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Unbequem, unberechenbar: Skibbe attackiert wieder scharf

08.11.2009 ·  Trainer fordert Reformen - und lässt Spekulationen zu

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LEVERKUSEN. Michael Skibbe gehört zu den Bundesligatrainern, die sich nicht sonderlich anstrengen müssen, um die Freundlichkeit in Person zu sein. Doch der Fußballlehrer der Frankfurter Eintracht kann auch anders. Dann wird seine Stimme schneidend und seine Rhetorik für den Augenblick fundamental. Skibbe, den der Frankfurter Vorstandsvorsitzende Heribert Bruchhagen nach dessen gescheiterter Mission bei Galatasaray Istanbul zurück in die Bundesliga geholt hat, zeigt sich seit einigen Wochen von seiner unberechenbaren, unbequemen, unangenehmen Seite - und stellt dabei die Loyalität seiner Vorgesetzten ihm gegenüber auf eine harte Probe. Nachdem dem Trainer sein Herzenswunsch nach einer Verpflichtung des von Schalke 04 zu Galatasaray abgewanderten Lincoln im Spätsommer nicht erfüllt werden konnte, weil der Brasilianer, heißt es, eine Ausstiegsklausel nach einem Jahr in seinen Kontrakt eingebaut sehen wollte, konnte sich der enttäuschte Skibbe lange nicht beruhigen. Kaum ist diese Klagephase des ersten Eintracht-Übungsleiters vorbei, greift der unzufriedene Skibbe Bruchhagen und seine engsten Mitarbeiter schon wieder an. Und das nach einem desaströsen Auftritt seiner Elf, an dem auch Skibbe seinen Anteil hatte. Schließlich hat er die Mannschaft auf- und eingestellt, die am Freitag beim ungeschlagenen Tabellenführer Bayer Leverkusen 0:4 unterging. Kießling (2. Minute), Reinartz (6.), Kroos (11.) und Bender (86.) machten mit ihren Treffern den Riesenunterschied zwischen einem Titelkandidaten und einer novembergrauen Trabertruppe deutlich.

Eigentlich war der Freitag also nicht der richtige Zeitpunkt, eine Art Generalkritik an den Zuständen bei der Eintracht zu üben, doch der Trainer war innerlich zu "geladen", um seine explosive Stimmung verheimlichen zu können. Also legte er sich keine Zügel an und ritt eine scharfe Attacke gegen seinen Boss, ohne dessen Namen zu nennen. "Wenn bei der Eintracht nicht endlich der Hebel umgelegt und Vollgas in allen Bereichen gegeben wird", rief er mit bebender Stimme, "dann werden wir zwar nicht in dieser Saison durchgereicht, aber in der Perspektive schwächer und schwächer und schwächer. Der Verein ist aufgerufen, endlich die Ärmel aufzukrempeln und manche Sachen besser zu machen als bisher."

Richtig konkret werden wollte der Freitagsprediger nicht, und so fragte sich nach Skibbes Aufruf zu innerbetrieblichen Reformen so mancher Frankfurter Insider, ob der Trainer vielleicht schon seinen Abschied von der Eintracht vorbereite. Bei einer Vertragslage, die, anders als von Skibbe immer wieder skizziert, nicht wie selbstverständlich auf eine zweijährige Zusammenarbeit projiziert ist. Wie zu hören, hat Skibbe bei der Eintracht lediglich einen Jahresvertrag mit einer an den Tabellen- und Punktestand konditionierten Option auf ein weiteres Jahr unterschrieben. Der Trainer, dem das vom Frankfurter Fußballidol Bernd Hölzenbein geleitete, durchaus diskutable Scouting der Eintracht ein Dorn im Auge ist, ließ jedenfalls am Freitag Spekulationen über seine Absichten gerne zu. In einem Fernsehinterview sagte er über die von ihm und womöglich auch dem einen oder anderen Mitglied des Aufsichtsrats als latent bedrohlich eingeschätzte Lage der Eintracht: "Wenn man das einfach klaglos hinnimmt und sich nicht dagegen auflehnt, muss man was anderes machen." Soll er doch, mag sich nun so mancher denken, nachdem Skibbe seine programmatischen Forderungen vorbei an Bruchhagen in aller Öffentlichkeit gestellt und damit das eh schon getrübte Verhältnis zu seinem Chef mutwillig weiter beschädigt hat. Bruchhagen wies gegenüber dieser Zeitung darauf hin, dass er noch Mitte vergangener Woche mit Skibbe "ein sehr konstruktives Gespräch" geführt habe. "Nichts hat dabei auf die Aussagen vom Freitag gedeutet." Diese seien wohl "aus der Enttäuschung nach dem Spiel" geäußert worden, er selbst aber wolle sich nun "nicht an einem Pingpong-Spiel beteiligen". Wie die Verhältnisse bei der Eintracht nun einmal sind, käme der letzte Schmetterball sowieso von ihm und nicht von seinem leitenden Angestellten. ROLAND ZORN

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