26.10.2005 · Erstes Attentat im Norden seit Monaten / Einigung mit Ägypten über Grenzübergänge
jöb. JERUSALEM, 26. Oktober. Mindestens fünf Israelis sind am Mittwoch nachmittag bei einem Anschlag in der nordisraelischen Stadt Hadera ums Leben gekommen, als sich ein Selbstmordattentäter auf einem belebten Platz in die Luft sprengte. Mindestens 30 Personen wurden nach Polizeiangaben verletzt. Der letzte Anschlag fand Ende August in Beerschewa statt. Hadera galt seit langem als "sicher", weil der Norden des Westjordanlandes komplett von einem Zaun oder einer Mauer umgeben ist. Seit Monaten hatte es im Norden Israels keinen Anschlag mehr gegeben.
Israel geht derweil auf den Wunsch der internationalen Gemeinschaft ein und läßt den Grenzübergang in Rafah von Ägypten und der palästinensischen Autonomiebehörde kontrollieren. Verteidigungsminister Mofaz akzeptierte am Mittwoch in Kairo die Wiedereröffnung des Übergangs von Rafah für Personen, die nach Ägypten oder in die palästinensischen Gebiete reisen wollen. Israel stimmte zudem der "Einbeziehung einer dritten Partei" zu. Dem Vernehmen nach soll eine britische Privatfirma an der Kontrolle des Personenverkehrs beteiligt werden. Um die Zollunion mit Israel zu wahren, werden die Güter für die Autonomiebehörde über den israelischen Kontrollpunkt Kerem Schalom abgewickelt werden.
Mofaz sagte am Mittwoch nach einem Treffen mit dem ägyptischen Präsidenten Mubarak: "Wir haben uns darauf geeinigt, daß es am Grenzübergang Rafah eine dritte Partei geben wird. Wer diese Partei sein wird und wie genau ihre Rolle definiert ist, steht noch nicht fest." Schon im Sommer hatte der Hohe EU-Außenbeauftragte Solana die Beteiligung der EU angeboten, sollte sie gewünscht sein. Dann geschah wochenlang nichts. Erst dieser Tage hatte Mofaz die Kompetenzen für Rafah vom stellvertretenden Ministerpräsidenten Peres übernommen, der schon vor Wochen dem Kompromiß zugestimmt hatte. Israel will in Rafah mit Videokameras den Verkehr überwachen.
Mit der Vereinbarung endet im Grundsatz die Abriegelung der Palästinenser, die seit dem israelischen Abzug Mitte August auf Bewegungsfreiheit hoffen. Auch der Warengrenzpunkt Karni nach Israel und der Personenübergang in Erez im Norden wurden am Mittwoch wieder geöffnet.
Der palästinensische Präsident Abbas kritisierte unterdessen vor dem Autonomierat die militanten Fraktionen, die sich einseitig das Recht herausnähmen, die Waffenruhe zu stören. "Die Besatzung ist kriminell, aber wir dürfen Israel nicht den Vorwand geben, uns anzugreifen." Abbas kritisierte die Hamas dafür, Israel für den Tod von 18 Sympathisanten verantwortlich gemacht zu haben, obwohl Hamas selbst das Massaker verschuldete, als bei einer ihrer Jubelfeiern ungeschützte Munition explodierte. Abbas wandte sich gegen alle Spekulationen, die Autonomieratswahlen noch einmal zu verschieben. "Nur eine Tat Gottes" könne das Datum am 25. Januar aufheben, sagte er. (Fortsetzung Seite 2.) Er äußerte sich zu Hamas-Sprecher Zahar, der in einem Gespräch mit der Zeitung "Haaretz" das Ende der Waffenruhe für den Fall einer Wahlverschiebung angedroht hatte. Zahar hatte zudem die Entführung israelischer Soldaten angedroht, sollte Israel nicht mehr Gefangene freilassen. Bisher habe es für die Waffenruhe noch keine israelische Gegenleistung gegeben. Abbas will offenbar nicht dem Auftrag des Parlaments folgen und eine neue Regierung bilden, um das Chaos auf den Straßen zu bekämpfen. "Wir sollten mit dieser Regierung weitermachen und nach der Parlamentswahl eine völlig neue Seite aufschlagen." Derweilen nahm die israelische Armee den Norden des Gazastreifens unter Beschuß. Terroristen hatten zuvor von dem Gebiet aus wieder Kassem-Raketen auf Israel abgefeuert. Die Zeitung "Yediot Ahronot" berichtete, der Befehl zur Anheizung der Situation komme von der Dschihad-Führung im syrischen Damaskus. Vor allem dort wolle man die Tötung des militärischen Anführers Saadi vor einigen Tagen rächen.