02.04.2008 · Die "Berliner Zeitung" geht in sich
Die Redaktion der "Berliner Zeitung" hat auf einer Vollversammlung am Dienstag beschlossen, persönliche Akteneinsicht bei der Stasi-Unterlagenbehörde zu nehmen. Inzwischen sprachen sich rund neunzig Redakteure für diesen Schritt aus, zwei votierten dagegen, zwei enthielten sich der Stimme, wie der Sprecher des Redakteursausschusses, Thomas Rogalla, sagte.
Die Bedenken einiger, bei der Birthler-Behörde einen persönlichen Antrag auf Akteneinsicht zu stellen, weil so die Unschuldsvermutung umgekehrt werde, wurden offenbar dadurch zerstreut, dass sich sämtliche Redakteure, ost- wie westdeutsche, der Prozedur unterziehen - jeder einzelne für sich. Eine kollektive Überprüfung ist nicht möglich, die wissenschaftliche Expertise, die der Chefredakteur Josef Depenbrock angekündigt hat, stößt bei den Redakteuren auf rechtliche Bedenken. Gleichwohl will der damit beauftragte Anwalt, wie er der "Märkischen Oderzeitung" sagte, die Gesamt-Untersuchung bis Ende Mai vorlegen.
Ausgelöst hatte die Schritte das Bekenntnis des für die Seite 3 zuständigen Redakteurs der "Berliner Zeitung", Thomas Leinkauf, Stasi-IM gewesen zu sein. Der stellvertretende Politik-Chef, Ingo Preißler, hatte sich ebenfalls offenbart. Einem früheren Chefredakteur des Blattes hatte Leinkauf von seiner Verstrickung berichtet. Vor Jahren waren zwölf Mitglieder der Redaktion wegen ihrer Stasi-Verbindungen ausgeschieden. miha.