07.12.2005 · Hohe Entwicklungskosten für die vierte Baureihe sowie für einen Hybridantrieb könnten den Gewinnrekorden von Porsche ein Ende bereiten. In puncto Ertragsentwicklung bremste Vorstandschef Wiedeking die Erwartungen.
Hohe Entwicklungskosten für die vierte Baureihe sowie für einen Hybridantrieb könnten den Gewinnrekorden von Porsche ein Ende bereiten. Zwar hat der Stuttgarter Sportwagenhersteller in den ersten vier Monaten seines Geschäftsjahres 2005/2006 (31. Juli) den Umsatz um 6,7 Prozent auf 2,02 Milliarden Euro gesteigert und im Vorjahresvergleich mit 25 635 Autos ein Absatzplus von 8,5 Prozent erzielt. Und auch für das Gesamtjahr erwartet Porsche-Chef Wendelin Wiedeking "weiteres Wachstum bei Absatz und Umsatz". Aber in puncto Ertragsentwicklung bremste Wiedeking die Erwartungen: "Es ist nicht selbstverständlich, daß wir jedes Jahr zulegen."
Bei der Profitabilität habe Porsche ein Niveau erreicht, das seit 1998 weit über dem aller anderen Autohersteller der Welt liege. Porsche setze alles daran, den Gewinn weiter zu steigern. Im zurückliegenden Geschäftsjahr hat Porsche eine Umsatzrendite von 18,5 Prozent erreicht. Die Entwicklungsaufwendungen für die vierte Baureihe - den Panamera, der ab 2009 auf den Markt kommen soll - sowie für einen gemeinsam mit VW zu entwickelnden Hybrid-Antrieb für den Geländewagen Cayenne würden aber allein in diesem Jahr einen dreistelligen Millionenbetrag ausmachen. Porsche-Finanzvorstand Holger Härter zeigte sich optimistischer: "Ich denke, wir werden wieder ein sehr, sehr gutes Ergebnis ausweisen. Im Moment sieht es sehr gut aus, und wir haben weiteres Wachstumspotential."
Börsenkurs brach ein
Obwohl Wiedeking in der Vergangenheit stets zurückhaltend mit Prognosen war und Porsche die Erwartungen in der Regel übertroffen hat, reagierte die Börse enttäuscht. Der Aktienkurs brach bis zum Nachmittag um mehr als 5 Prozent auf 622 Euro ein. Als Grund für den Kursrückgang wurde auch die schwache Entwicklung beim Geländewagen Cayenne genannt. Seit Beginn des Geschäftsjahres am 1. August wurden von diesem Modell 17 Prozent weniger verkauft als im Vorjahr. Vor allem in Nordamerika läuft der Geländewagen schlecht. "Die Entwicklung in den Vereinigten Staaten ist nicht zu drehen", sagte Wiedeking: "Das ist der Lebenszyklus. Der Cayenne ist jetzt im vierten Jahr." Porsche werde aber seine Autos nicht mit Rabatten verkaufen. Eher nehme man die Produktion zurück. Im zurückliegenden Geschäftsjahr, so betonte Wiedeking, habe Porsche den Cayenne 41 884mal verkauft, und das, obwohl vor Einführung der Baureihe nur jährlich 25 000 Autos geplant waren.
Die Bedeutung von Nordamerika als wichtigstem Absatzmarkt sinkt - nicht nur wegen der Schwäche des Cayenne. Während Porsche in den neunziger Jahren beinahe zwei Drittel aller Autos in den Vereinigten Staaten absetzte, ging der Anteil im vergangenen Jahr von 41 auf 38 Prozent zurück. In anderen Exportmärkten ist Porsche mittlerweile deutlich erfolgreicher als in Amerika: Dort stieg der Absatz im Schnitt um 21 Prozent. Impulse erwartet Wiedeking von dem neu eingeführten "Cayman", einem geschlossenen Zweisitzer auf Basis des Einsteigermodells Boxster. In Amerika seien schon Kaufverträge geschlossen worden, bevor das Auto überhaupt zu sehen gewesen sei, berichtete Wiedeking erfreut: Das sei dort gänzlich unüblich. Man werde mit dem Betriebsrat darüber verhandeln, wie man der zusätzlichen Nachfrage Herr werden könne.
Wegen einer Fertigungstiefe von deutlich weniger als 20 Prozent wirken sich Absatzschwankungen nicht besonders stark auf die Porsche-Belegschaft aus. Einen Stellenzuwachs von maximal 1000 Mitarbeitern werde die vierte Baureihe mit sich bringen, falls der Panamera im Werk Leipzig montiert werde, kündigte Wiedeking an. Da durch den Verkauf des Cabriodach-Spezialisten CTS aber gut 1000 Stellen wegfielen, werde die Belegschaft unterm Strich etwa gleich groß bleiben.