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Verteidigungskämpfe auf dem Weg zum Schachkönig

17.10.2004 ·  Leko findet in der 13. Partie stets eine Antwort auf Kramniks Attacken: Ein Remis bis zum Titel

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fan. FRANKFURT. Nach dramatischem Verlauf endete die 13. Partie um die Weltmeisterschaft im klassischen Schach zwischen Peter Leko und Wladimir Kramnik am Samstag mit Remis. Obwohl er mit Schwarz spielte, hatte nur Weltmeister Kramnik Gewinnchancen. Nach ihrem sechsstündigen Kampf war der Russe unsicher, ob er einen Gewinnweg verpaßt hatte. Auch die ersten veröffentlichten Analysen sind noch zu keinem überzeugenden Urteil gekommen. Trotz der angespannten Matchsituation wurde das Spiel im Tessiner Ort Brissago am Lago Maggiore mit einem PR-Termin befrachtet: Lekos erster Zug wurde von Natalja Wodjanowa, einem russischen Fotomodell, ausgeführt. Kramnik, der im Match einen Punkt hinten liegt, gelang es mit Schwarz, seinen Herausforderer in der Eröffnung zu überraschen. Leko war das erste Mal mit dem auf höchstem Niveau seltenen "Modernen Benoni" konfrontiert. Früh zeichnete sich ab, daß der Ungar um Remis kämpfen mußte. Es wurde das zehnte in diesem Zweikampf. Unter den Schachspielern in aller Welt, die die Züge im Internet verfolgten, war auch Garri Kasparow. Im Chat warnte der Weltranglistenerste, Lekos Stellung vorzeitig abzuschreiben. Der Ungar machte einen Fehler im 33. Zug wieder gut, indem er oftmals die einzige Chance fand, die Niederlage zu vermeiden. Leko erwies sich als Verteidigungskünstler.

Nachdem es zuletzt viel Kritik an frühen Punkteteilungen gab, wurde an diesem Tag kein Remisgebot ausgesprochen. Am Ende standen nur noch die beiden Könige auf dem Brett. Beim Stand von 7:6 für Leko ist die Ausgangsposition vor der letzten Partie an diesem Montag klar: Kramnik muß mit Weiß gewinnen, um seinen Titel zu verteidigen. Bei jedem anderen Ergebnis heißt der neue Weltmeister im klassischen Schach Peter Leko. Erstmals würde ein Ungar den Titel gewinnen. Die WM-Börse des Sponsors Dannemann beträgt eine Million Schweizer Franken. Laut Reglement wird sie am Ende im Verhältnis 60:40 geteilt. Bei einem 7:7 bekommt jeder Spieler die Hälfte des Preisgeldes.

Leko - Kramnik, 13. Partie, Modernes Benoni:

1.d4 Sf6 2.c4 e6 3.Sf3 c5 (Gewöhnlich spielt Kramnik 3...b6 oder 3...d5.) 4.d5 d6 5.Sc3 exd5 6.cxd5 g6 7.Sd2 (Diese Zugfolge umgeht die Variante 7.e4 a6 8.a4 Lg4.) 7...Lg7 8.e4 0-0 9.Le2 Sa6 10.0-0 Se8 11.Sc4 Sac7 12.a4 f5 13.exf5 Txf5 (13...Lxf5 würde 14.Lf4 erlauben.) 14.Lg4 Tf8 15.Lxc8 Txc8 16.Db3 b6 17.Sb5 Sxb5 18.axb5 Tc7 (Die Eröffnung ist für Kramnik gut gelaufen: Schwarz steht bereits angenehmer.) 19.Ld2 Tcf7 20.Lc3 Dd7 21.f3 g5 22.Se3 Tf4 23.Tfe1 h5 24.Dc2 Df7 25.h3 Ld4 (Das gefiel Kramnik wegen dem folgenden Übergang in ein Turmendspiel im nachhinein nicht mehr, doch ein stärkerer Zug ist schwer zu sehen.) 26.Lxd4 Txd4 (Nach 26...cxd4 27.Sc4 droht stark 28.Te6.) 27.Sf5 Dxf5 28.Dxf5 Txf5 29.Txe8+ Kf7 30.Tb8 Tdxd5 31.Txa7+ Ke6 32.Te8+ (Nach 32.Txb6 Td1+ 33.Kf2 Td2+ 34.Ke3 Tfd5 bzw. 34.Kg1 Txb2 wären die weißen Türme außer Spiel.) 32...Kf6 33.g4? (Verständlicherweise setzt Leko auf aktive Verteidigung, doch damit bringt er sich in Schwierigkeiten. 33.Th7 sieht stärker aus.) 33...hxg4 34.hxg4 Td1+ 35.Kf2 Te5 36.Th8 Td2+ 37.Kg3 Tee2 38.Tf8+ Kg6 (Weil nach dem 40. Zug jeder Spieler eine weitere Stunde Bedenkzeit erhält, wiederholt Kramnik einmal die Stellung.) 39.Tg8+ Kf6 40.Tf8+ Ke6 41.Te8+ Kd5 42.Txe2 Txe2 43.Tg7 Te5 (Eine Alternative ist 43...Txb2 44.Txg5+ Kc4 45.Tg6 Td2 46.f4 Kxb5 47.f5 c4 48.f6 c3 49.f7 c2 50.f8D c1D und weniger aufgrund des Mehrbauern als wegen der sichereren Königsstellung hat Schwarz gute Gewinnchancen.) 44.Tb7 c4 45.Txb6 Te2 46.f4! (Auf Kosten eines Bauern sichert sich Leko Gegenspiel durch einen Freibauern am Königsflügel.) 46...Te3+ 47.Kf2 gxf4 48.Tb8 Tb3 49.b6 Ke4 50.Te8+ Kd3 (Kramniks letzte Gewinnchance besteht in 50...Kd4 mit der Idee 51.Te2 f3. Nun ist die Stellung remis.) 51.Te2 d5 52.Kf3 d4 53.g5 c3 54.bxc3 dxc3 55.Tg2 Tb2 56.b7 Txb7 57.Kxf4 Tb2 58.Tg1 c2 59.Tc1 Tb1 60.Txc2 Kxc2 61.g6 Kd3 62.Kf5 Tb5+ 63.Kf6 Tb6+

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.10.2004, Nr. 243 / Seite 32
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