24.04.2009 · Niedrige Preise und E-Buch sorgen für Umsatzsprung
ht. FRANKFURT, 24. April. Während Konkurrent Ebay in seinem Stammgeschäft stark unter der Wirtschaftskrise leidet, hat der Online-Händler Amazon sein Geschäft im vergangenen Quartal kräftig ausgebaut und dabei auch noch prächtig verdient. Der Gewinn kletterte im ersten Quartal um 24 Prozent auf 177 Millionen Dollar; der Umsatz legte um rund ein Fünftel auf 4,9 Milliarden Dollar zu. Analysten hatten Amazon diese guten Zahlen inmitten der Wirtschaftskrise nicht zugetraut. "Das ist eine unglaubliche Leistung", sagte Steve Weinstein von Pacific Crest Securities.
Amazon hatte mit Preissenkungen und niedrigen Versandkosten überraschend viele Kunden hinzugewonnen. Das Unternehmen profitierte davon, dass viele stationäre Händler in der Krise aufgeben müssen und die Kunden daher häufiger per Mausklick einkaufen. Immer stärker setzt sich auch der Charme der Strategie von Amazon durch, auf seiner Internetseite nicht nur eigene Produkte zu verkaufen, sondern auch als Verkaufsplattform für andere Händler aufzutreten und deren komplette Bestellabwicklung zu übernehmen. Damit zieht Amazon immer mehr Händler von Ebay auf seine Seite. Immer besser verkauft sich auch das elektronische Lesegerät Kindle. Das 359 Dollar teure Gerät hat "unsere optimistischsten Erwartungen übertroffen", sagte Amazon-Vorstandschef Jeff Bezos. Amazon verdiene nicht nur mit dem Verkauf der Geräte, sondern auch am Absatz der elektronischen Bücher. Noch ist Kindle in Deutschland nicht auf dem Markt.
Auch für das zweite Quartal peilt Amazon einen Umsatzanstieg an. 4,3 bis 4,75 Milliarden Dollar - also zwischen 6 und 17 Prozent mehr als im Vorjahr - will Amazon dann umsetzen. Allerdings stellt sich der Konzern auf einen Gewinnrückgang von bis zu 49 Prozent ein, weil das Ergebnis ein Jahr zuvor durch einmalige Einnahmen hochgetrieben wurde. Der Nettogewinn soll in der Spannbreite zwischen 110 bis 190 Millionen Dollar liegen. Auch in Deutschland, wo Amazon mehr als 1 Milliarde Euro Umsatz erzielt, ist der Konzern auf dem Vormarsch und hatte 2008 erstmals mehr Käufer als der Konkurrent Ebay. Laut Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung kauften 2008 rund 16,7 Millionen Menschen auf der deutschen Internetseite von Amazon ein, während Ebay noch 16,3 Millionen Käufer anzog. Mit großen Abständen dahinter rangieren die Versandhändler Otto mit 6,7 Millionen Käufern und Quelle mit 6,1 Millionen.