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Kirchen, Synagogen und Moscheen

28.12.2009 ·  Im Artikel "Zu viel Istanbul, zu wenig Duisburg" im Feuilleton der F.A.Z. vom 9. Dezember hat Dieter Bartetzko einen Vergleich des neuen Moscheenbaus mit dem der neuen Synagogen in Deutschland gezogen.

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Im Artikel "Zu viel Istanbul, zu wenig Duisburg" im Feuilleton der F.A.Z. vom 9. Dezember hat Dieter Bartetzko einen Vergleich des neuen Moscheenbaus mit dem der neuen Synagogen in Deutschland gezogen. Seinem Fazit kann man nur zustimmen: Die Synagogen passen sich sehr gut in die Architektursprache der Gegenwart ein, während das für viele der unbeholfenen Kopien von Elementen traditioneller Istanbuler Moscheen nicht gilt. Die Tatsache, dass sich die Kölner Ditib-Zentrale entschlossen hat, einen Architekten aus der Familie der bedeutendsten Kirchenbaumeister Deutschlands für ihren Neubau zu beschäftigen - der allerdings die traditionellen Erwartungen an die Formensprache einer türkischen Moschee geschickt mit einer Orientierung an der Moderne zu verbinden weiß -, ist ein deutliches und gutes Zeichen des Integrationswillens.

Dem Artikel muss allerdings in einer wesentlichen Voraussetzung widersprochen werden: Die Synagogen und die Moscheen sind nicht so einfach zu vergleichen. Der Fehler liegt in der Ineinssetzung von Kultur und Religion, die aber nicht dasselbe sind. Bei den Synagogen handelt es sich um Bauten einer Glaubensgemeinschaft, die selbst ein integraler Bestandteil der Kultur Europas, die allerdings in ihrer Mehrheit auf christliche Ansätze zurückgeht, ist und war. Die Integration und Assimilation der Juden in die christliche Gesellschaft im 19. Jahrhundert bezog sich vor allem auf rechtliche Fragen und solche der Bräuche und Gewohnheiten, nicht eigentlich einer fremden Kultur.

Kulturen können geprägt sein von einer Religion, aber sie sind nicht identisch mit ihr. Religionen "inkulturieren" sich in unterschiedlichen Kulturen. Und genau da liegt das Problem der islamischen Gemeinden, die eine heimatliche Kultur nach Europa übertragen und hier von einer Moschee das gleiche Aussehen erwarten, wie dies in den arabisch-osmanischen Traditionen seine Blütezeiten gehabt hat. Für die türkischstämmigen Menschen - ob sie nun muslimischen Glaubens sind oder nicht - stellt sich die Frage nach dem Grad der Anpassung an die sie umgebende Kultur auch deshalb besonders nachdrücklich, weil es so viele Unterschiede gibt. Dass dies alles wiederum sehr viel mit Religion zu tun hat, ist offensichtlich, aber nicht der einzige Faktor, der viel eher in den Formen des Verhaltens, der Künste, der Gewohnheiten und eben auch des Ausdrucks in Architektur zu suchen ist.

Insofern haben es die Muslime viel schwerer, sich mit ihren Bauten in das Stadtbild moderner europäischer - oder besser: westlicher - Städte einzufügen, als es die Mitbürger jüdischen Glaubens haben. Diese sind immer schon zu Hause in diesen Formen gewesen, haben sie selbst wesentlich mitgeprägt, jene müssen den Weg zu einem europäischen Islam über den einer neuen Inkulturation gehen.

PROFESSOR DR. THOMAS STERNBERG, DÜSSELDORF

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