25.05.2004 · Übernahme für 273 Millionen Dollar / Gründer bleiben im Unternehmen / Markteinstieg in Amerika und Asien geplant
ht./lid. FRANKFURT/NEW YORK, 25. Mai. Das Berliner Handy-Portal Jamba geht in amerikanische Hände. Der kalifornische Internet- und Telekommunikationsdienstleister Verisign hat sich mit dem vor allem für den Verkauf von Klingeltönen und Handy-Spielen bekannten Unternehmen auf eine Übernahme für 273 Millionen Dollar geeinigt. 65 Prozent des Kaufpreises soll der Vereinbarung zufolge in bar bezahlt werden, der Rest in Verisign-Aktien.
Die Jamba-Gründer Alexander, Marc und Oliver Samwer werden die Gesellschaft weiter als Geschäftseinheit von Verisign führen. Die Übernahme, die von der Deutschen Bank eingefädelt wurde, soll nach Angaben von Verisign Ende des zweiten Quartals abgeschlossen werden. Ein treibende Kraft hinter den Kulissen war die amerikanische Risikokapitalgesellschaft Summit Partner, die seit vergangenem Oktober an Jamba beteiligt war. Über die Höhe der Beteiligung macht Jamba allerdings keine Angaben.
Jamba hat in Europa im vergangenen Jahr rund zehn Millionen Klingeltöne und 4,3 Millionen Handy-Spiele verkauft. Die Wachstumsraten in diesem Geschäft liegen bei mehr als 100 Prozent. Jamba hat sich als einziges Unternehmen neben den Netzbetreibern am Markt etablieren können. Daran hat die Zusammenarbeit mit den strategischen Investoren Debitel, Saturn, Media-Markt und Electronic Partner einen großen Anteil. Obwohl diese Investoren ihre Jamba-Anteile ebenfalls an Verisign verkauft haben, wird die Kooperation in Europa fortgesetzt. Die Jamba-Zentrale in Berlin bleibt erhalten und wird ausgebaut. Daneben wird Kalifornien als zweiter Standort eingerichtet.
Doch die Samwers orientieren sich über Europa hinaus. "Amerika ist der größte Markt der Welt. Verisign bietet Jamba die Möglichkeit, einen direkten Zugang zu den Netzbetreibern zu bekommen", sagte Oliver Samwer dieser Zeitung. "Wir hatten die Möglichkeit, eine kleine Rolle in Amerika zu spielen oder gleich richtig einzusteigen", sagte Samwer. Jamba wird auch in Kürze in zwei großen asiatischen Ländern in den Markt einsteigen. "Die Produktions- oder Lizenzkosten für ein Handy-Spiel sind hoch. Der Markt muß daher international ausgerichtet sein", sagte Samwer.
Verisign ist vor allem für die Vergabe und Verwaltung von Internet-Adressen bekannt. Das Unternehmen kontrolliert die Datenbank mit den Verzeichnissen aller Internet-Adressen mit den populären Endungen ".com" und ".net". Außerdem bietet die Gesellschaft Sicherheitslösungen für das Internet an. Die zweite Sparte neben dem Internet sind Telekommunikationsdienste, zum Beispiel Abrechnungssysteme für zehn Mobilfunkanbieter. Jamba soll in die Telekommunikationssparte von Verisign integriert werden und - ähnlich wie in Deutschland - unabhängig von den Netzbetreibern am Markt auftreten.
Das Geschäft von Verisign war im ersten Quartal dieses Jahres rückläufig: Der Umsatz schrumpfte gegenüber dem Vorjahr um 15 Prozent auf 229 Millionen Dollar. 57 Prozent des Umsatzes entfallen auf die Internetsparte, der Rest auf das Telekommunikationsgeschäft. Dabei hat das Unternehmen einen Nettogewinn von 9 Millionen Dollar ausgewiesen, nach einem Verlust von 53 Millionen Dollar im Vorjahr. Für das zweite Quartal sagt Verisign ein organisches Umsatzwachstum in beiden Sparten voraus. Die Akquisition von Jamba soll in der zweiten Jahreshälfte 70 Millionen Dollar zum Umsatz von Verisign beitragen und sich vom kommenden Jahr an positiv auf das Konzernergebnis auswirken.