07.03.2010 · Ihr Artikel "Ein Sicherheitsnetz für den Windstrom" (F.A.Z. vom 26. Februar) verweist auf eine wichtige Problematik, beleuchtet jedoch nicht deren eigentliche Ursache: den systemischen Widerspruch zwischen fluktuierend einspeisenden ...
Ihr Artikel "Ein Sicherheitsnetz für den Windstrom" (F.A.Z. vom 26. Februar) verweist auf eine wichtige Problematik, beleuchtet jedoch nicht deren eigentliche Ursache: den systemischen Widerspruch zwischen fluktuierend einspeisenden erneuerbaren Energien und den sogenannten Grundlast-Kraftwerken, die Kohle- oder Atomkraft nutzen. Diese Kraftwerke lassen sich aus technischen Gründen nur in begrenztem Maße hoch- oder runterregeln - und schon gar nicht für ein paar windreiche Stunden mal eben abschalten.
Je stärker also Fotovoltaik und vor allem die Windenergie ausgebaut werden, desto häufiger geraten wir in Situationen, in denen der Grundlast-Strom und die Ausbeute der Erneuerbaren in der Addition den Bedarf übersteigen. Negative Börsenpreise für Strom sind ein Symptom dieses unaufgelösten Konflikts. Der zügige Ausbau der Erneuerbaren ist gesellschaftlich breit akzeptiert, politisch gewollt, aus Umweltsicht dringend geboten und energiewirtschaftlich richtig. Windräder werden in naher Zukunft das Gros unseres Stroms liefern und damit zu "Leit"-Kraftwerken, an deren Eigenschaften sich der übrige Kraftwerkspark anzupassen hat.
Zur Ergänzung der Erneuerbaren benötigen wir heute moderne Gaskraftwerke (die neben Strom auch Heizwärme produzieren) sowie in zunehmendem Maße neue Technologien zur Netzsteuerung und Speicherung von Strom. Neue Kohlekraftwerke oder Atomkraftwerke, die länger am Netz bleiben, hingegen sind in einem Stromerzeugungssystem, das auf Erneuerbare setzt, fehl am Platz.
Marcel Keiffenheim, Pressesprecher des Ökostrom-Anbieters Greenpeace Energy, Hamburg