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Rooney kostet 76 Millionen Euro

20.06.2004 ·  Beckham in der Rolle des Mahners im Blick zurück auf das Jahr 2000

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r.z. FRANKFURT. Beckham? Der "Spice Boy" war einmal der Pin-up-Popstar der Engländer. Owen? Der Liverpooler hat seine Zeit als "Wunderkind" längst hinter sich. Heute ist "Rooney-Time" im fußball- und märchenverrückten England. Ein 18 Jahre alter Teenager aus Liverpool, der nicht einmal an der Anfield Road, sondern beim kleinen Nachbarn FC Everton seine siebenstellige Ausbildungsvergütung bezieht, verzaubert das Vereinigte Königreich. Nicht, weil er so smart wie Beckham oder so cool wie Owen unterwegs wäre, Wayne Rooney wird angehimmelt, weil er so etwas wie die Wuchtbrumme der Europameisterschaft in Portugal ist. Seit seinen beiden Treffern zum 3:0-Sieg über die Schweiz hofft ganz Britannien auf eine Fortsetzungsgeschichte mit dem prolligen Blitzaufsteiger in der Hauptrolle. Gewinnt die Mannschaft von Manager Sven-Göran Eriksson an diesem Montag gegen Kroatien und schießt Rooney dazu "sein" Tor, England wäre glücklich, hätte doch die Nationalmannschaft, wozu schon ein Remis genügt, das EM-Viertelfinale erreicht.

Auf dem Zeitungsboulevard verfrachten sie den Jungstar mit dem Habitus des frühen Paul Gascoigne inzwischen schon nach London. Zum FC Chelsea, wo Geld bekannterweise keine Rolle spielt. Doch Rooneys Vereinsboss Bill Kenright hat die Latte selbst für den schwerreichen russischen Ölmagnaten und Chelsea-Eigner Roman Abramowitsch sehr hoch gelegt. Unter 76 Millionen Euro Ablösesumme brauche erst gar niemand mit dem FC Everton über einen Vereinswechsel des rauh geschliffenen Juwels zu verhandeln. Diese Summe wäre Rekord und scheint im Augenblick auch noch nicht ernsthaft im Bieterangebot für den propperen Stürmer, der nicht gerade wie ein Hungerkünstler anmutet.

Ein anderer englischer Nationalspieler jedoch scheint dem Lockruf des Petropfunds erlegen zu sein. Laut einem Bericht der englischen Zeitung "Sunday People" wechselt Steven Gerrard zur kommenden Spielzeit vom FC Liverpool zum FC Chelsea - für schlappe 60 Millionen Euro Ablöse. Auch diese Summe hat in England, wo immer noch der zur Zeit wegen Dopings gesperrte Rio Ferdinand von Manchester United mit 48 Millionen Euro die Wechselkurstabelle anführt, noch niemand gezahlt. Gerrard harmoniert in Portugal prächtig mit Chelseas Kapitän Frank Lampard im Herzen des britischen Mittelfelds und hat wie Lampard auch schon ein Tor für seine Mannschaft geschossen.

Im englischen Mittelfeld ist Spielführer David Beckham rechtsaußen postiert, von wo aus er noch nicht nachhaltig auf die Spielzüge seines Teams während der EM Einfluß nahm. Statt dessen tritt Beckham in diesen Tagen vor allem als Mahner auf. Schließlich ist es erst vier Jahre her, daß die Engländer glaubten, bei der EM in Belgien und Holland den wichtigsten Schritt auf dem Weg ins Viertelfinale mit dem unansehnlichen 1:0-Sieg über Deutschland getan zu haben. Ein Irrtum, wie sich anschließend zeigen sollte, als die schon damals von Beckham geprägte und von Alan Shearer geführte Mannschaft ihren Leichtsinn teuer bezahlte. Die Engländer verspielten im letzten Gruppenspiel eine 2:1-Führung gegen Rumänien, verloren 2:3 und fuhren danach wie die noch schlimmer gedemütigten Deutschen zurück nach Haus. "So etwas", sagt Beckham im Blick zurück, "möchte ich nicht noch einmal erleben."

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.06.2004, Nr. 141 / Seite 27
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