26.10.2009 · China dämpft den Wechselkurs zugunsten des Exports
che. SINGAPUR, 26. Oktober. Die Exportnationen Asiens stöhnen immer mehr unter dem niedrigen Außenwert des chinesischen Yuan. Seit Mitte vergangenen Jahres fällt die chinesische Währung im Gleichschritt mit dem amerikanischen Dollar. Zwar ist sie an einen - nicht näher beschriebenen - Währungskorb gebunden, doch Peking hat ein großes Interesse daran, den eigenen Export durch eine Unterbewertung zu fördern. Die Schwäche des Dollar bietet diese Chance. Seit Februar hat der Yuan sogar noch 6,9 Prozent gegenüber der amerikanischen Leitwährung an Wert eingebüßt.
Ihre asiatischen Nachbarn setzt die chinesische Regierung damit zunehmend unter Druck. Denn deren Währungen steigen wiederum im Wert. Angesichts der insgesamt verblüffend guten Wirtschaftsdaten aus der Region spekulieren mehr und mehr Anleger darauf, dass die asiatischen Zentralbanken über kurz oder lang gezwungen sein werden, die Zinswende einzuleiten. Deshalb strömt immer mehr Geld in die Region. Zugleich ziehen die Aktienmärkte Asiens seit Monaten an - die Währungsgewinne bieten Dollar-Investoren einen zusätzlichen Hebel.
So hat der südkoreanische Won seit September gegenüber dem Dollar 6 Prozent an Wert gewonnen, genauso viel wie die indische Rupie. Der philippinische Peso liegt 5 Prozent im Plus. Und die Rupiah aus Asiens neuem Hoffnungsmarkt Indonesien hat seit Jahresbeginn 16 Prozent an Wert zugelegt. Analysten erwarten, dass Rupie und Won allein noch bis Jahresende weitere 6 Prozent zulegen dürften. Die Exporte aus den restlichen Ländern Asiens verlieren damit immer mehr an Konkurrenzfähigkeit gegenüber China. Was im Übrigen sowieso für Europa gilt: Auch dort werden die Klagen über die Wechselkurse immer lauter.
Die Zentralbanken Asiens intervenieren nach Kräften gegen die Dollar-Schwäche. Manche, wie die Hongkonger und die Südkoreaner, räumen dies offen ein, andere schweigen. Doch der Blick auf die Währungsreserven Asiens spricht Bände: Allein im September stiegen diese Reserven um 112 Milliarden Dollar auf den Rekordwert von 4,96 Billionen Dollar. Dabei stehen die Währungshüter vor einem Dilemma. Denn wenn sie den Markt nicht mehr länger durch Dollar-Käufe stützen, sondern einer wieder steigenden Inflation mit Zinserhöhungen entgegentreten, werden sie erst recht ausländisches Kapital anlocken. Analysten halten Inflationsraten zwischen 4 und 6 Prozent in Asien - etwa in Indien, Indonesien oder auf den Philippinen - schon Mitte nächsten Jahres wieder für wahrscheinlich.
Da die Kreditzinsen in den westlichen Industrieländern bis auf weiteres um ihr historisches Renditetief pendeln dürften, werden Anleger weiter nach lukrativen Zinsen im Ausland Ausschau halten. "Die Voraussetzung dafür, dass sich der Kurs der Zentralbanken in Asien von demjenigen im Westen abkoppelt, ist eine Aufwertung der asiatischen Währungen", heißt es bei HSBC.
Die Hoffnung der Asiaten muss dahingehen, dass China schon ab dem ersten Quartal den Yuan wieder erstarken lässt. Das geht dann, wenn sich das Wirtschaftswachstum stabilisiert und der heimische Konsum weiter wächst. Die offiziell verkündete Wachstumsrate im dritten Quartal lag bei 8,9 Prozent und deutet damit in die richtige Richtung. Allerdings warnt Stephen Roach, Vorsitzender des Verwaltungsrates von Morgan Stanley in Asien: "Chinas Wachstumsmodell ist nicht nachhaltig für China selbst, es ist für keinen Staat der Erde nachhaltig." Behält der notorische Schwarzseher recht, zeichnen sich für den Rest Asiens weitere Probleme ab.