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Wir müssen den Klassenkampf führen

11.10.2009 ·  Zu den Berichten über den künftigen SPD-Bundesvorsitzenden Sigmar Gabriel: Der barocke Gabriel - "eine Mischung aus Machtmensch und Kumpeltyp", der schon lange zur Führungsreserve der Partei zählt - soll also die SPD in eine bessere Zukunft führen.

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Zu den Berichten über den künftigen SPD-Bundesvorsitzenden Sigmar Gabriel: Der barocke Gabriel - "eine Mischung aus Machtmensch und Kumpeltyp", der schon lange zur Führungsreserve der Partei zählt - soll also die SPD in eine bessere Zukunft führen. Denkbar wäre, dass ein von Prinzipien freier Vorsitzender Gabriel die Jahre seiner Parteikarriere als erfolgreicher Netzwerker hinter sich ließe und sich wieder seiner Wurzeln in der sozialistischen Jugendbewegung besänne.

Seine politische Sozialisation erfuhr Gabriel nicht bei den Jungsozialisten, die ihm wegen zu viel Theorie und Papier fremd blieben, sondern bei der "Sozialistischen Jugend Deutschlands SJD - Die Falken". Dort betrieb er nach eigenen Angaben in der Zeit von 1976 bis 1989 "ehrenamtliche Kinder- und Jugendarbeit". Aber nicht nur. Er agierte auch politisch - die SJD im Westen Deutschlands stand in diesen Jahren linksaußen, war DKP-nah, also eine Sympathisantin des DDR-Systems.

Über einige Jahre hinweg griff er stetig die Politik von Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) an. Bei der Bundeskonferenz der SJD 1981 etwa erklärte er, durch die Unterstützung des Nato-Doppelbeschlusses schaffe die SPD "objektiv die Voraussetzung dafür", dass der europäische Atomkrieg möglich werde. Zwei Jahre später, 1983, fordert Gabriel von der SPD: Um die gewünschte klassenlose Gesellschaft zu erreichen, dürfe man nicht dem Klassenkampf eine Absage erteilen, sondern man müsse den Klassenkampf führen, so steht es im Protokoll der 19. Bundeskonferenz der SJD vom 12. bis 15. Mai 1983 auf Seite 51. Bei der Bundeskonferenz 1987 wird Gabriel zu einem der fünf "SJ-Ring-Beisitzer" gewählt; zwei Jahre später, im Jahre des Mauerfalls, scheidet der mittlerweile Dreißigjährige altershalber bei der SJD aus.

DR. KLAUS SCHRODE, HEIDELBERG

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