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Wieder Krieg in der Elfenbeinküste

05.11.2004 ·  Luftangriffe auf Rebellenstellungen / Bodentruppen in Bouaké

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tos. GALKAIO, 5. November. Die ivorische Armee hat eine Großoffensive gegen die Rebellen im Norden gestartet und damit jeder Hoffnung auf eine friedliche Regelung des seit zwei Jahren dauernden Konfliktes in der Elfenbeinküste zunichte gemacht. Seit Donnerstag bombardieren Kampfflugzeuge der ivorischen Luftwaffe Stellungen der Rebellen in Bouaké, der zweitgrößten Stadt des Landes, sowie in Korhogo an der Grenze zu Burkina Faso. Die Grenzbrücke nach Burkina Faso in Leraba sei ebenfalls zerstört worden, hieß es. Trotz internationaler Appelle, den Waffenstillstand zu respektieren und die Angriffe einzustellen, gingen die Luftangriffe am Freitag weiter. Ebenfalls am Freitag sollen nach bislang unbestätigten Informationen die ersten Bodentruppen in die Rebellenhochburg Bouaké eingerückt sein. Über Opferzahlen liegen keine überprüfbaren Angaben vor.

Die beiden wichtigsten Straßenverbindungen vom Süden in den von Rebellen besetzten Norden wurden gesperrt, alle Telefonverbindungen nach Norden unterbrochen. Auch wurden die Sendeeinrichtungen ausländischer Rundfunksender in Abidjan sabotiert und alle Oppositionszeitungen auf Geheiß der Armeeführung verboten. Die regierungshörigen Schlägertrupps der "Jeunes Patriotes" steckten am Donnerstag die Redaktionsräume zweier kritischer Zeitungen in Brand. Der der Opposition nahestehende Direktor des staatlichen Fernsehsenders RTI wurde abgelöst.

Die Vereinten Nationen und die ehemalige Kolonialmacht Frankreich appellierten an die Regierung Gbagbo, die Angriffe einzustellen. 4600 französische und knapp 6000 UN-Soldaten sind in der Elfenbeinküste stationiert, um den Waffenstillstand sicherzustellen. Die UN stellten ihre humanitäre Hilfe in den umkämpften Gebieten ein. Frankreich zeigte sich "extrem besorgt". "Das ist nicht die richtige Richtung", sagte ein Sprecher des französischen Außenministeriums.

Es wäre aber naiv anzunehmen, Frankreich habe von den Angriffsplänen nichts gewußt. Zahlreiche französische Offiziere sind in der ivorischen Armee als Berater und Ausbilder tätig, und der Start der Kampfflugzeuge in Yamoussoukro kann den Franzosen kaum entgangen sein. Die französische Regierung hatte sich nach langem Zögern in diesem Konflikt auf die Seite Gbagbos gestellt. Die Rebellen ließen verbreiten, das Friedensabkommen mit der Regierung sei "Geschichte".

Ivorischer Offiziere behaupteten, die Luftangriffe seien nicht mehr als "gezielte und eingeschränkte" Angriffe. Dagegen sprechen indes die Bodentruppen in Bouaké und die massiven Waffenkäufe der Regierung in den vergangenen Monaten, darunter Kampflugzeuge, und die immer offensichtlicher werdende Ausweglosigkeit der ivorischen Krise. Die ehemaligen Rebellen sind zwar offiziell an einer Allparteienregierung beteiligt, doch das Land kommt nicht zur Ruhe. Vor Monatsfrist hätten die Rebellen mit der Entwaffnung beginnen sollen. Das war nach Gesprächen mit den Staatsführern der Region und den UN vereinbart worden. Zum Stichtag verwies man dann aber auf eine bislang nicht vollzogene Änderung des ivorischen Grundgesetzes.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.11.2004, Nr. 260 / Seite 2
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