12.08.2007 · Fannie Mae und Freddie Mac dürfen keine zusätzlichen Hypotheken übernehmen
nks./ruh. NEW YORK/FRANKFURT, 12. August. Der von der Krise auf dem amerikanischen Hypothekenmarkt ausgelöste Sturm an den Kapitalmärkten ist noch nicht vorbei. Die Aufsichtsbehörde, die für die beiden größten amerikanischen Immobilienfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac zuständig ist, lehnt eine Ausweitung des Hypothekenvolumens ab, das die Finanzierer - die im öffentlichen Auftrag agieren - halten dürfen. Damit wurde die Hoffnung auf eine Lockerung der angespannten Lage auf dem Hypothekenmarkt enttäuscht. Eine von den Finanzierern erbetene Erhöhung des Anlagevolumens hätte dem Hypothekenmarkt Liquidität zugeführt. Fannie Mae und Freddie Mac geben keine Darlehen an Endverbraucher, sondern übernehmen Kredite von Hypothekenbanken, die sich auf diese Weise refinanzieren. Einen Teil der Darlehen halten Fannie Mae und Freddie Mac selbst, den Rest bündeln sie als Anleihen und reichen sie an Investoren weiter. Beide waren in den vergangenen Jahren in einen Bilanzskandal verwickelt und hatten deswegen einer Begrenzung ihres Kreditportfolios zugestimmt.
Die Nachfrage von Investoren nach Immobilienkrediten oder Wertpapieren, die mit diesen Krediten besichert sind, hatte nachgelassen, weil im Segment für minderwertige Hypotheken (Subprime) die Kreditausfälle gestiegen waren. Die größte amerikanische Hypothekenbank Countrywide Financial hatte am Freitag wegen der "beispiellosen Zerrüttungen" im Anleihemarkt vor negativen Auswirkungen auf das Geschäft gewarnt. Zahlreiche Hypothekenbanken die sich auf Subprime-Kunden spezialisiert hatten, haben Konkurs angemeldet, nun auch Homebanc, zu deren Gläubigern Deutsche Bank und Commerzbank gehören.
In Deutschland beginnt unterdessen die Aufarbeitung der Verbriefungskrise, die zu einer Schieflage der Deutschen Industriebank IKB geführt hat. Zwei weitere deutsche Banken, WestLB und Postbank, haben ihr Engagement auf dem amerikanischen Markt für bonitätsschwache Immobilienkredite beziffert. Bei der WestLB umfasst es samt aller Tochtergesellschaften nach Angaben des Unternehmens 1,25 Milliarden Euro. Davon entfielen 98 Prozent auf Titel, die mit der Bonitätsnote "A" oder besser bewertet seien. Die guten Ratings sind im Zusammenhang mit dem amerikanischen Hypothekenmarkt derzeit zwar kein Ausweis der Unbedenklichkeit. Auch Verbriefungen mit erstklassigen Bonitätsnoten sind nur mit hohen Abschlägen verkäuflich, wenn die Sicherheiten aus Subprime-Krediten bestehen. Gleichwohl ist die von der WestLB genannte Summe gemessen an den jüngsten Spekulationen eine Entwarnung und nicht zu vergleichen mit dem Fall IKB. Die Mittelstandsbank muss nach ihrer Fehlspekulation auf dem amerikanischen Hypothekenmarkt von der staatlichen KfW-Bankengruppe und von anderen Banken gestützt werden. Die Deutsche Postbank ist mit 600 Millionen Euro auf dem Markt für amerikanische Immobilienkredite engagiert, wie ein Sprecher des Unternehmens am Samstag bestätigte. In dieser Höhe habe sie Wertpapiere in die eigenen Bücher genommen. Bislang sei sie außerhalb ihrer Bilanz in zwei Untergesellschaften des von der IKB geführten Fonds Rhineland investiert gewesen, der die IKB ins Schlingern gebracht hatte. Die SachsenLB beteuerte, sie habe keine Liquiditätsprobleme. Die Aufsichtsbehörde Bafin schaut sich derzeit eine 17,5 Milliarden schwere Zweckgesellschaft der Landesbank an.
Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf hat ein Ermittlungsverfahren gegen die Verantwortlichen bei der IKB eingeleitet wegen des Verdachts der Untreue. Ermittelt werde auch gegen Ex-Vorstandschef Stefan Ortseifen.