20.01.2005 · Operative Gewinnprognose gesenkt / Aussichten für den Nettogewinn erhöht / Steuereffekte in Amerika
fib. TOKIO, 20. Januar. Die Sony Corp. hat ihre Umsatz- und operativen Gewinnprognosen aufgrund eines verschärften Preiswettbewerbs auf den Märkten der Hochtechnologie nach unten korrigieren müssen. Dagegen soll unter dem Bilanzstrich des im März beendeten Geschäftsjahres der Nettogewinn mehr als 30 Prozent höher ausfallen. Grund dafür sind nach den Angaben vor allem steuerliche Effekte für die Tochtergesellschaften in Amerika. Wie das Unternehmen am Donnerstag weiter mitteilte, rechnet es für das laufende Jahr mit einem Betriebsgewinn von nun noch 110 Milliarden Yen (815 Millionen Euro). Das ist fast ein Drittel weniger als bislang prognostiziert. Auf der Erlösseite wird nun mit 7,15 Billionen Yen (53 Milliarden Euro) gerechnet. Bisher hatte das Tokioter Unternehmen mit einem Umsatz von rund 7,35 Billionen Yen gerechnet.
Im Gegensatz dazu ist die Nettogewinnvorhersage deutlich angehoben worden. Sony geht nun von einem Reingewinn von 150 Milliarden Yen aus (1,1 Milliarden Euro). Bisher war den Aktionären ein Profit von 110 Milliarden Yen versprochen worden. Dennoch verlor die Aktie an der Tokioter Börse am Donnerstag knapp ein Prozent an Wert. Sie ging mit 3950 Yen aus dem Markt. Vor einem Jahr notierte das Papier noch bei 3500 Yen. Längerfristig ausgerichtete Investoren spekulieren seit Monaten darauf, daß Sony seine selbstgestellten Ziele erreichen wird. Im kommenden Geschäftsjahr peilt der Konzern eine operative Gewinnspanne von mindestens zehn Prozent an. Davon ist das Unternehmen momentan aber noch ein ganzes Stück entfernt. Ursache sind die fallenden Preise für Unterhaltungselektronik und Halbleiterbausteine. Diese gaben bereits im Vorweihnachtsgeschäft nach.
So rutschten etwa die Endverbraucherpreise für LCD-Flachbildschirme binnen weniger Wochen ab. Auf weiten Teilen der Märkte für Halbleiterbausteine sind die Preise ebenfalls stark gefallen. Darüber hinaus schlagen bei Sony milliardenschwere Investitionen ins Bildschirm- und Chipgeschäft zu Buche. Auch bekommen die Japaner von seiten kleinerer Unternehmen wie beispielsweise Apple enormen Druck. Den Amerikanern war es gelungen, sich mit ihrem digitalen Musikabspielgerät I-Pod an die Spitze einer weltweiten Konsumentenentwicklung zu setzen. Die Ingenieure von Sony hatten zwar schon Ende der neunziger Jahre ein ähnliches Gerät in Vorbereitung. Sie konnten die Entwicklung dieses digitalen Nachfolgers des Sony-Walkman allerdings nicht weiter vorantreiben. Das Management des Konzerns fürchtete, die hauseigene Musiksparte durch das mit dem neuen Gerät verbundene billige Herunterladen einzelner Musikstücke aus dem Internet zu beschädigen.
Um die für 2006 anvisierte Profitmarge zu erreichen, sollen nun gewinnbringende Geschäftsfelder gestärkt werden. So wird Sony die monatliche Produktion seiner gerade auf dem japanischen Markt eingeführten tragbaren Videospielkonsole "PSP" auf eine Million erhöhen. Grund für diese Entscheidung sei die außerordentlich hohe Nachfrage, sagte Ken Kutaragi, COO des weltweit zweitgrößten Herstellers von Unterhaltungselektronik, in einem Gespräch mit Journalisten am Donnerstag. Die PSP war Mitte Dezember auf den fernöstlichen Markt gekommen. Seitdem seien mehr als 800 000 Geräte abgesetzt worden, sagte Kutaragi weiter. Im März werde die Konsole in Europa und Nordamerika auf die Märkte kommen. Davon erhoffe man sich einen weiteren Absatzschub. Mit der Konsole sucht Sony die schwächeren Leistungen in anderen Geschäftsbereichen zu kontern.