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So kann man sogar mit Tuning sparen

25.08.2008 ·  Die einstigen PS-Zauberer nutzen die anderen Talente der Motoren

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"Schneller, breiter, tiefer!" lautete einst der Schlachtruf der Autotuner. Spritverbrauch spielte keine Rolle, unbändige Pferdestärken waren gefragt. Die Zeiten haben sich geändert: Getreu dem Motto "Less fuel, more fun" wird die Motorleistung zwar immer noch erhöht, gleichzeitig sinkt aber der Verbrauch. Angesichts steigender Spritpreise suchen mittlerweile selbst konservative Autofahrer den Weg zu den einst mit Negativ-Image behafteten Tuningwerkstätten. Und deren Geschäfte blühen, denn sie versprechen bis zu 20 Prozent Kraftstoffeinsparung. Im Gegensatz zum klassischen Chiptuning mit viel PS und unbegrenztem Verbrauch, programmieren seriöse Autotuner beim sogenannten Eco- oder Öko-Tuning aber nur die Software der Motorsteuerung um.

Während Deutschlands Automobilhersteller über hohe Grenzwerte beim CO2-Ausstoß (abhängig vom Verbrauch) klagen, die sie mit optimierten Motoren teilweise ausgleichen könnten, handeln namhafte Autotuner und nutzen die verborgenen Motorreserven. "Hohe Toleranzwerte entstehen schon in der Motorentwicklungsphase", erklärt Hans-Jörg Köninger, Geschäftsführer im Verband Deutscher Automobil Tuner (VDAT). Denn mit Motoren für internationale Märkte müssen die Hersteller unterschiedliche Anforderungen erfüllen. Gesetzliche Vorschriften wie die strengen kalifornischen Abgasgrenzwerte oder japanische Lärmvorschriften oder unterschiedliche Klimabedingungen wie die Kälte Sibiriens oder die Hitze der Sahara soll der Motor meistern. Außerdem halten die Großserienhersteller mit einer "innovativen Modellpolitik" bewusst noch einige Pferdestärken in der Hinterhand: "Neue" Motoren präsentiert man als Innovation, indem man sie mit einem einfachen Software-Update "erweitert".

Wo die Hersteller Innovationen verweigern oder global denken müssen, greifen ihre Haustuner in die Trickkiste: Die Software der Motorelektronik wird exakt auf deutsche Grenzwerte und Umweltbedingungen angepasst. "Die Automobilhersteller sehen dies zwar kritisch, aus Kostengründen überlässt man dieses Feld aber den Tunern", stellt Hans-Jörg Köninger fest. So haben sich beispielsweise für Mercedes-Modelle Brabus, für Opel Irmscher, für die VW-Gruppe Abt und Oettinger auf das verbrauchssenkende Tuning spezialisiert. Marktführer und Erfinder des Eco-Tuning ist SKN im niedersächsischen Benstorf.

Um das Motorsteuergerät beeinflussen zu können, muss der Softwarecode des Automobilherstellers "bearbeitet" werden. Professionelle Hacker legen dazu den Code frei, entwickeln ihn weiter und belegen ihn schließlich mit neuen Kennfeldern. "Für dieses Tuning eignen sich besonders Turbomotoren und dabei der Diesel, der dank eines hohen Drehmoments und niedriger Drehzahlen ein frühes Schalten erlaubt", erklärt Michael Schiffer, Vertriebsleiter bei SKN. Bei einem Golf V mit Zweiliter-TDI und 103 kW (140 PS) spare man mit Eco-Tuning, das die Leistung auf 110 kW (150 PS) erhöht, etwa 1,7 Liter Kraftstoff je 100 km. Die Kosten dafür liegen dann bei 420 Euro, TÜV-Gutachten inklusive. Für die vorgeschriebene Eintragung in die Fahrzeugpapiere sind noch einmal 140 Euro hinzulegen.

"Reines Eco-Tuning ist aber ein zu großer Kompromiss", meint Philip Dorian Blau, Motorsportleiter beim VW-Haustuner Oettinger, "denn das Drehmoment wird teils recht radikal umverteilt, es fehlt dann bei Autobahnfahrten bei höheren Geschwindigkeiten." Bei Oettinger setzt man auf die Eigenentwicklung "Map-Switching", das ein Aufspielen von bis zu vier verschiedenen Motor-Kennfeldern auf ein Steuergerät erlaubt.

So kann der Autofahrer wählen: verbrauchsarme Fahrten mit begrenzter Geschwindigkeit, Alpentouren mit hohem Drehmoment oder Stadtfahrten mit relativ niedriger Drehzahl. Im Fahrzeug lassen sich die "Mappings" über den Tempomat anwählen. Allerdings erlischt bei jedem Eingriff ins Motorsteuergerät die Neuwagengarantie des Herstellers. Motorexperte Blau: "Der Kunde geht aber kein Risiko ein, denn als seriöser Tuner gewähren wir die gleichen Konditionen wie der Automobilhersteller." Auf die Software gibt es dazu eine Garantie von fünf Jahren.

Neben den technischen Möglichkeiten kann der Fahrer mit seinem Verhalten zusätzlich Sprit sparen. Bei Oettinger hat man festgestellt, dass Eco-Tuning in Verbindung mit vorausschauender Fahrweise den Verbrauch drastisch reduziert. Und ganz ohne Technik kommt der Vorschlag des VDAT aus, der mit dem Verzicht auf jede fünfte Fahrt annähernd den gleichen Spareffekt wie beim Eco-Tuning errechnete. Egon Morawietz

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