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Volkswagen und Porsche Milliardenforderung an Wulff

Nun ist Bundespräsident Christian Wulff noch wegen seiner Rolle als früheres Aufsichtsratsmitglied von Volkswagen unter Beschuss. Fast 70 Banken, Versicherungen und Fonds fordern Schadensersatz in Höhe von insgesamt 1,8 Milliarden Euro. Angeblich soll er seinen Aufsichtspflichten nicht korrekt nachgekommen sein.

© dapd Vergrößern Christian Wulff als VW-Aufsichtsrat auf einem Archivbild

Fast 70 Banken, Versicherungen und Fonds fordern von Bundespräsident Christian Wulff Schadensersatz in Höhe von insgesamt 1,8 Milliarden Euro. Die Investoren werfen Wulff als früherem Aufsichtsratsmitglied von Volkswagen Versäumnisse im Übernahmekampf mit Porsche vor. Sie stützen ihre Forderungen auf angebliche Falschinformationen des Kapitalmarkts. Er habe Kenntnis von der wahren Sachlage gehabt und sei dennoch seinen Aufsichtspflichten nicht nachgekommen.

Die Kanzlei CLLB hatte im vergangenen Jahr eine entsprechende Klage gegen Porsche und VW beim Landgericht Braunschweig eingereicht (F.A.Z. vom 11.Oktober). Darin war Wulff nur als Zeuge benannt worden. Nun hat sie diese erweitert, wie Rechtsanwalt Franz Braun am Freitag der F.A.Z. sagte. Zugleich hat er einen Antrag auf Einleitung eines Verfahrens bei einer staatlich anerkannten Gütestelle - der Cena Com in Karlsruhe - gestellt, der dieser Zeitung vorliegt. Dieser richtet sich gegen Wulff sowie gegen VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch, ferner gegen das Unternehmen Porsche und dessen Ex-Vorstände Wendelin Wiedeking und Holger Härter. Sie alle sollen nun als „Gesamtschuldner“ haften - jeder von ihnen müsste also im Extremfall den vollen Betrag aufbringen und dann versuchen, einen Teil des Geldes von den anderen Beklagten einzutreiben.

Bei dem Streit geht es um die gescheiterte Übernahme von VW durch den Sportwagen-Bauer Porsche. Wulff, der damals noch Ministerpräsident in Niedersachsen und damit auch Aufsichtsrat bei VW war, habe die VW-Anleger getäuscht und damit den Porsche-Eignern in die Hände gespielt. Konkret soll Wulff demnach schon deutlich vor der Bekanntgabe der geplanten VW-Übernahme davon erfahren haben, ohne die Aktionäre des Autobauers zu informieren.

Die Investoren beklagen in ihrem Antrag, Porsche habe Marktteilnehmer rechtswidrig getäuscht, was zu heftigen Schwankungen im Wert der VW-Aktie geführt habe. Wulff habe schweigend und untätig zugesehen, wie Porsche Nutznießer der Kapriolen wurde und 5,4 Milliarden Euro „Beute“ machte. Die Investoren erlitten dadurch demnach die 1,8 Milliarden Euro Schaden, die sie nun von Wulff einfordern.

Zu Begründung berufen sie sich auf Interviews, die Wulff gegeben habe; ferner auf ein „Geheimtreffen“ eines seiner damaligen Mitarbeiter mit Porsche, von dem er als VW-Aufseher gewusst habe. Auch soll der CDU-Politiker Insiderwissen über die damals von der Bundesregierung geplante Änderung des VW-Gesetzes gehabt haben. Die „enge Einbindung“ des damaligen Landespolitikers in die Porsche-Pläne zeige sich auch darin, heißt es in dem Schriftsatz weiter, dass das Land Niedersachsen damals kein Interesse an einer bereits beschlossenen Kapitalerhöhung gehabt habe. Wulff, sein Anwalt und das Bundespräsidialamt äußerten sich bislang nicht näher zu den Vorwürfen. VW-Investoren fordern auch von Porsche und VW vor weiteren Gerichten in Deutschland und Amerika mehrere Milliarden Euro Schadensersatz. Die beiden Autobauer bestreiten die Vorwürfe.

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Quelle: F.A.Z.

 
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