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Wasser, Wind und ein bißchen Sonne

07.12.2006 ·  Christian Zimmermann von Pioneer setzt auf alternative Energien

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Ungewöhnlich warm mag es manchem in den vergangenen Tagen vorgekommen sein. Viele deuten dies als Vorboten eines Klimawandels. Doch das Wetter bestimmt längst nicht mehr nur die Gespräche in der Straßenbahn, sondern auch unter Analysten und Fondsmanagern. "Dieses Thema wird uns noch Jahrzehnte begleiten", sagt Christian Zimmermann, Fondsmanager des Activest Ecotech bei Pioneer Investments. Sein Fonds konzentriert sich auf Unternehmen, die "einen innovativen Beitrag für eine saubere und gesunde Umwelt leisten".

Die Möglichkeiten des Anlegers, von Alternativen zu den herkömmlichen Energieträgern zu profitieren, sind vielfältig, die Risiken aber nicht zu unterschätzen. "Wie im Boom des Neuen Marktes in den späten 1990er Jahren springen derzeit viele Unternehmen auf den Solarboom auf", warnt Zimmermann. Eine kritische Auswahl sei daher nötig. In seinem Fonds hat Zimmermann aus der Solarbranche nur noch Aktien des deutschen Marktführers Solarworld. "Die Solaraktien sind recht teuer. Dem Anleger läuft nichts weg, wenn er derzeit keine Solaraktien hat", sagt Zimmermann. "Es steht ein Übergangsjahr bevor." Die Unternehmen müßten erst einmal die hohen Erwartungen an ihr Wachstum erfüllen und so den Vertrauensvorschuß der Börsen rechtfertigen. Langfristig spiele die Solarenergie aber eine tragende Rolle beim Ersatz der herkömmlichen Energieträger wie Kohle, Atom und Gas. "Die Sonne strahlt täglich so viel Energie auf die Erde, die muß nur absorbiert werden", sagt der Fondsmanager.

Sehr viel positiver ist Zimmermann derzeit für die Windkraft gestimmt. Hier seien die Bewertungen der Unternehmen an der Börse deutlich niedriger. Märkte wie China und Indien böten für die Windunternehmen ein sehr großes Wachstumspotential. Der dänische Weltmarktführer Vestas habe mit seinen jüngsten Quartalszahlen und seinem sehr positiven Ausblick für eine gute Stimmung innerhalb der Branche gesorgt. "Neben Vestas überzeugen mich auch die deutsche Repower und die spanische Gamesa", sagt Zimmermann. Wachstumsphantasie biete der Ausbau der Windparks auf hoher See (off-shore). Hier gebe es aber bislang kaum Erfahrungswerte.

Neben Wind und Sonne sind aber auch andere alternative Energieformen interessant, sagt Zimmermann. So stehe die Geothermie, also die Versorgung mit Energie durch Erdwärme, erst am Anfang. "In Schweden ist dies derzeit ein großes Thema. Viele Leute berücksichtigen dies jetzt schon beim Hausbau", sagt der Fondsmanager: "Und bis 2020 wollen die Schweden völlig unabhängig von Öl und Gas sein." Zimmermann favorisiert das schwedische Geothermie-Unternehmen Nibe. Auch Biodiesel und Ethanol seien interessante Themen. "Ich setzte da auf die spanische Abengoa, die Zucker zu Ethanol verarbeitet, und insbesondere in Brasilien eine starke Marktstellung hat", sagt Zimmermann. Auch die deutsche Südzucker sei attraktiv.

Daß viele Unternehmen im Bereich der erneuerbaren Energien von staatlichen Förderungen abhängen, sieht Zimmermann nicht als Problem. "Der Rückzug des Staates wird erfolgen, und er ist einkalkuliert. Der Anstoß durch die staatliche Förderung ist gut gewesen, er zahlt sich nun aus."

Einen Schwerpunkt setzt der Fondsmanager im Bereich der Wasserwirtschaft. "Mehr als zwei Milliarden Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Wasser", sagt Zimmermann. "Der Bedarf der Landwirtschaft ist riesig, und zudem sind viele Leitungssysteme sanierungsbedürftig." So seien die Wasserleitungen in London und New York in weiten Teilen noch aus Holz. New York investiere derzeit 5 Milliarden Euro in einen Frischwassertunnel. "Das Potential in den Bereichen Infrastruktur und Anlagenbau ist ungeheuer groß", sagt Zimmermann. Hinzu kämen noch die Wasserkraft und die Entsalzung von Meerwasser. Dem Kampf um Öl sehen nicht wenige Experten den Kampf um sauberes Trinkwasser folgen. Zimmermann setzt in seinem Fonds daher auf Versorger, die einen Schwerpunkt im Bereich der Wasserwirtschaft haben, wie die spanische Iberdrola, die französischen Suez und Veolia oder die englischen Kelda und Severn Trend.

Eine Möglichkeit, der Rohstoffknappheit zu begegnen, ist aber auch das Recycling, betont Zimmermann. Dabei ist nicht nur die Wiederverwendung von Müll gemeint, sondern auch die abermalige Nutzbarmachung von Metallen. Kupfer beispielsweise hat in recycelter Form nahezu die gleiche Qualität wie bei seinem ersten Einsatz. Zimmermann setzt daher auf Unternehmen, die Metalle wie Kupfer und Zink recyceln: "Sie profitieren genau wie die Primärproduzenten von den hohen Preisen in diesem Bereich." Daniel Mohr

Quelle: F.A.Z., 08.12.2006, Nr. 286 / Seite 23
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