28.12.2007 · Beisetzung der Politikerin in ihrem Heimatort / Al Qaida bezichtigt sich der Tat
F.A.Z. FRANKFURT, 28. Dezember. Zehntausende Trauernde haben der ermordeten pakistanischen Oppositionsführerin Benazir Bhutto am Freitag in ihrer Heimatprovinz Sindh die letzte Ehre erwiesen. In einem schlichten, aus Holz gefertigten Sarg wurde der Leichnam der früheren Ministerpräsidentin zum Familiengrab in dem Ort Garhi Khuda Bakhsh rund 200 Kilometer nördlich der pakistanischen Hafenstadt Karachi gebracht. Bedeckt war der Sarg mit der rot-schwarz-grünen Fahne von Bhuttos Pakistanischer Volkspartei (PPP). Benazir Bhutto wurde neben ihrem Vater Zulfikar Ali Khan Bhutto beerdigt, der 1977 vom Militär gestürzt und zwei Jahre danach hingerichtet worden war. Der Ehemann Benazir Bhuttos, Asif Ali Zardari, und ihre drei Kinder reisten aus Dubai an, um der Beerdigung beizuwohnen. Anhänger der populären Politikerin schlugen sich aus Trauer vor Brust und Stirn. Der pakistanische Präsident Musharraf hatte nach dem Anschlag eine dreitägige Staatstrauer angeordnet.
Bei den Unruhen nach dem Tod der Oppositionsführerin wurden mehr als 20 Personen getötet, wie es am Freitag von pakistanischen Sicherheitskräften hieß; die meisten kamen in der Provinz Sindh um. Die Armee wurde in mehreren Städten im Süden zur Hilfe gerufen, um die Lage wieder unter Kontrolle zu bringen. Der Innenminister der Provinz Sindh, Ghulam Mohammed Mohtaram, teilte mit, die Regierung der Provinz habe um Unterstützung gebeten. Es ging um die Städte Karachi, Hyderabad, Mirpurkhas, Nawab Shah und Gotki.
Die pakistanische Regierung kündigte am Freitag eine offizielle Untersuchung des Mordes an. Der pakistanische Innenminister Hamid Nawaz teilte nach Agenturberichten mit: "Wir haben Beweise, dass Al Qaida und Taliban hinter dem Selbstmordanschlag auf Benazir Bhutto stecken." Ein Sprecher des Ministeriums sagte, es gebe starke Hinweise, wonach das Attentat von Terroristen aus der Miliz des pakistanischen Extremistenführers Baitullah Mehsud verübt wurde. Er berichtete von einer abgefangenen Mitteilung, in der islamistische Terroristen sich gegenseitig zu dem Anschlag beglückwünscht hätten. Das Innenministerium teilte zudem mit, Benazir Bhutto sei nicht durch Schüsse oder nach der Explosion herumfliegende Teile getötet worden. Die Politikerin sei an einem Schädelbruch gestorben, den sie sich zugezogen habe, als sie mit dem Kopf gegen einen Hebel an dem aufgeklappten Dach ihres Fahrzeuges stieß.
Unterdessen teilte die pakistanische Regierung am Freitag mit, sie habe derzeit nicht vor, die geplante Parlamentswahl zu verschieben. (Fortsetzung und weitere Berichte Seite 2, siehe Seite 10.)