Home
http://www.faz.net/-1v0-nzec
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER
Aktuelle Nachrichten online - FAZ.NET

Verlage Springer für 2003 pessimistisch

14.08.2003 ·  Der größte deutsche Zeitungsverlag verdient wieder deutlich mehr. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Sonderfaktoren ist zwischen Januar und Juni von 50 auf 120 Millionen Euro und ...

Artikel Lesermeinungen (0)

Der größte deutsche Zeitungsverlag verdient wieder deutlich mehr. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Sonderfaktoren ist zwischen Januar und Juni von 50 auf 120 Millionen Euro und der Jahresüberschuß von 72 auf 90 Millionen Euro gestiegen. Zur Jahresmitte war der Konzern schuldenfrei. Ende Juni wird eine positive Netto-Liquidität von 108 Millionen Euro ausgewiesen. Dennoch gab sich der Vorstandsvorsitzende Mathias Döpfner bei der Vorlage neuer Zahlen nur bedingt optimistisch. Für die Branche insgesamt sei die Lage nach wie vor schwierig, sagte er.

Eine Wende zum Besseren sieht er noch nicht, besonders im Zeitungsgeschäft wirke sich der dramatische Rückgang bei den rubrizierten Anzeigen negativ aus. Daher werde man den Umbau des Konzerns fortsetzen, die Aktivitäten auf marktnahe Bereiche konzentrieren, gleichzeitig aber antizyklisch in neue Objekte investieren. Das Ende des Tunnels sei noch nicht erreicht, aber "wir sehen Licht in der Mitte des Tunnels". Das gute Ergebnis des ersten Halbjahres lasse sich allerdings nicht fortschreiben. Die Unwägbarkeiten des Marktes, vor allem aber Investitionen in neue Titel werden den Ertrag belasten. Das Vorjahresergebnis werde man auf alle Fälle erreichen, wenn nicht sogar übertreffen.

Besser als der Branchendurchschnitt

Springer hat damit besser abgeschnitten als der Branchendurchschnitt. Die Gründe dafür sieht Döpfner in der Stabilisierung des Umsatzes (1,2 nach 1,196 Milliarden Euro), der Bereinigung des Portfolios, in weiteren Kosteneinsparungen sowie in der Entwicklung neuer Titel. Die Anzeigenerlöse sind zwar nochmals um 5,6 Prozent auf 344 Millionen Euro zurückgegangen, dafür sind die Vertriebserlöse um 5,5 Prozent auf 567 Millionen Euro gestiegen. Im Segment Zeitungen erzielte Springer trotz leichten Umsatzrückgangs (von 680 auf 674 Millionen Euro) einen Ergebnissprung (Ebitda) um 88 Prozent auf 81 Millionen Euro. Im Segment Zeitschriften hat sich das Ergebnis bei einem Umsatzzuwachs auf 373 (Vorjahr: 366) Millionen Euro mit 35 Millionen Euro sogar mehr als verdoppelt. Wichtigste Ergebnisbringer sind "Bild", "Bild am Sonntag" und "Hamburger Abendblatt" und bei den Zeitschriften "Hör Zu", "Bild der Frau", "Computer Bild".

Innerhalb der letzten 18 Monate wurden 34 Objekte verkauft oder eingestellt. Weitere Tochtergesellschaften (Verlage, Fernsehproduktionen) sollen bei passender Gelegenheit abgestoßen werden. Die Kostenseite wurde im Berichtszeitraum um 69 Millionen Euro entlastet. Die Verwaltung wird weiter verschlankt, Konzernsteuerungs- und -stabsfunktionen werden am Hauptsitz Berlin gebündelt. Weitere Personalanpassungen schließt Döpfner nicht aus. Im ersten Halbjahr wurden 11 776 Mitarbeiter beschäftigt, 558 weniger als im Vorjahreszeitraum.

Neue Titel zu erwarten

Während im ersten Halbjahr vornehmlich in den Berliner Neubau sowie die Modernisierung und Erweiterung der Druckerei-Standorte investiert wurden (76 nach 73 Millionen Euro), will das Verlagshaus in der zweiten Jahreshälfte auch erhebliche Mittel für die Entwicklung neuer Titel bereitstellen. Der Markt für junge Leser steht dabei im Vordergrund, außerdem soll das Auslandsgeschäft in Frankreich und Polen ausgebaut werden, hieß es.

Für den "unwahrscheinlichen Fall", daß es durch Ministererlaubnis doch zu einer Fusion der Holtzbrinck-Blätter Berliner Zeitung/Tagesspiegel kommen sollte, werde man gerichtlich gegen den Zusammenschluß vorgehen, unterstrich Döpfner. Das könnte Jahre dauern. An der von der Saban Capital Group übernommenen Senderfamilie Pro Sieben SAT.1 hält Springer derzeit einen Anteil von 11,48 Prozent. Diese Anteile werden zusammen mit einem weiteren Aktienpaket von rund 17 Prozent in einer Zwischengesellschaft gehalten. Man besitze die Vorkaufsrechte für diese Anteile, betonte Döpfner. Mit dem Insolvenzgeschäftsführer und Saban habe man sich geeinigt, bei Verzicht auf die Vorkaufsrechte weitere 2 Prozent Anteile an der Senderfamilie zu erhalten. Zudem sei vereinbart, daß bei einer Kapitalerhöhung, an der Springer nicht mitwirke, die Anteile gegen Verwässerung geschützt seien.

Quelle: Sch., Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.08.2003, Nr. 188 / Seite 16
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel