02.11.2009 · Sollte der Bericht "Im Hinterhalt" (F.A.Z. vom 19. Oktober) aus Kundus auch nur teilweise zutreffen, dann stünde der deutsche Soldat vor einer unlösbaren Aufgabe. Die Lage sei ihnen entglitten, sagen die Unteroffiziere, weil die Mittel, aber vor allem die Kräfte fehlten.
Sollte der Bericht "Im Hinterhalt" (F.A.Z. vom 19. Oktober) aus Kundus auch nur teilweise zutreffen, dann stünde der deutsche Soldat vor einer unlösbaren Aufgabe. Die Lage sei ihnen entglitten, sagen die Unteroffiziere, weil die Mittel, aber vor allem die Kräfte fehlten. Das scheint eine unabweisbare Schilderung der Verhältnisse zu sein, die sich in den letzten zwei Jahren entwickelt haben. Die deutsche Öffentlichkeit nimmt das regungslos hin. Dabei ist Afghanistan ein Thema, das die Nato zerreißen könnte, wenn der Krieg tatsächlich verloren ginge. Zwei Fragen stellen sich: Wie geht das Parlament mit einer Armee um, die seinen Namen trägt? Wie ist es möglich, dass die Soldaten ihr Leben für eine Sache einsetzen sollen, die immer deutlicher so nicht zum Erfolg führen kann?
Was sagen die Kommandeure der Unteroffiziere, die ungeschminkt eine Lage beschreiben, die so noch von keinem der Kommandeure nach außen getragen worden ist? Wenn Kameradschaft, Fürsorge und das Vertrauen in die Zweckmäßigkeit gegebener Befehle der Kitt ist, der jede Armee zusammenhält, dann ist der Moment jetzt gekommen, sich als Träger der Verantwortung vor die eigene Truppe zu stellen und klare Forderungen zu erheben. Entweder sie erhält die Kräfte und Mittel, um ihren Auftrag erfüllen zu können, oder sie muss abgezogen werden. Alles andere wäre eine ernstzunehmende Beschädigung des Treueverhältnisses zwischen Soldat und Staat.
Man fragt sich, wie vor diesem Hintergrund die Versicherung Helmut Schmidts anlässlich des Feierlichen Gelöbnisses am 20. Juli 2008 vor dem Reichstagsgebäude einzuschätzen ist, die Soldaten könnten sich darauf verlassen, dass sie niemals missbraucht oder falsch eingesetzt würden.
Christian Trull, Generalmajor a.D., Hummelfeld