11.03.2010 · Mit dem Bau von Autos verdienen die Bayern noch kein Geld. Allein das gute Finanzergebnis rettet die Bilanz. Doch Analysten hatten für BMW mit Schlimmerem gerechnet.
hpe. MÜNCHEN, 11. März. BMW hat das Krisenjahr 2009 mit einem kleinen Gewinn abgeschlossen. Der Jahresüberschuss schrumpfte zwar um gut ein Drittel auf 210 Millionen Euro, den niedrigsten Wert seit dem Verlustjahr 1999 nach dem Rover-Debakel. Aber in der Finanzwelt hatten Analysten Schlimmeres befürchtet. Die BMW-Aktie gehörte am Donnerstag nach Vorlage der Bilanzzahlen zu den Gewinnern im Dax.
Es waren vor allen Dingen eine stabile Dividende von 30 Cent je Stammaktie und die etwas zuversichtlicheren Aussagen des Vorstandsvorsitzenden Norbert Reithofer, die Anlegern wie Analysten etwas Mut machten. "Wir gehen vorsichtig optimistisch in das neue Jahr", erklärte Reithofer und bekräftigte das Ziel, mit einem Absatzwachstum "im einstelligen Prozentbereich" auf dann wieder mehr als 1,3 Millionen Fahrzeuge "der weltweit führende Premiumhersteller" zu bleiben.
Reithofers Aussage darf getrost als Replik auf die Botschaft des Audi-Chefs Rupert Stadler gewertet werden, der das eigene Unternehmen nicht mehr in der Rolle des Jägers, sondern des Gejagten sieht (F.A.Z. vom 10. März). Audi verkaufte 2009 zwar weniger Autos als BMW, verdiente damit aber mehr Geld.
BMW steigerte im vergangenen Jahr das Ergebnis vor Steuern um 17,7 Prozent auf 413 Millionen Euro. Weil der Konzern nach einer Betriebsprüfung aber mit 203 Millionen Euro deutlich mehr Steuern zahlen musste, ging der Überschuss kräftig zurück. Mit dem Ergebnis liegt BMW genau in der Mitte der beiden wichtigsten Wettbewerber: Daimler musste einen Verlust von 2,6 Milliarden Euro verkraften, Audi erreichte einen Gewinn von 1,4 Milliarden Euro.
BMW hat mit dem Bau von Fahrzeugen indes kein Geld verdient. In der Automobilsparte fiel ein Verlust vor Zinsen und Steuern von 265 Millionen Euro an. Sein positives Jahresergebnis verdankt der Münchner Konzern vorrangig seinen Finanzdienstleistungen, die 355 Millionen Euro beisteuerten. Die Sparte profitierte von einer Erholung bei den Restwerten für Gebrauchtwagen.
Der Konzernumsatz sank um 4,7 Prozent auf 50,7 Milliarden Euro. Damit fiel der Rückgang niedriger aus als bei den beiden Konkurrenten aus Ingolstadt und Stuttgart. Große Hoffnungen setzt BMW auf eine erneuerte Fahrzeugpalette. "Für Rückenwind werden bei uns im Laufe des Jahres neue Modelle sorgen", erklärte Reithofer. Die neue Fünfer-Reihe ist gerade auf dem Weg zu den Händlern, der neue Geländewagen X1 verkauft sich bereits gut, und der X3 wird in einigen Monaten von einem Nachfolger abgelöst. Außerdem wird die Kleinwagenfamilie Mini mit der Allradversion Countryman Zuwachs bekommen.
Wie Daimler und Audi schielt auch BMW auf die Wachstumsmärkte: Zwar haben die Münchner in dem aufstrebenden chinesischen Markt noch einen großen Rückstand auf die Ingolstädter, aber immerhin verkauften sie dort zuletzt 90 536 Fahrzeuge, ein Plus von 38 Prozent. Zweistellige Zuwachsraten erzielte BMW auch in Brasilien und Indien, wenngleich von einer niedrigeren Basis. "In China, Brasilien und Indien wollen wir auch 2010 weiter zulegen", sagte Reithofer. Deutschland war 2009 für den Münchner Konzern der größte Einzelmarkt für die beiden Marken BMW und Mini. Insgesamt wurden hier 258 012 Fahrzeuge an Kunden ausgeliefert, ein Rückgang von fast 10 Prozent.