24.06.2009 · Stefan Tomik stimme ich aus vollem Herzen zu, dass Kinderpornographie mit Meinungsfreiheit nichts zu tun hat und daher entsprechende Internetsperren auch nicht als Zensur bezeichnet werden können ("Sperren, was nicht zu löschen ist", F.A.Z.
Stefan Tomik stimme ich aus vollem Herzen zu, dass Kinderpornographie mit Meinungsfreiheit nichts zu tun hat und daher entsprechende Internetsperren auch nicht als Zensur bezeichnet werden können ("Sperren, was nicht zu löschen ist", F.A.Z. vom 18. Juni). Das Internet ist kein rechtsfreier Raum und derartige Inhalte haben im Netz nichts verloren. Leider wird in der Diskussion jedoch der Eindruck erweckt, als ob Internet-Sperren (in welcher technischen Umsetzung auch immer; die DNS-Sperre ist geradezu lächerlich) einen Süchtigen davon abhalten könnten, auf diese Inhalte zuzugreifen. Als technisch gebildeter Mensch muss ich leider sagen, dass solche Maßnahmen ins Leere laufen werden.
Ohne den Leser mit Details zu quälen, muss man erklären, warum ein rein nationales Vorgehen vergeblich ist. Wenn der direkte Zugang zu solchen Inhalten über einen deutschen Internet-Provider verwehrt wird, so kann der Zugang über einen dritten Rechner (der im Ausland steht) hergestellt werden. Der Zugriff auf den dritten Rechner ist möglich, da er nicht auf der schwarzen Liste steht, und die Weiterleitung ist möglich, da der Rechner nicht in Deutschland steht und damit nicht in den Mechanismus der Internet-Sperre eingebunden ist. Auch wenn diese Umgehungsmaßnahme für den Laien kompliziert klingt, ist es dies für einen versierteren Internet-Nutzer nicht. Und die DNS-Sperre ist noch weit einfacher zu umgehen.
Da die technische Architektur des Internets es also unmöglich macht, Internetseiten effektiv zu sperren, handelt es sich bei dieser Kampagne um billigen Stimmenfang vor dem Wahlkampf. Dies mit einem solch abstoßenden Thema zu betreiben ist Zeichen politischer Unkultur. Man sollte auch den Süchtigen mehr Angebote machen, sich aus ihrer Krankheit zu befreien und entsprechende psychiatrische Beratungsstellen finanzieren. Dies wären sinnvolle Maßnahmen, für die leider das Geld fehlt, wenn man es für eine absurde Technologie ausgibt.
Markus Klems, Karlsruhe