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Waffensuche im Irak eingestellt

12.01.2005 ·  rüb. WASHINGTON, 12. Januar. In aller Stille ist noch vor Weihnachten die Suche der amerikanischen Streitkräfte und Geheimdienste nach den vermuteten Massenvernichtungswaffen im Irak zu Ende gegangen.

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rüb. WASHINGTON, 12. Januar. In aller Stille ist noch vor Weihnachten die Suche der amerikanischen Streitkräfte und Geheimdienste nach den vermuteten Massenvernichtungswaffen im Irak zu Ende gegangen. Wie amerikanische Medien am Mittwoch unter Berufung auf Informationen aus den Diensten berichteten, sind der Chef der Inspekteure, Charles Duelfer, und seine engsten Mitarbeiter noch vor dem Jahreswechsel nach Washington zurückgekehrt. Schon nach der Vorlage des Zwischenberichts der Waffeninspekteure Ende September 2004 war ein Großteil der 1200 Mitarbeiter der von Duelfer geführten Iraq Survey Group (ISG) von der Waffensuche abgezogen und statt dessen mit der Beschaffung von Informationen über die Aufständischen im Irak betraut worden. Die Mehrzahl der ehemaligen ISG-Mitarbeiter sind im Irak verblieben und widmen sich im Auftrag des Pentagons weiterhin dem Kampf gegen den Terrorismus und den Aufstand im Irak. Der Auslandsgeheimdienst CIA wollte offiziell zu den Berichten keine Stellung nehmen, bestätigte aber, daß Duelfer - nach dem im Frühjahr 2004 zurückgetretenen David Kay der zweite ISG-Chef - nicht nach Bagdad zurückkehren und daß sein Posten nicht neu besetzt werde.

Die Regierung in Washington besteht zwar weiter offiziell darauf, daß die Suche nach den vermuteten Massenvernichtungswaffen im Irak fortdauere und nach wie vor eine theoretische Chance bestehe, atomare, biologische oder chemische Waffen beziehungsweise Komponenten zum Bau solcher Waffen im Irak zu finden. Die Rückkehr Duelfers nach Washington ist aber das faktische Eingeständnis, daß die maßgebliche Begründung für die Invasion im Irak vom März 2003 auf falschen Annahmen und zumal auf veralteten Informationen beruhte. Wie ein ranghoher Mitarbeiter der ISG der Tageszeitung "Washington Post" sagte, wird der ISG-Zwischenbericht vom September im wesentlichen Bestand haben und allenfalls durch einige Anhänge ergänzt werden. In dem Bericht hatte es sinngemäß geheißen, daß nach Untersuchung aller vermuteten Waffen- und Munitionslager sowie nach Gesprächen mit Hunderten von Mitarbeitern des früheren Waffenprogramms der Irak seit Anfang der neunziger Jahre über keine Massenvernichtungswaffen mehr verfügte. Der ergänzte und aktualisierte Zwischenbericht der ISG vom September soll im Frühjahr in Buchform erscheinen.

Mitarbeiter der ISG sollen sich beim Pentagon für drei seit fast zwei Jahren ohne Anklageerhebung gefangengehaltene irakische Wissenschaftler verwendet haben, die sich bei den Ermittlungen kooperativ gezeigt und seit 1991 offenbar nichts mehr mit dem Waffenprogramm zu tun gehabt hätten. Es handelt sich um General Amir al Saadi, dessen deutsche Ehefrau seit langem die Freilassung ihres Mannes fordert; die Biologin Rihab Taha, von UN-Inspekteuren einst "Dr. Germ" genannt, und deren Ehemann Amir Rashid, einst Ölminister des Iraks; sowie um die Biologin Huda Amash, die unter dem Beinamen "Mrs. Anthrax" bekannt wurde.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.01.2005, Nr. 10 / Seite 5
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