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Mobiles Internet Das Smartphone wird zur Nachrichtenzentrale

19.05.2010 ·  Wer Twitter intensiv nutzt, hat meist hohe Ansprüche an entsprechende mobile Applikationen. Vor allem Geräte mit dem Android-Betriebssystem sind für die Twitter-Nutzung unterwegs sehr gut geeignet.

Von Michael Spehr
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Dass sich Twitter-Nachrichten auf 140 Zeichen beschränken müssen, also 20 weniger als bei der SMS des Mobilfunks, wurde oft kritisiert. Aber in der Kürze liegt ja nun die Würze, und Twitter schreibt seit seiner Gründung vor vier Jahren eine Erfolgsgeschichte ohnegleichen. So bringt dieser besonders schnelle Nachrichtendienst mit seiner Reduzierung auf das Wesentliche beste Voraussetzungen für den Einsatz auf dem Smartphone mit. Wer süchtig nach aktuellen News ist und den richtigen Quellen folgt, wird mit Twitter erstklassig informiert. Vor allem Geräte mit dem Android-Betriebssystem sind für die Twitter-Nutzung unterwegs sehr gut geeignet. Dutzende von Programmen stehen parat, und wir haben uns einige näher angesehen.

Die wichtigsten Funktionen eines Twitter-Programms auf dem Mobiltelefon sind schnell aufgezählt: Man bucht sich ein und kann den aktuellen Nachrichtenstrom derjenigen lesen, denen man folgt. Wer Twitter intensiv nutzt, hat jedoch meist höhere Ansprüche, und hier scheiden sich die Geister. Nicht jede Twitter-Software bietet sämtlichen Komfort von Twitter im Browser, geschweige denn die Übernahme jener differenzierten Einstellungen, die man in manchem Web-Integrator für Twitter (wie etwa Hoot Suite, Seesmic oder Tweet Deck) vornehmen kann. Im Detail geht es zum Beispiel um gespeicherte Suchanfragen, um die Anzeige von Listen und die Verwaltung der Kontakte.

Geolokalisierung von Tweets

Die jüngste Neuerscheinung für Android ist eine offizielle „App“, nämlich vom Unternehmen Twitter, und sie heißt auch so; gratis steht sie im Android-Markt zur Verfügung. Twitter läuft nur mit Android 2.1. Das ist der größte Minuspunkt eines sonst sehr erfolgversprechenden Programms, das mit Leichtigkeit und Charme überzeugt. Twitter ist gut in das offene Betriebssystem eingebunden und bietet, vom Hauptmenü ausgehend, den Zugriff auf Tweets (Nachrichten), Erwähnungen, Retweets (von anderen weitergeleitete Tweets), Listen, Direktnachrichten und das eigene Profil. Besonders raffiniert ist die Verknüpfung mit dem Adressbuch: Unter dem Namenseintrag ist unmittelbar der letzte Tweet des angezeigten Kontakts sichtbar. Ferner unterstützt Twitter die Geolokalisierung von Tweets (man zeigt den Mitlesern, wo man die Meldung abgesetzt hat) und in umgekehrter Richtung die Anzeige des Absendeorts eines Tweets in Google Maps.

Twitter für Android blendet ferner im Nachrichtenstrom die gegebenenfalls bei Twitpic angehängten Bilder ein und versteht sich bestens mit der Fotoabteilung des Smartphones. Mit einem Fingertipp lassen sich eigene Aufnahmen an einen Tweet anhängen. Minuspunkte der offiziellen Software: Für die Anwahl einer Twitter-Liste benötigt man ein bisschen Fingerakrobatik, das Menüfeld ist deutlich zu klein, und es fehlt in der Listendarstellung die Möglichkeit des Retweets. Im Hauptstrom wiederum lassen sich Retweets vor dem Versand nicht bearbeiten, und es wird nur ein einziger Twitter-Account unterstützt. Ferner fehlen die im Web-Twitter gespeicherten Suchanfragen.

Der professionelle Twitterer

Wie bei den meisten Android-Apps kann man auch hier das Aktualisierungsintervall zum Laden neuer Nachrichten vorgeben und mitteilen, bei welchen Ereignissen ein Hinweissymbol in der oberen Menüzeile erscheinen soll. Gerade wegen dieser Statusleiste ist Android für Twitter-Fans das beste Betriebssystem. Auf einen Blick sieht man neben verpassten Anrufen oder neuen SMS auch jene Twitter-Nachrichten, die einen interessieren, beispielsweise Retweets eigener Meldungen oder Direktnachrichten. Auf dem iPhone mit seinem eingeschränkten Multitasking hingegen wird man über Neuheiten nur mit den sogenannten „Push Notifications“ informiert. Sie sind auf dem Hauptbildschirm eingeblendet und bringen etliche Nachteile mit: Der Push-Dienst von Apple funktioniert alles andere als zuverlässig, und wer viele Meldungen erhält, verliert schnell die Übersicht. Zudem unterstützen nur wenige iPhone-Apps die Push-Benachrichtigungen, etwa das ältere Echofon. Schließlich ist die geringere Bildschirmauflösung des iPhone gegenüber aktuellen Android-Stars wie dem HTC Desire ein Minuspunkt.

Sind noch mehr Funktionen und eine bessere Ausstattung gefragt, bieten sich Seesmic 1.3 für Android (gratis) oder Twidroid an. Letzteres gibt es als kostenfreie und als Pro-Variante für 3,40 Euro. Die beiden Platzhirsche bieten für den professionellen Twitterer nahezu alles, was auch im Web-Browser möglich ist. Bei Seesmic etwa die Option, auf gespeicherte Suchabfragen zuzugreifen, eine sehr ausgefeilte Kontaktverwaltung und die Möglichkeit, mehrere Twitter-Accounts zu führen. Das kann man bei Twidroid nur in der Pro-Version, die zudem das Speichern von Nachrichtenentwürfen und eine Integration des konkurrierenden Google-Service Buzz anbietet.

Übersicht bei breiten Nachrichtenströmen

Seesmic und Twidroid sind ebenfalls für die Geo-Lokalisierung gerüstet. Seesmic bringt zudem ein Zusatzprogramm mit, das auf einem der Startbildschirme des Smartphones fortlaufend den aktuellen Nachrichtenstrom zeigt. Für unseren Geschmack ist dieses „Widget“ zu klein geraten, es wird jeweils nur ein Tweet in den Vordergrund gebracht. Ob man sich für Twidroid oder Seesmic entscheidet, ist letztlich eine Frage des persönlichen Geschmacks. Beide sind in ihrer Leistungsfähigkeit herausragend.

Wer mit der Hoot Suite (www.hootsuite.com) im Web-Browser am PC arbeitet, profitiert unter anderem von der geschickten Fensterverwaltung mit Tabulatoren. Das schafft Übersicht bei sehr breiten Nachrichtenströmen. Weitere Vorzüge sind die Verwaltung mehrerer Accounts und die Integration von Facebook und einigen anderen sozialen Netzwerken (Linked In, My Space, Foursquare). Für Android steht eine Gratisversion „Lite“ und eine kostenpflichtige Hoot Suite (3 Dollar) parat. Wir haben die kleine Variante ausprobiert. Sie ist schon sehr komfortabel, etwa bezüglich der Bearbeitung von Retweets vor dem Versand und der Integration von Fotos. Wie bei der Web-Suite lassen sich Tweets zeitversetzt senden, wenn man beispielsweise seine Follower-Gemeinde nicht mit einer Nachricht nach der anderen belästigen will. Störend sind die bei der Lite-Version eingeblendeten Reklame-Tweets. Die Feinjustage, bei welchen Tweets eine Benachrichtigung erfolgen soll, ist schwer zu finden; man suche im Menü „Edit Streams“. Hier entdeckt man ferner die Möglichkeit, eigene Listen und Klartextsuchen in die Gesamtübersicht einzubauen. Ein schönes Extra ist die Anzeige der vollständigen Internetadresse in jenen Tweets, die einen URL-Verkürzungsdienst wie bit.ly einsetzen. Bisweilen erübrigt sich nämlich schon mit einem Blick auf die Quelle der Aufruf der Seite am Smartphone.

Der Autor bei Twitter: www.twitter.com/DrMichaelSpehr

Quelle: F.A.Z.
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Jahrgang 1964, Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

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