24.07.2007 · Sejdiu in Washington: Keine einseitige Unabhängigkeitserklärung
rüb. WASHINGTON, 24. Juli. Die politischen Führer der Kosovo-Albaner haben bei einem Gespräch mit der amerikanischen Außenministerin Condoleezza Rice in der Nacht zum Dienstag in Washington versichert, die Unabhängigkeit der formal zu Serbien gehörenden Provinz nicht einseitig auszurufen. Damit nahm Präsident Fatmir Sejdiu die vor wenigen Tagen von Ministerpräsident Agim Çeku ausgesprochene Warnung faktisch zurück, die Regierung in der Provinzhauptstadt Prishtina werde am 28. November, dem von allen Albanern im albanischen Mutterland wie in der Diaspora begangenen Nationalfeiertag, einseitig die Unabhängigkeit erklären, sollte die Staatengemeinschaft nicht bald auf diplomatischem Weg der seit 1999 von den UN verwalteten Provinz die staatliche Souveränität gewähren.
Wie es in Washington hieß, sprach Rice die zuvor von amerikanischen Diplomaten schon geäußerte Bitte nach einem Verzicht auf einseitige Schritte bei dem Gespräch mit der siebenköpfigen kosovo-albanischen Delegation abermals ausdrücklich aus. Rice bekräftigte im Gegenzug das Bekenntnis Washingtons zum Recht auf staatliche Unabhängigkeit der Provinz, von deren etwa zwei Millionen Einwohnern rund 90 Prozent ethnische Albaner sind. "Wir fühlen uns einem unabhängigen Kosovo verpflichtet, und wir werden dahin kommen - auf dem einen oder auf dem anderen Weg", sagte Rice. Präsident George W. Bush habe "sehr deutlich gemacht", dass Washington den Plan des UN-Vermittlers und früheren finnischen Präsidenten Martti Ahtisaari "für die richtige Grundlage hält und dass es ein unabhängiges Kosovo geben muss", bekräftigte Rice. Ahitsaari hatte nach anderhalbjährigen ergebnislosen Verhandlungen mit Prishtina und Belgrad einen Plan für eine "bedingte Unabhängigkeit" des Kosovo vorgelegt und eine Übernahme der UN-Verwaltung durch die EU vorgeschlagen.
Wie Washington angesichts des hartnäckigen Widerstands Moskaus gegen die Unabhängigkeit des Kosovo und der Zögerlichkeit der Europäer dieses Ziel erreichen will, ist vorerst unklar. Nach der Blockade einer Resolution des UN-Sicherheitsrates durch Moskau will Washington in der Balkan-Kontaktgruppe - bestehend aus Russland, den Vereinigten Staaten sowie Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien - weiter über das Kosovo verhandeln. Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier brachte zudem die Schaffung einer Troika für das Kosovo ins Gespräch, zu welcher Vertreter Russlands, der Vereinigten Staaten und der EU zusammenkommen sollen. In Washington heißt es, dass die amerikanische Regierung angesichts der Schwierigkeiten im Irak und anderswo im Nahen Osten sowie wegen des Streits mit Moskau über die Raketenabwehr in Europa den Konflikt mit Russland wegen des Kosovo vorerst nicht weiter verschärfen will.