907 getan hat", sagt Richard Sylla, Finanzhistoriker und Ökonom an der New York University. "Man könnte das profitablen Patriotismus nennen." Buffett hatte das Ausmaß der aktuellen Finanzkrise jüngst mit dem Angriff der Japaner auf den amerikanischen Flottenstützpunkt verglichen, der die Vereinigten Staaten in den 2. Weltkrieg hineingezogen hatte. "Das ist wirklich ein ökonomisches Pearl Harbor", sagte Buffett und forderte eine rasche Reaktion der Regierung. Buffett hat zudem angeboten, 7 Milliarden Dollar zu dem Rettungsplan beizusteuern, mit dem die Regierung angeschlagenen Banken faule Kredite abnehmen will.
Auch den Präsidentschaftskandidaten Barack Obama und John McCain fiel auf die Frage nach einem Wunschkandidaten als Finanzminister bei ihrer Debatte am Dienstag als erstes der Name Buffett ein. Buffett, ein Demokrat, berät bereits Obama.