01.08.2011 · Großbank HSBC streicht 30 000 Stellen / Auch andere Institute senken die Kosten
ham./nks. FRANKFURT/NEW YORK, 1. August. Immer mehr Beschäftigte in Banken müssen um ihren Arbeitsplatz fürchten. Am Montag kündigte die asiatisch-britische Bank HSBC an, 30 000 Stellen zu kürzen. Damit wird trotz eines Gewinnanstiegs im ersten Halbjahr jeder zehnte HSBC-Mitarbeiter seine Stelle verlieren. Der Aktienkurs des Unternehmens stieg nach der Ankündigung um rund 3 Prozent. Seit Jahresanfang hat der europäische Bankaktienindex, in dem HSBC das höchste Gewicht hat, allerdings 15 Prozent verloren.
Hinter der schlechten Kursentwicklung von Bankaktien steht die Angst der Anleger vor sinkenden Eigenkapitalrenditen. Bankvorstände reagieren darauf mit Kostensenkungsmaßnahmen. HSBC markiert den vorläufigen Höhepunkt dieser Entwicklung. Erst im Juli hatte die auf Wertpapiergeschäfte spezialisierte amerikanische Bank Goldman Sachs nach schwachen Ergebnissen im Wertpapierhandel die Kürzung von 1000 Stellen angekündigt. Die britische Bank Lloyd's gab bekannt, 15 000 Stellen abzubauen. Die irische Bank Allied Irish Bank entlässt 2000 Mitarbeiter. Die britische Barclays und die Schweizer Credit Suisse verringern ihre Mitarbeiterzahl auch jeweils um 2000 Stellen. Zudem soll die UBS einen umfassenden Stellenabbau planen.
In Amerika haben nach Angaben der Personalberatung Challenger, Gray & Christmas Banken, Versicherer und Wertpapierhäuser in diesem Jahr bereits mehr als 11 000 Stellenkürzungen angekündigt. Das sind 21 Prozent mehr als im vergangenen Jahr. Die Kürzungen spiegelten grundlegende Veränderungen im Bankgeschäft wider. "Die Banken werden zukünftig nicht mehr so profitabel sein wie in der Vergangenheit", sagt Personalberater John Challenger. Die meisten Streichungen hat es bisher im Privatkundengeschäft gegeben, eine Folge der schleppenden Konjunkturentwicklung und des gedämpften Kreditwachstums. Aber auch das Investmentbanking ist in Amerika und Europa stark betroffen. Banken wollen in diesem Bereich wegen der sich ausbreitenden Staatsschuldenkrise und dem dadurch sinkenden Emissionsvolumen von Anleihen die Kosten verringern. Die Schweizer Banken Credit Suisse und UBS stehen besonders unter Druck. Denn die Schweizer Bankenaufsicht verlangt von ihnen nach der Finanzkrise besonders hohe Eigenkapitalquoten. Deshalb verringern sie ihre Risiken und reduzieren das Investmentbanking.
In Deutschland arbeiten Landesbanken wie die LBBW und die West LB noch daran, die von der EU-Kommission nach dem Erhalt von Staatshilfen verlangte Schrumpfkur umzusetzen. Die LBBW muss 2500 Stellen abbauen, erst für rund 1000 gibt es Vereinbarungen. Von einst 6000 Mitarbeitern in der West LB werden weniger als 1000 übrig bleiben. Die Commerzbank hat die Zahl der Mitarbeiter im Investmentbanking nach der Fusion mit der Dresdener Bank auf 1800 halbiert. Ein weiterer Stellenabbau ist in dem Bereich nicht geplant. Insgesamt fallen bei dem Institut 9000 von ursprünglich 61 000 Stellen weg, davon sind mehr als 80 Prozent bereits vertraglich fixiert. (HSBC streicht 30 000 Stellen, Seite 12; Kommentar, Seite 18)