21.08.2007 · Capital One schließt Hypothekensparte / Die Zahl der Zwangsversteigerungen von Häusern steigt
nks. NEW YORK, 21. August. Für die Mehrheit der Börsianer an der Wall Street sind die aktuellen Schwankungen an den Finanzmärkten furchteinflößend. In dieser Woche haben Anleger daher abermals massiv in amerikanische Staatsanleihen investiert, die als sicherste Anlage gelten. Für den berühmten Investor Warren Buffett, der mit dem Kauf von unterbewerteten Wertpapieren reich wurde, sind dies aber ideale Voraussetzungen, um Schnäppchen zu machen.
Buffett, Vorstandschef der Anlage- und Holding-Gesellschaft Berkshire Hathaway, wird an der Wall Street als potentieller Käufer von Teilen krisengeschüttelter Hypothekenbanken gehandelt. Buffett gilt zudem als Interessent für unter Druck geratene Hypothekenanleihen sowie für Aktien, deren Kurse in den vergangenen Wochen kräftig gefallen waren. Das in Buffett gesetzte Vertrauen lässt sich am Aktienkurs von Berkshire Hathaway ablesen. Während der breitgefasste amerikanische Marktindex S&P 500 aufgrund der Verwerfungen im Hypothekenmarkt in den vergangenen zwei Wochen um knapp ein Prozent nachgegeben hat, legten die Berkshire-Titel seither fast 8 Prozent zu.
Buffett macht keine konkreten Angaben zu seinen aktuellen Anlagen. Er ließ jedoch keinen Zweifel an seinem Kaufinteresse. Die Schwäche im Anleihe- und im Häusermarkt könnten "echte" Anlagegelegenheiten darstellen, sagte Buffett jüngst im Wirtschaftssender CNBC. Berkshire verfügt über liquide Anlagen in Höhe von knapp 50 Milliarden Dollar, die für Käufe genutzt werden können.
Buffett hatte Anfang des Monats in einer Pflichtmitteilung an die Börsenaufsicht erstmals eine Beteiligung an der Großbank Bank of America bekanntgegeben. Die Bank zählt zu den sechs größten Hypothekenanbietern in den Vereinigten Staaten. Buffett besitzt zudem seit langem Aktien der Bank Wells Fargo, der Nummer zwei im amerikanischen Hypothekenmarkt. Buffett wird daher an der Wall Street ein Interesse an Teilen des größten amerikanischen Hypothekenanbieters Countrywide Financial unterstellt. Der Aktienkurs von Countrywide war in der vergangenen Woche schwer unter Druck geraten, nachdem ein einflussreicher Analyst vor einem möglichen Konkurs gewarnt hatte. Countrywide, die über einen starken Markennamen verfügt, hatte eine Kreditlinie in Höhe von 11,5 Milliarden Dollar in Anspruch genommen, weil ein Liquiditätsengpass drohte.
Hypothekenanbieter finanzieren sich normalerweise über den Verkauf der Darlehen an Investoren oder Banken, die diese Papiere als Anleihen verbriefen. Aufgrund der gestiegenen Kreditausfälle bei Hypotheken für zahlungsschwache Hausbesitzer (Subprime) war auch die Nachfrage nach höherbewerteten Hypothekenanleihen zurückgegangen. Das hat das Interesse Buffetts geweckt. Die Versicherer unter dem Dach von Berkshire haben im zweiten Quartal ihre Anlagen in Hypothekenpapiere hoher Bonität im Vergleich zum ersten Quartal verdoppelt.
Die Krise am Hypothekenmarkt hält unterdessen an. Die nach Börsenwert neuntgrößte amerikanische Bank Capital One will ihre angeschlagene Hypothekensparte Greenpoint schließen. Greenpoint war auf große Hypotheken sowie auf sogenannte Alt-A-Darlehen spezialisiert. Dabei handelt es sich um Hypotheken für Hauskäufer, die ihr Vermögen oder Einkommen nicht vollständig offenlegen müssen - eine Stufe höher als Subprime.
Die Zwangsversteigerungen von Häusern nehmen zu. Nach Angaben des Informationsdienstes Realty-Trac ist die Zahl von Zwangsvollstreckungen im Juli gegenüber dem Vormonat um 9 Prozent gestiegen und im Vergleich zum Vorjahr um 93 Prozent. "Mehr als die Hälfte der Zwangsversteigerungen sind auf die fünf Bundesstaaten Kalifornien, Florida, Michigan, Ohio und Georgia entfallen", sagte RealtyTrac-Vorstandschef James Saccacio.