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Streik bei der Telekom

10.05.2007 ·  96,5 Prozent stimmen für Ausstand / Verdi will Auslagerung von 50 000 Mitarbeitern verhindern

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bü. BONN, 10. Mai. Bei der Deutschen Telekom beginnt an diesem Freitag der erste große Streik nach der Privatisierung des Staatsunternehmens vor zwölf Jahren. Bei der Urabstimmung hätten sich 96,5 Prozent der Gewerkschaftsmitglieder für den unbefristeten Ausstand ausgesprochen, berichtete Lothar Schröder, Bundesvorstand der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi. Für den Arbeitskampf machte er die starre Haltung des Telekomvorstandes verantwortlich, der etwa 50 000 Beschäftigte in Konzernuntergesellschaften mit längeren Arbeitszeiten und niedrigeren Löhnen versetzen will.

Mehrere Verhandlungsrunden hatten keine Annäherung gebracht. "Ohne ein besseres Angebot werden wir nicht an den Verhandlungstisch zurückkehren", sagte Schröder. Die Telekom hatte zuletzt eine stufenweise Senkung der Gehälter für Servicemitarbeiter und Monteure um neun Prozent und eine Verlängerung der Wochenarbeitszeit von 34 auf 38 Stunden verlangt. Die Anfangseinkommen für neue Mitarbeiter, bisher bis zu 34 000 Euro im Jahr, sollen auf maximal 22 000 Euro sinken. Von den Einkommenskürzungen nicht betroffen sind die Beamten aus früheren Bundespostzeiten, die immer noch etwa vierzig Prozent der rund 100 000 Mitarbeiter in der Festnetzsparte stellen. Auch sie müssten allerdings länger arbeiten. Im Gegenzug ist der Konzern bereit, bis Ende 2011 auf Kündigungen zu verzichten und mehrere tausend neue Arbeitsplätze einzurichten.

Sollte die Gewerkschaft nicht einlenken, droht die Telekom damit, die Mitarbeiter in bestehende Konzerngesellschaften zu versetzen, in denen teilweise schlechtere Konditionen gelten als bisher angeboten. Auch ein Verkauf der Einheiten an Dritte sei denkbar, sagte der Vorstandsvorsitzende René Obermann bei der Vorlage der Zahlen für das erste Vierteljahr. Die Geschäftszahlen belegen nach seiner Darstellung den Reformdruck, unter dem der Konzern steht. Der Gewinn hat sich mehr als halbiert, fast 600 000 Telefonkunden haben der Telekom allein in den ersten drei Monaten 2007 den Rücken gekehrt. "In Deutschland herrscht ein gnadenloser Preiswettbewerb", sagte Obermann. Es gebe keinen anderen Weg als den Sparkurs. "Die Leute wehren sich, weil es um ihre Existenz geht", hielt Schröder dagegen. Wenn das Unternehmen die Arbeitnehmer ohne Zustimmung der Gewerkschaften in "Billiglohngesellschaften" versetze, könne der Konflikt das ganze Jahr andauern. Der Konzern will auf Leiharbeiter und externe Partnerunternehmen zurückgreifen, um die Streikfolgen aufzufangen. Außerdem kann er sich auf die Beamten stützen, die nicht streiken dürfen. Viele von ihnen haben jedoch ihre "Solidarität" mit der Gewerkschaft bekundet. (Siehe Wirtschaft, Seite 19.)

Quelle: F.A.Z., 11.05.2007, Nr. 109 / Seite 1
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