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Urlaubsreif

22.06.2009 ·  Ariane Friedrich und die Folgen des Rekordes

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LEIRIA. Zum Feiern war Ariane Friedrich schlichtweg zu schlapp. Während die Teamkollegen des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) den Sieg bei der Premiere der Mannschafts-Europameisterschaft vor Russland und Großbritannien in Leiria (Portugal) noch gebührend begingen, ließ sich die Hochspringerin von der LG Eintracht Frankfurt ausgiebig vom Physiotherapeuten bearbeiten. Und anderntags um zwölf stieg sie in den Flieger. Es hätte nicht unbedingt die Maschine nach Frankfurt sein müssen: "Am liebsten würde ich jetzt Urlaub machen." Die Saison hat erst angefangen, aber sie hat schon Spuren hinterlassen. Kopfschmerzen, Erkältung, Heiserkeit. "Wie ein Mann" habe sie vor ein paar Tagen noch geklungen. Nicht so schlimm wie bei der Hallen-EM in Turin, als sie dennoch Europameisterin geworden ist, aber definitiv war sie gehandicapt. "Ich fühle mich wie ausgekotzt." Und damit erklärte sie auch, warum sie, als die Latte im Glutofen von Leiria auf 2,07 Meter lag, nach zwei Fehlversuchen die Arme gekreuzt hatte: Schluss für heute. Die zwölf Punkte für das deutsche Team waren unter Dach und Fach, Pflicht erfüllt. "Aber ich hätte es mir nicht verziehen, wenn ich es nicht wenigstens versucht hätte." Und 2,02 Meter sind unter diesen Umständen auch ein Wort. Jetzt muss sie erst mal wieder frisch werden - körperlich und im Kopf.

Nach ihrem deutschen Rekord, jenen 2,06 Metern am 14. Juni in Berlin, ist so einiges über die 25 Jahre alte Frankfurterin hereingebrochen. "Ich konnte den Wettkampf überhaupt nicht verarbeiten." Sie hätte jeden Tag in einem anderen Fernsehstudio verbringen können, aber das ist nicht ihr Ding. Ariane Friedrich gehört nicht zu den Athleten, die abseits der Hochsprunganlage gerne im Mittelpunkt stehen. "Wenn ich ehrlich bin, hat mich der Rummel nur noch genervt." Und sie gesundheitlich angekratzt. Aber sie hat ja ihren "Bodyguard", der alles von ihr fernhält, so gut es eben geht. Und der auch für sie spricht, wenn sie ihre Ruhe haben will. Da ist Günter Eisinger mehr Trainer als Manager. Erst kommt der Sport, dann die Regeneration, dann die Öffentlichkeitsarbeit.

Bislang ist Ariane Friedrich mit dieser Strategie gut gefahren. Sie ist seit 12 Wettkämpfen ungeschlagen, steht an der Spitze der Weltjahresbestenliste und hat ihrer großen Rivalin Blanka Vlasic in Berlin so richtig den Zahn gezogen. Genau das sei ja auch ihr Ziel gewesen, sagt sie. Nicht der Rekord. "Ich wollte Blanka schlagen und ihr so viele Steine in den Weg legen wie möglich." Die Botschaft ist wohl angekommen. Die Kroatin wird nur ungern auf "the German girl", wie sie Ariane Friedrich meist nennt, angesprochen. Allerdings gewann Blanka Vlasic am Sonntag das Fernduell mit der Frankfurterin. Sie überquerte im slowakischen Ort Banska Bystrica 2,04 Meter.

In Leiria waren es die Spanierin Ruth Beitia, die Italienerin Antonietta Di Martino mit zwei Metern oder die Russin Swetlana Schkolina (1,98 Meter), die Ariane Friedrich alles abverlangten. Und wer weiß, was passiert wäre, wenn die neue Fehlversuchsregel bei der Team-EM (vier Fehler maximal) die Italienerin bei 2,02 Meter nicht jäh gestoppt hätte. "Jetzt müsste auch dem Letzten klar sein, dass Hochsprung viel mehr ist als das Duell Vlasic gegen Friedrich", mahnt Eisinger jedenfalls und zählt gleich noch ein paar potentielle Spielverderberinnen für die Heim-WM in knapp acht Wochen in Berlin auf.

Nun könnte man auf die Idee kommen, dass der Sieg bei der ersten Station der Golden League bei Ariane Friedrich den Appetit auf den eine Million Dollar schweren Jackpot geweckt hat. Wenn ja, dann spielt Eisinger gleich den Appetitzügler. "Das ist für mich Zockerei. Darauf zu spekulieren, die Blanka sechsmal zu schlagen, ist doch vermessen." Zudem kollidieren die deutschen Meisterschaften beinahe mit dem Freitagstermin Golden League in Oslo. Die aber sind für Ariane Friedrich Pflicht, auch wenn der DLV Bereitschaft signalisiert hat, den Hochsprung auf den Sonntag zu verschieben. "Beides geht nicht", sagt Eisinger. Aber selbst wenn: Eine Woche danach, wenn die Golden League in Rom tourt, steht für Ariane Friedrich die Universiade in Belgrad als Fixpunkt auf dem Programm. Mit Qualifikation und dem ganzen Procedere bei Großereignissen, aber nicht ganz so starker Konkurrenz. Eine Art WM im Kleinformat: Die ideale Vorbereitung auf Berlin. "Dort wird schon die Qualifikation ein Hauen und Stechen. Darauf muss man vorbereitet sein", sagt Eisinger. Und noch eins: Es wäre ja auch psychologisch ungeschickt, jetzt dauernd das Duell mit Blanka Vlasic zu suchen. Je länger die Serie von Ariane Friedrich hält, desto besser. Claus Dieterle

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