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"Vista kommt mit den heutigen Chips schnell an seine Grenze"

02.03.2008 ·  FRAGE: Herr Loh, wir beneiden Sie nicht.ANTWORT: Warum?FRAGE: Weil die Preise für Speicherchips fallen und fallen.ANTWORT: Ja, wir befinden uns in einer Zwickmühle. Unsere Kunden wollen immer leistungsfähigere Chips, die immer weniger Strom verbrauchen.

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FRAGE: Herr Loh, wir beneiden Sie nicht.

ANTWORT: Warum?

FRAGE: Weil die Preise für Speicherchips fallen und fallen.

ANTWORT: Ja, wir befinden uns in einer Zwickmühle. Unsere Kunden wollen immer leistungsfähigere Chips, die immer weniger Strom verbrauchen.

FRAGE: Allein in den vergangenen zwölf Monaten haben die Gedächtniszellen für Computer 80 Prozent an Wert verloren . . .

ANTWORT: . . . und gleichzeitig wird die Produktion nach altbewährten Verfahren verbesserter Speicherchips immer teurer.

FRAGE: Wie können Sie in diesem Markt überhaupt einmal wieder Geld verdienen?

ANTWORT: Man braucht eine neue Herstelltechnik, die die Produktionskosten senkt.

FRAGE: Und eine solche haben Sie nun vorgestellt?

ANTWORT: Ja. Wir haben mit unseren 600 Entwicklern am Forschungsstandort Dresden eine D-Ram-Technologie entworfen, mit der wir profitabler produzieren können. Wir sparen fast die Hälfte der Produktionskosten ein.

FRAGE: Gibt es weitere Vorteile?

ANTWORT: Gleichzeitig sind die neuen Speicherchips viel schneller. Sie haben eine doppelt so große Speicherkapazität. Und sie verbrauchen wesentlich weniger Energie.

FRAGE: Für die Umstellung auf die neue Technologie nimmt Qimonda 100 Millionen Euro in die Hand. Das klingt nach nicht viel, gemessen an den damit verknüpften Hoffnungen . . .

ANTWORT: . . . Natürlich sind 100 Millionen Euro viel Geld. Aber es stimmt, wenn man unser jährliches Forschungs- und Entwicklungsbudget für Investitionen von 600 Millionen Euro betrachtet, dann sind 50 Millionen Euro jährlicher Mehraufwand - verteilt auf zwei Jahre - ein relativ kleiner Betrag.

FRAGE: Da Qimonda finanziell nicht auf Rosen gebettet ist, stellt sich gleichwohl die Frage: Woher nehmen Sie das Geld?

ANTWORT: Wir wollen das Geld aus unserem Barmittelzufluss (Cashflow) nehmen. Wir gehen davon aus, dass wir keine zusätzlichen Mittel dafür aufnehmen müssen.

FRAGE: Marktbeobachter sind skeptisch, dass die Summe reicht. Man vermutet, Qimonda muss noch tiefer in die Tasche greifen.

ANTWORT: Nein, davon gehen wir nicht aus.

FRAGE: Was macht Sie so zuversichtlich?

ANTWORT: Wir kombinieren unsere Innovation mit bewährten Technologien und können so Synergieeffekte nutzen. Es wird keine Überraschungen geben.

FRAGE: Wo sollen Ihre neuen Speicherchips denn zum Einsatz kommen?

ANTWORT: Vor allem in den neuen Spielekonsolen wie zum Beispiel in den nächsten Generationen der X-Box oder der Playstation. Die Folgemodelle werden noch bessere und aufwendigere Grafikprogramme haben, und die brauchen schnelle Speicherchips.

FRAGE: Warum eigentlich?

ANTWORT: Das ist wie mit unserem Körper: Die Rechenoperationen finden im Gehirn statt. Beim Computer ist das der Zentralprozessor. Auf dem Computer laufen dann die verschiedenen Softwareprogramme. Das sind - um im Bild zu bleiben - zum Beispiel die Arme, Finger, Füße und Beine. Beides muss koordiniert werden. Im Körper übernimmt diese Funktion das Nervensystem; und im Computer machen das eben die Speicherchips.

FRAGE: Warum wächst die Nachfrage nach immer leistungsfähigeren Speicherchips für Computer, Handys oder Spielekonsolen? Schließlich tauschen wir ja auch nicht jährlich unser Nervensystem aus.

ANTWORT: Mobilität ist die Antwort. Sie ist der wichtigste Treiber in der Informationstechnikindustrie. Die Nachfrage nach mobilen Endgeräten wächst. Der Anspruch bleibt der gleiche, ob man nun zu Hause am Desktop-Computer arbeitet oder auf Reisen das Notebook oder den Taschencomputer benutzt: Wenn man unterwegs ist, will man trotzdem auf alle möglichen Daten von überall her zugreifen können. Und das ohne Geschwindigkeitsverlust, ohne Qualitätseinbußen. Das heißt, die Anwendungsprogramme auf den Handys und den Notebooks werden immer komplexer, benötigen also mehr Rechenleistung und Speicherkapazität. Wenn da nicht schnellere und leistungsfähigere Chips zur Verfügung stehen, driftet die Schere auseinander.

FRAGE: Haben Sie ein Beispiel?

ANTWORT: Schauen Sie sich etwa das Betriebssystem Vista von Microsoft an. Mit heutigen Standard-Speicherchips kommt diese Anwendung schnell an ihre Grenzen.

FRAGE: Das kann man wohl sagen . . .

ANTWORT: . . . mit den Chips unserer neuen Generation kann das System besser genutzt werden.

FRAGE: Doch diese Speicherchips dürfen nicht zu Energiefressern werden.

ANTWORT: Das ist genau der Punkt: Energie wird immer teurer. Deshalb achten viele darauf, wie viel Strom ihre Endgeräte verbrauchen. Energiesparende Komponenten wie unsere Speicherchips tragen zu längeren Akkulaufzeiten und geringeren Stromkosten bei.

FRAGE: Energieeffizienz ist dieses Jahr auch das große Thema auf der Cebit. Kein Zufall, oder?

ANTWORT: Nein. Die Branche steht vor der Herausforderung, dass es immer mehr Daten gibt, die bearbeitet werden müssen. Gleichzeitig steigen die Stromkosten, was besonders die großen Rechenzentren trifft. Mit unseren neuen, effizienteren Speicherchips kann ein normales Rechenzentrum den Stromverbrauch etwa halbieren.

FRAGE: Ganz nach dem Motto: Kleiner Baustein, große Wirkung?

ANTWORT: Ja. Denn je weniger Energie und Wärme beim eigentlichen Rechnen der vielen Daten entsteht, um so weniger müssen die Netzwerkrechner (Server) und Computer gekühlt werden. Und da die Kühlung der Geräte mehr Energie in Anspruch nimmt als die eigentliche Rechenleistung, stellen Optimierungen bei den Chips einen großen Einsparungshebel dar.

FRAGE: Herr Loh, wird es so für Ihren Mehrheitsaktionär Infineon nach der Ankündigung der neuen Technologie leichter, endlich einen Käufer für seine Qimonda-Anteile zu finden?

ANTWORT: Dazu möchte ich mich nicht äußern. Das ist Sache von Infineon.

FRAGE: Aber dass Qimonda an Attraktivität gewinnt, das wollen Sie sicher nicht in Frage stellen?

ANTWORT: Nein, das bestreite ich natürlich nicht. Von unseren Entwicklungsfortschritten profitieren unsere Aktionäre.

FRAGE: Die neue Technik macht Qimonda für Kooperationspartner attraktiver . . .

ANTWORT: . . . zunächst einmal bringt uns unsere neue Chiptechnik in eine komfortable Ausgangssituation. Ich schätze, dass wir einen technologischen Vorsprung von mehreren Monaten gegenüber unseren Wettbewerbern haben. Das ist ein beachtliches Polster in der Chipindustrie. Es versetzt uns in eine gute Verhandlungsposition mit potentiellen Partnern.

FRAGE: Es wird spekuliert, dass Sie mit Wettbewerbern wie Micron schon Gespräche führen. Stimmt das?

ANTWORT: Sie werden sicherlich Verständnis haben, dass ich mich zu solchen Gerüchten nicht äußere.

FRAGE: Wie sieht es denn mit Qimondas Investitionsfreude und Zukunftsplänen zur Flash-Speichertechnologie aus? Diese Chips, die auch bei fehlender Stromzufuhr die Daten noch sicher speichern und zudem viel leichter und schneller sind, stellen ein wachstumsstarkes Marktsegment dar. In vielen Handys und MP3-Spielern findet man sie. Qimonda war einst in diesem Geschäft tätig, ging aber dann raus. Liebäugeln Sie mit einem Wiedereinstieg?

ANTWORT: Ja, die Flash-Technologie ist sicher wichtig. Für uns ist aber das Geschäft mit D-Ram-Speicherchips unser Kerngeschäft mit einem Markt, der ein Volumen von 35 bis 40 Milliarden Dollar hat. Aber es stimmt: Wir schauen uns die Entwicklungen im Flash-Bereich ganz genau an.

FRAGE: Was heißt das konkret?

ANTWORT: Ich will es mal so formulieren: Wir wollen in den Markt zurückkehren.

FRAGE: Wann?

ANTWORT: Es ist noch zu früh, um einen Zeitpunkt zu nennen.

FRAGE: Wie geht es weiter? Analysten sehen noch kein Ende des Preisverfalls.

ANTWORT: Alle im Markt - auch wir - nehmen Kapazitäten raus. Aber allein darauf zu hoffen, dass die Preise sich erholen, das ist zu wenig. Man muss dann an der Profitabilität arbeiten.

Das Gespräch führten Uta Bittner und

Carsten Knop.

Quelle: F.A.Z., 03.03.2008, Nr. 53 / Seite 15
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